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Renk-Aktie: Schnäppchen oder gefährliche Falle?

Aufträge ohne Ende, doch die Börse zweifelt
Die Renk-Aktie setzt ihre Talfahrt unvermindert fort. In der vergangenen Woche gab der Kurs des Panzergetriebeherstellers um weitere -8,65% nach und fiel mit 33,48 € auf den tiefsten Stand seit dem Zoll-Tief von April 2025. Seit Jahresbeginn belaufen sich die Verluste inzwischen auf mehr als -37%. Sollten Anleger jetzt ins fallende Messer greifen oder weiterhin einen großen Bogen um die Aktie machen?

Millionenauftrag trifft auf massive Zweifel

Operativ gibt es durchaus positive Nachrichten. Renk hat vom finnischen Rüstungskonzern Patria einen Folgeauftrag über 30 Millionen € für HSWL-076-Getriebe der Fahrzeugfamilie TRACKX erhalten. Die Auslieferungen sollen 2027 beginnen. Der Auftrag unterstreicht die bestehende Partnerschaft und sorgt für zusätzliche Visibilität.

Doch an der Börse verpuffen solche Meldungen derzeit fast vollkommen.

Zwar erreichte der Auftragseingang im ersten Halbjahr mit gut 1,2 Milliarden € einen Rekordwert, wodurch der Auftragsbestand auf rund 7,4 Milliarden € kletterte. Entscheidend ist allerdings, wie schnell Renk diese Bestellungen in Umsatz, Gewinn und Cashflow umwandeln kann. Und daran bestehen nach wie vor große Zweifel.

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BofA senkt den Daumen

Die Zweifel an der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells haben sich zuletzt sogar nochmals verschärft. Die Bank of America stufte Renk auf „Neutral“ herab und reduzierte das Kursziel von 62,50 auf 42,50 €. Analyst David Holmes bezweifelt, dass das aktuelle Produktionsniveau langfristig gehalten werden kann. Zudem könnte der Nachfrageboom nach 2030 an Dynamik verlieren. JPMorgan senkte sein Kursziel ebenfalls, hält mit „Overweight“ aber an einer positiven Einschätzung fest. Jefferies bleibt bei „Buy“ und einem Kursziel von 60 €.

Der Analystenkonsens signalisiert weiterhin erhebliches Aufwärtspotenzial. Doch die Spanne zwischen den optimistischen Kurszielen jenseits von 60 € und der vorsichtigeren BofA-Prognose zeigt, wie groß die Unsicherheit geworden ist.

Bewertung: günstiger, aber kein Schnäppchen

Im Konkurrenzvergleich erscheint Renk inzwischen moderater bewertet. Das erwartete KGV für 2026 liegt bei rund 21, während für Rheinmetall etwa 34 und für Hensoldt sogar 48 angesetzt werden. Der Abschlag hat allerdings Gründe: Renk wächst langsamer, die Margenentwicklung bereitet Sorgen und das Geschäft hängt stark von der Modernisierung sowie der Wiederauffüllung bestehender Fahrzeugbestände ab.

Hinzu kommen steigende Anleiherenditen, Gewinnmitnahmen im gesamten Rüstungssektor und die Frage, ob klassische gepanzerte Fahrzeuge im Zuge der veränderten Kriegsführung durch Drohnen langfristig an Bedeutung verlieren. Auch wenn Renk vom hohen Auftragsbestand profitiert, ist die Aktie angesichts dieser Risiken immer noch nicht wirklich günstig.

Charttechnik sendet Warnsignale

Nach der Top-Bildung im Bereich von 85 bis 90 € befindet sich Renk seit Oktober 2025 im Abwärtstrend. Der Kurs hat inzwischen mehr als -60% gegenüber dem damaligen Hoch eingebüßt. Zuletzt durchbrach die Aktie auch die wichtige Marke von 40 €, das frühere Hoch aus dem Jahr 2024. Zusätzlich fiel sie aus dem bestehenden Abwärtstrendkanal nach unten.

Immerhin: Der stark überverkaufte RSI erhöht die Chance auf eine technische Gegenbewegung. Ein nachhaltiges Kaufsignal ist das allerdings nicht. Der nächste bedeutende Support liegt erst um 30 €. Weitere Rückschläge sind damit keineswegs ausgeschlossen.

Q3-Zahlen werden zum Härtetest

Am 21. Oktober steht zunächst ein Pre-Close-Call an, bevor Renk am 5. November die Neunmonatszahlen vorlegt. Der Markt erwartet vor allem Klarheit über Margen, Produktionskapazitäten und die Bestätigung der Jahresziele. Bei einem erwarteten Jahresumsatz von rund 1,6 Milliarden € muss das Unternehmen zeigen, dass die prall gefüllten Auftragsbücher tatsächlich in profitables Wachstum münden.

ℹ️ Renk Group AG in Kürze

  • Die Renk Group (WKN: RENK73) mit Hauptsitz in Augsburg ist ein weltweiter Hersteller von Getrieben, Motoren, Hybridantriebssystemen, Federungssystemen für Fahrzeuge, Gleitlagern, Kupplungen und Prüfsystemen.
  • Das Unternehmen baut Spezialgetriebe für Panzer, Fregatten, Eisbrecher und industrielle Anwendungen und ist führender Lieferant von Fahrwerken und Dämpfungssystemen für militärische Ketten- und Radfahrzeuge.
  • Renk produziert an drei Standorten in Deutschland sowie in der Schweiz, Großbritannien und den USA.
  • Renk notiert seit Ende März im Nebenwerteindex MDAX und ist ca. 3,42 Milliarden € wert.

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Fazit

Eine technische Gegenbewegung ist nach dem heftigen Absturz durchaus möglich. Für eine nachhaltige Trendwende fehlen mir jedoch überzeugende Signale. Die Stimmung im Rüstungssektor bleibt angeschlagen, die Abarbeitung des Auftragsbestands ist mit Fragezeichen verbunden und die Bewertung bietet trotz des Kurssturzes keinen überzeugenden Sicherheitspuffer. Ich würde deshalb zunächst die Zahlen am 5. November abwarten. Erst wenn Renk operative Stärke beweist und sich im Chart eine belastbare Bodenbildung abzeichnet, wird die Aktie für mich wieder interessanter.

In diesem Zusammenhang: Regierungen stocken strategische Rohstoffreserven massiv auf – unser Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ analysiert zwei Aktien, die zu großen Profiteuren werden dürften.