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Oersted-Aktie: Bei Gegenwind kaufen?

Zoff mit Washington

Die Oersted-Aktie bekommt sich seit Monaten Gegenwind an der Börse. Am Mittwochvormittag fällt der Kurs des dänischen Windparkbetreibers auf den niedrigsten Stand seit Januar. Was nimmt Oersted den Wind aus den Segeln und können Anleger bald wieder mit Rückenwind rechnen?

Erneute Probleme in den USA

Auslöser der aktuellen Kursschwäche ist einmal mehr die US-Regierung. Das Justizministerium hat erneut einen gerichtlichen Vorstoß unternommen, um das 704-MW-Projekt Revolution Wind an der Küste vor dem Bundesstaat Rhode Island überprüfen zu lassen und den Bau zu stoppen.

Washington argumentiert, die Genehmigung berücksichtige mögliche Auswirkungen auf Fischerei, Forschung und historische Stätten nicht ausreichend. Das Projekt ist weit fortgeschritten; die Turbineninstallation ist bereits abgeschlossen. Bis Jahresende sollte der Windpark den vollen kommerziellen Betrieb aufnehmen.

Die jüngste juristische Auseinandersetzung ist das nächste Kapitel einer langen Streitgeschichte zwischen der Trump-Administration und dem dänischen Windparkbetreiber. Die US-Regierung versucht seit Jahren, die Arbeiten am Windpark vor der Ostküste der USA zu torpedieren.

Bislang allerdings ohne Erfolg. Im Januar erlaubte ein US-Bundesgericht die Wiederaufnahme der Bautätigkeit. Die Börse richtet nun ihr Augenmerk darauf, ob ein anderes Gericht eine Neuprüfung der Genehmigung veranlasst. Sollte das der Fall sein, ist mit einem massiven Kurseinbruch der Oersted-Aktie zu rechnen.

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In Europa läuft es besser

Besser läuft es für die Dänen aktuell hingegen in Europa. Zum Wochenbeginn kündigte Oersted an, den verbleibenden Anteil am Windpark Gunfleet Sands vor der Küste der britischen Provinz Essex für 15 Millionen GBP zurückzukaufen. Das dänische Unternehmen wird damit alleiniger Eigentümer und Betreiber des 170-Megawatt-Windparks in Großbritannien.

Auch in Deutschland hat Oersted zuletzt seine Erzeugungskapazität erhöht. Ende September wurde der 913-Megawatt-Windpark Borkum Riffgrund 3 gemeinsam mit dem Partner Nuveen eingeweiht. Es ist der bislang größte Offshore-Windpark der Dänen in Deutschland und erhöht Oersteds installierte Offshore-Leistung in Deutschland auf rund 2,5 Gigawatt.

Vom 6- auf das 12-Monatstief?

Die Oersted-Aktie ist charttechnisch angeschlagen. Heute Vormittag durchbricht sie ihr bisheriges 6-Monatstief bei 17,30 €. Sollte das Jahrestief bei 16,80 € ebenfalls nicht halten, könnte die Aktie Kurs auf ihr 12-Monatstief bei 15,30 € nehmen.

Ein spannendes Turnaround-Investment

Für mich zählt die Oersted-Aktie zu den spannendsten Turnaround-Investments auf dem europäischen Aktienmarkt. Seit seinem Allzeithoch zum Jahreswechsel 2020/21 haben sich über -80% des Börsenwerts des weltgrößten Offshore-Windkrafterzeugers in Luft aufgelöst. Einen Kurssturz in dieser Größenordnung halte ich für überzogen.

Oersted ist ein nach wie vor ein wachsendes Unternehmen, das mit einem Forward-KGV von 14 in meinen Augen nicht überbewertet ist. Die Offshore-Windenergie wird ihren weltweiten Siegeszug in den kommenden Jahren fortsetzen — trotz des politischen Widerstands auch in den USA.

Dieser Erfolg liegt an den sehr wettbewerbsfähigen Stromgestehungskosten von Windkraft auf See. Sie sind mit 5 bis 12 Cent je Kilowattstunde aufgrund der höheren Investitions- und Netzanbindungskosten zwar etwas höher als bei Windkraftanlagen an Land. Dafür haben Offshore-Anlagen den Vorteil sehr hoher Volllaststunden wegen des kontinuierlichen Windes auf See.

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ℹ️ Oersted in Kürze

  • Oersted (WKN: A0NBLH) mit Sitz im dänischen Fredericia ist Weltmarktführer im Bereich Offshore-Windenenergie.
  • Der Windenergiekonzern betreibt Windparks in mehreren europäischen Ländern, vorwiegend in Dänemark, Deutschland und Großbritannien sowie in den USA.
  • Neben dem Offshore-Geschäft ist Oersted auch tätig in den Bereichen Onshore-Windkraft (in den USA) und Markets & Bioenergy (Biomasse-Kraftwerke und Stromvertrieb)
  • Oersted notiert an der Börse Kopenhagen und ist ca. 24 Milliarden € wert.

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Fazit

Trotz dieses Turnaround-Potenzials rate ich Anlegern kurzfristig, die Finger von der Oersted-Aktie zu lassen. Solange unklar ist, wie es in den USA mit dem Revolution Wind-Park weitergeht, dürfte der Aktienkurs unter Druck bleiben.

Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass ein Gericht in letzter Minute die vollständige Inbetriebnahme untersagt. Aber you never know. US-Gerichte sind bekanntermaßen eine Black Box und fällen nicht selten nicht nachvollziehbare Urteile.