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VW-Aktie: Stellenabbau und Absatzflaute gefährden Konzernzukunft

Krise bei Volkswagen
Redaktion | Börse

Bei Volkswagen brodelt es gewaltig. Das Sparpaket des Vorstands ist laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" im Aufsichtsrat durchgefallen. Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen stimmten dagegen, und da ein Sitz der Kapitalseite derzeit unbesetzt ist, hatten sie zusammen eine Mehrheit von zwölf zu sieben Stimmen. Konzernchef Oliver Blume macht trotzdem weiter und spricht von der "umfassendsten Neuausrichtung der Konzerngeschichte". Ein großes Wort. Die Zahlen zeigen allerdings, warum der Druck so enorm ist.

Vorstand treibt Umbau trotzdem voran

VW wollte sich zum Ergebnis der Aufsichtsratssitzung offiziell nicht äußern. Blume betonte jedoch, der Vorstand treibe die Transformation weiter voran und wolle den Konzern "auch in einem global massiv herausfordernden Umfeld noch robuster und wettbewerbsfähiger" aufstellen. Konkret soll die Modellpalette um die Hälfte schrumpfen, die Zahl der Ausstattungsvarianten sogar um drei Viertel. Finanzvorstand Arno Antlitz will dabei gleichzeitig weiter in E-Autos und Software investieren und die Verbrenner technologisch wettbewerbsfähig halten.

Was genau im abgelehnten Sparpaket steht, ist bislang nur aus Medienberichten bekannt. Und die haben es in sich. Laut "Manager Magazin" könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. "Bild" nennt sogar 120.000. Vier Werke sollen von Schließung bedroht sein. Hannover, Emden, Zwickau und das Audi-Werk in Neckarsulm.

Betriebsrat stellt Ultimatum

Die fehlende offizielle Kommunikation erbost die Arbeitnehmerseite massiv. Der Betriebsrat stellte der Konzernspitze ein Ultimatum, noch im Laufe des Freitags öffentlich Stellung zu beziehen. Das Unternehmen ließ sich davon nicht beeindrucken und verwies auf laufenden Austausch über das interne Mitarbeiterportal und eine Mitarbeitenden-App. Konzernbetriebsrat und die Führungskräftevertretung VMA nannten die Kommunikation der Unternehmensseite in einem gemeinsamen Brief schlicht "beschämend". Schon am Donnerstag hatte es zahlreiche Protestaktionen gegeben.

Die Absatzzahlen sind mau

Weltweit verkaufte der VW-Konzern im zweiten Quartal 2,08 Millionen Autos, das waren fast 9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Im ersten Quartal hatte das Minus noch bei 4 Prozent gelegen. Der Rückgang beschleunigt sich also. Besonders brutal trifft es China, wo die Verkäufe um mehr als ein Drittel auf nur noch 424.300 Fahrzeuge einbrachen.

Die deutschen Kernmarken trifft es am härtesten. VW selbst lieferte im zweiten Quartal 1,02 Millionen Fahrzeuge aus, ein Minus von 14 Prozent. Porsche verlor 18 Prozent auf 61.300 Fahrzeuge. Audi meldete ein Minus von gut 8 Prozent auf 367.000 Autos. Vor drei Jahren lieferte Audi im zweiten Quartal noch fast eine halbe Million Autos aus. Skoda ist die positive Ausnahme im Konzern, die tschechische Tochter steigerte ihren Absatz um fast 5 Prozent auf knapp 284.000 Autos. BMW und Mercedes kamen mit Rückgängen von 5 und 6 Prozent in China noch vergleichsweise glimpflich davon.

Was das für die VW-Aktie bedeutet

Meiner Meinung nach ist die VW-Aktie derzeit ein Paradebeispiel für einen Konzern, bei dem die fundamentalen Probleme immer noch nicht vollständig eingepreist sind. Ein beschleunigender Absatzrückgang, ein zerstrittener Aufsichtsrat, drohende Werksschließungen und ein Vorstand, der Pläne ankündigt, die er intern nicht durchsetzen kann. Die Zahlen aus China machen das besonders deutlich. Wenn dort ein Drittel des Volumens wegbricht und gleichzeitig chinesische Hersteller mit Plug-in-Hybriden zunehmend auch europäische Märkte wie Italien, Spanien und Großbritannien angreifen, dürfte der strukturelle Druck auf VW weiter wachsen. Ich rate aktuell zu großer Vorsicht bei der VW-Aktie. Bis echte Klarheit über den Zukunftsplan herrscht, dürfte die Unsicherheit den Kurs weiter belasten.

Quelle: dpa-AFX

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