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Tesla-Aktie: Die nächste Milliardenwette

Einstieg in die Chipfertigung
Nachdem die Tesla-Aktie Ende Juli auf ein neues 12-Monatstief bei 300 US$ abgerutscht war, hat sie sich in den darauffolgenden Wochen deutlich auf 380 US$ erholt. Kann diese Kurserholung noch weitergehen oder setzt Elon Musk mit der nächsten Milliardenwette wieder alles aufs Spiel?

Einstieg in die Chipfertigung

Elon Musk ist bekannt dafür, nicht gerne auf andere Unternehmen zu setzen, sondern lieber alles selbst zu machen. Und das soll nun auch bei Chips passieren.

Der Tesla-Chef so unzufrieden mit den Möglichkeiten der großen Chipproduzenten, dass er die Fertigung von Halbleitern für seine Autos und Roboter lieber selbst in die Hand nimmt. Nach Aussage von Musk habe er in den Fabriken der Chiphersteller keine maßgeschneiderten Anlagen gesehen.

Diese Strategie ist als mehr oder weniger direkter Angriff auf TSMC, den weltgrößen Halbleiterfertiger der Welt, zu verstehen. Gleichzeitig benötigt Tesla aber offenbar auch die Unterstützung von TSMC. Laut Unternehmensinformationen findet derzeit Gespräche über eine Einbindung der Taiwaner in den Betrieb der Terafab statt.

Die geplante Terafab in den USA für die Produktion von Chips dürfte alleine in der ersten Ausbaustufe 16,8 Milliarden US$ kosten und je zur Hälfte von Tesla und von SpaceX finanziert werden.

Zur Verdeutlichung, wie hoch die finanzielle Belastung von Tesla dadurch ist: In den letzten vier Quartalen hat der Auto- und Roboterhersteller ca. 3,8 Milliarden US$ Gewinn gemacht. Die hälftigen Investitionskosten von 8,4 Milliarden US$ entsprechen somit mehr als dem zweifachen Jahresgewinn.

Hinzu kommt die fehlende Erfahrung Teslas im Aufbau und im Betrieb einer Chipfertigung. Die Herstellung von Halbleitern mit einer möglichst hohen Ausbeute ist ein Projekt, das jahrelange Erfahrung benötigt. Ich fürchte, dass Musk dieses Knowhow unterschätzt.

Er scheint der Überzeugung zu sein, dass ein Unternehmen, das Fabriken für Autos, Batterien, Raketen und Roboter selbst einrichtet, auch in der Lage ist, eine Chipfertigung aufzubauen. Das ist meiner Meinung nach ein gefährlicher Trugschluss.

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Die EU macht Druck

Ein weiterer Trugschluss, der erst vor kurzem aufflog, ist die Bezeichnung des Tesla-Fahrassistenten als „Full Self-Driving (supervised“). Offenbar musste der Autobauer diese Bezeichnung auf Druck der Europäischen Union aufgeben. Schließlich handelt es sich nicht um völlig eigenständig fahrende Autos. Der Fahrer muss jederzeit in der Lage sein, die Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen.

In Zukunft wird das früher „Autopilot“ genannte System in Europa „Tesla Assisted Driving“ heißen. Mit dieser Umbenennung will Elon Musk offenbar die europäischen Behörden gnädig stimmen, sein System endlich zuzulassen. Bislang ist das nur in den Niederlanden der Fall.

Das dürfte nicht einfach werden. Erst vor wenigen Tagen gab es Medienberichte, denen zufolge die Zulassungskampagne Teslas auf systematisch falschen Sicherheitsangaben sowie mangelhaften Studien basiere.

Ausführlich Chartanalyse

Eine ausführliche Chartanalyse der Tesla-Aktie findet ihr bei meinem Kollegen Philipp Nyhoegen.

Tesla fährt hinterher

Ich war nie ein Tesla-Fan und es wird auch nie einer aus mir werden. Elon Musk ist ein Großmeister der Ankündigung, vor allem in Bezug auf autonomes Fahren. In der Realität kann er aber nur einen Bruchteil seiner Versprechung halten.

Derzeit sehe ich nicht, dass Tesla seine Assited Driving in Europa zur Zulassung bringt. Die europäischen Behörden werden die dafür erforderlichen Daten sehr genau unter die Lupe nehmen. Das dürfte Monate dauern.

Gleichzeitig macht Tesla auch mit seinen Robotaxis in den USA kaum Fortschritte. Seit Monaten sind sie lediglich in kleinen Testgebieten unterwegs. Wähend Unternehmen wie Waymo, Apollo go, pony.ai und Zoox inzwischen voll autonom unterwegs sind, fährt Tesla immer weiter hinterher.

Das liegt daran, dass das FSD-System des Autobauers technologisch nicht ausgereift ist. Die ausschließliche Verwendung von Kameras verursacht zu viele Unfälle. Das wird Tesla auch in Europa zum Verhängnis werden.

Musk wird eine Lektion lernen

Und nun will Elon Musk auch in die extrem kostspielige Fertigung von Halbleitern einsteigen. Ich fürchte, der Tesla-Chef übernimmt sich damit ein wenig — sowohl finanziell auch als technologisch.

Das Knowhow von TSMC und Intel lässt sich nicht mal so eben innerhalb von ein paar Monaten aufbauen. Es dauert Jahre, bis eine Chipfertigung ein Qualitätslevel erreicht hat, um mit einem betriebswirtschaftlich sinnvollen Output zu arbeiten. Diese Lektion wird Elon Musk meiner Meinung nach noch lernen.

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ℹ️ Tesla in Kürze

  • Der 2003 gegründete US-Autohersteller mit Hauptsitz in Austin im US-Bundesstaat Texas ist derzeit der weltweit zweitgrößte Hersteller von Elektroautos. Neben Fahrzeugen stellt Tesla (WKN: A1CX3T) auch Batteriespeicher und Photovoltaikanlagen her.
  • Die Fahrzeuge und teilweise auch die Batterien werden in Gigafactories genannten Großfabriken produziert. Derzeit betreibt Tesla Gigafactories in den USA, Deutschland und China.
  • Tesla ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500. Der Unternehmenswert liegt aktuell bei rund 1,50 Billionen US$.

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Fazit

Ein Investment in die Tesla-Aktie ist und bleibt eine gewaltige Wette, bei der die Gewinnchance meiner Überzeugung nach extrem schlecht stehen. Mit einem Forward-KGV von 160 preist die Börse in allen Unternehmensbereichen maximale Erfolge ein.

Die wird es weder bei Robotaxis noch bei Chips geben. Zu allem Überfluss läuft es auch im Kerngeschäft, dem Automobilbau, nicht rund. Im letzten Quartal ging der Tesla-Absatz um 2% gegenüber dem Vorjahr zurück. Die Tesla-Aktie ist deshalb keinen Zock wert.