Deutsche Telekom

Deutsche-Telekom-Aktie -8%: 10 Milliarden € weg – zu Recht?

SpaceX als Bedrohung
Vincent Uhr
SpaceX will mit Starlink zu einem vollwertigen US-Mobilfunkanbieter aufsteigen. Dafür übernimmt Elon Musks Konzern landesweit nutzbare 800-MHz-Frequenzen für angeblich rund 8 Milliarden US$. Die Börse reagierte drastisch: T-Mobile US brach um -13,3% ein, die Deutsche-Telekom-Aktie verlor -7,9% auf 24,70 €. Damit wurden innerhalb eines Handelstages rund 10 Milliarden € Börsenwert vernichtet.

Der Kursverlust folgt einer klaren Rechnung

Die Deutsche Telekom besitzt rund 54% an T-Mobile US. Nach dem Kurseinbruch wird die US-Tochter noch mit etwa 159 Milliarden US$ bewertet. Am Vortag waren es rund 184 Milliarden US$. Der Marktwertverlust beträgt somit ungefähr 25 Milliarden US$.

Der auf die Deutsche Telekom entfallende Anteil entspricht rund 13,5 Milliarden US$ beziehungsweise gut 11 Milliarden €. Damit erklärt die Abwertung der Beteiligung den gesamten Kursverlust des Bonner Konzerns beinahe vollständig. Der Markt hat also nicht wahllos Panik verbreitet, sondern den gesunkenen Wert von T-Mobile US weitgehend an die deutsche Mutter weitergereicht.

Entscheidend ist nun, ob SpaceX das operative Geschäft tatsächlich so stark beschädigen kann, wie es die Kursreaktion unterstellt.

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Aus dem Partner wird ein Wettbewerber

Bislang arbeiten T-Mobile US und SpaceX zusammen. Der Dienst T-Satellite verbindet gewöhnliche Smartphones in Regionen ohne Mobilfunkmasten direkt mit Starlink-Satelliten. Damit konnte T-Mobile Versorgungslücken schließen und sich einen Vorsprung gegenüber AT&T und Verizon sichern.

Mit den eigenen 800-MHz-Frequenzen wird SpaceX jedoch unabhängiger. Die niedrigen Frequenzen besitzen eine hohe Reichweite und dringen besser durch Wände oder Vegetation. Zudem unterstützen zahlreiche vorhandene Smartphones das Frequenzband bereits. Zusammen mit den weltweiten 2-GHz-Frequenzen und bis zu 15.000 genehmigten neuen Satelliten entsteht erstmals die technische Grundlage für ein eigenes Mobilfunkangebot.

Eine flächendeckende Konkurrenz zu T-Mobile ist damit aber noch nicht gebaut. SpaceX benötigt zusätzliche Bodeninfrastruktur, Vertrieb, Kundenservice und möglicherweise ein Roaming-Abkommen. Mehr als 70% des mobilen Datenverkehrs entstehen nach Angaben von T-Mobile innerhalb von Gebäuden – genau dort behalten terrestrische Netze einen grundsätzlichen Vorteil.

Starlink Mobile soll erst Ende 2027 starten. ODDO BHF rechnet damit, dass der Aufbau eines qualitativ konkurrenzfähigen Angebots mehrere Jahre dauert. Citi erwartet keinen wesentlichen Einfluss auf das Geschäft der etablierten Netzbetreiber vor 2029.

Das US-Geschäft wächst weiterhin stark

Von einer operativen Krise ist bei T-Mobile US bislang nichts zu erkennen. Die Serviceerlöse stiegen im zweiten Quartal um 8,9% auf 19 Milliarden US$. Das bereinigte EBITDA AL verbesserte sich um 12,1% auf 9,3 Milliarden US$. Ende Juni verfügte das Unternehmen über 34,7 Millionen Postpaid-Kundenkonten.

Auch der Gesamtkonzern wächst. Die Deutsche Telekom steigerte ihren Umsatz organisch um 3,3% auf 29,9 Milliarden €, während das bereinigte EBITDA AL organisch um 7,3% auf 11,8 Milliarden € zulegte. Der freie Cashflow erhöhte sich auf 5 Milliarden €. Für das Gesamtjahr hob das Management die Cashflow-Prognose auf rund 20 Milliarden € an.

Analystenziele versprechen enormes Potenzial

Nach dem Kurssturz wird die Deutsche-Telekom-Aktie nur noch mit dem rund 12-Fachen des für 2026 erwarteten Gewinns bewertet. Die prognostizierte Dividendenrendite liegt bei etwa 4,6%. Für 2027 sinkt das erwartete KGV sogar auf gut 10.

Das durchschnittliche Kursziel von 17 Analysten beträgt 36,43 € und liegt damit rund 47% über dem aktuellen Kurs. Die Schätzungen reichen von 28,10 bis 43 €. Allerdings stammen die meisten Ziele aus der Zeit vor dem SpaceX-Deal und könnten nun überprüft werden.

ℹ️ Deutsche Telekom in Kürze

  • Die Deutsche Telekom (WKN: 555750) gehört zu den weltweit führenden Konzernen für Telekommunikations- und Informationstechnologie. Die Leistungen sind sehr breit gefächert, von der Breitbanktelefonie, Mobilfunk sowie TV oder komplexe ICT-Lösungen bietet der Konzern alles aus einer Hand an.
  • Das Unternehmen mit Hauptsitz in Bonn ist weltweit in 50 Ländern tätig. Mit der Tochter T-Mobile US gehört es zu den führenden Telekommunikationsanbietern in den USA.
  • Die Marktkapitalisierung der im DAX gelisteten Aktie beträgt rund 119 Milliarden €.

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Vincent Uhr

Fazit

SpaceX ist für T-Mobile US zu einem ernst zu nehmenden langfristigen Wettbewerber geworden. Der Aufbau eines leistungsfähigen Mobilfunknetzes wird jedoch Jahre dauern, während das operative Geschäft weiterhin zweistellig wächst. Bei einem erwarteten KGV von rund 12 und einer Dividendenrendite von 4,6% halte ich den Kurssturz für eine langfristige Kaufchance.