Die Unicredit rückt der Commerzbank immer näher. Bis zum Ablauf ihres Übernahmeangebots am 3. Juli wurden der Mailänder Großbank 17,6 Prozent der Commerzbank-Papiere angedient. Damit hält die Unicredit nun direkt gut 44 Prozent an der Commerzbank, denn bereits vor der Offerte kontrollierte sie 26,77 Prozent. Zusammen mit Kaufoptionen auf weitere drei Prozent und zusätzlichen Finanzinstrumenten kommt die Unicredit nach eigenen Angaben auf mehr als 47 Prozent.
Der Weg zur Mehrheit wird kürzer
Meiner Meinung nach ist eine vollständige Übernahme damit deutlich wahrscheinlicher geworden. Die Unicredit darf nun offen an der Börse weitere Commerzbank-Aktien zukaufen, steht dabei aber unter dem wachsamen Blick der Finanzaufsicht. Schon mit Stand 19. Juni hatte die Unicredit rund 40 Prozent plus Finanzinstrumente gemeldet. Das zeigt, wie konsequent Andrea Orcel seinen Kurs verfolgt. Der Unicredit-Chef hatte sogar damit gedroht, das Commerzbank-Management auf der nächsten Hauptversammlung im Frühjahr 2026 abzusetzen, sollte er genug Aktionäre hinter sich bringen.
Ohne grünes Licht der Aufseher geht gar nichts
Bis zu einer echten Übernahme ist es aber noch ein weiter Weg. Weitere Commerzbank-Aktionäre müssten verkaufen, und vor allem müssten die Aufseher mitspielen. Allen voran die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank sowie die Wettbewerbshüter der EU-Kommission haben hier das letzte Wort. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp lehnt die Übernahme ab, und auch der Bund als Aktionär stemmt sich dagegen. Orcel will mit der Commerzbank eine europäische Großbank nach US-Vorbild formen und sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen, verbunden mit dem Abbau von 7.000 Stellen. Die Unicredit war im September 2024 bei der Commerzbank eingestiegen und hatte Anfang Mai ein Angebot von 0,485 eigenen Aktien je Commerzbank-Papier vorgelegt. Lange lag diese Offerte unter dem Commerzbank-Kurs, doch mit dem zuletzt deutlich gestiegenen Unicredit-Aktienkurs wurde das Angebot attraktiver.
Was bedeutet das für die Commerzbank-Aktie?
Für die Commerzbank-Aktie ist die Situation eindeutig kursunterstützend. Jede neue Meldung, die Orcel näher an die Mehrheit bringt, wirkt wie ein Boden unter dem Kurs, denn Übernahmephantasie ist an der Börse bares Geld wert. Ich glaube, dass der Markt den Fortschritt der Unicredit weiterhin mit Aufmerksamkeit verfolgen wird, zumal jede weitere Zukaufoption den Druck auf verbleibende Commerzbank-Aktionäre erhöht. Wer die Aktie hält, sitzt im Moment nicht schlecht.
Quelle: dpa-AFX
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