BYD-Aktie: Langsam wird es dramatisch
Eine ungünstige Kombination
Die Kursmisere der BYD-Aktie ist einer ungünstigen Kombination aus fundamentalen Ansatz- und Gewinnproblemen, geopolitischem Gegenwind und lokalen Hiobsbotschaften geschuldet. Werfen wir einen Blick auf die einzelnen Belastungsfaktoren:
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Eine desaströse Absatzentwicklung
BYD verzeichnete in den letzten Monaten eine desaströse Absatzentwicklung. Neun Monate lang gingen die Verkaufszahlen des weltgrößten Herstellers von Elektroautos zurück.
Doch im Mai gelang den Chinesen endlich die ersehnte Trendwende. Mit ca. 384.000 abgesetzten Fahrzeugen konnte BYD seine Verkaufszahl im Jahresvergleich minimal um 0,3% steigern.
Grund für den Stopp des Absatzrückgangs ist der Boom im Ausland. Im Mai knackte BYD erstmals die Marke von 160.000 exportierten Autos — ein massiver Anstieg von 80% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das bedeutet, dass die Chinesen inzwischen weit über 40% ihrer Autos im Ausland verkaufen.
Und eine noch desaströsere Gewinnentwicklung
Wie sich die jüngste Absatzentwicklung auf die Gewinn- und Verlustrechnung auswirkt, wird sich noch zeigen. Im ersten Quartal verzeichnete BYD einen dramatischen Gewinneinbruch von ca. 55% im Vergleich zum Vorjahr. Der ruinöse Preiswettbewerb auf dem chinesischen Markt hinterlässt auch beim Branchenprimus starke Spuren. Ob der verstärkte Verkauf im Ausland (vor allem in Europa) die Margen wieder nach oben drücken kann, ist bislang unklar.
Drohende Handelsschranken
Die internationale Expansion sollte eigentlich BYDs Rettersanker sein, gerät nun aber geopolitisch massiv ins Stocken. Die Europäische Union verschärft ihre regulatorischen Daumenschrauben und steht kurz vor einer Ausweitung ihrer Strafzölle auf in China produzierte Hybridfahrzeuge.
Gleichzeitig wächst der Druck in Nordamerika. Die USA signalisieren unmissverständlich, dass sie den Markt rigide abschotten wollen, da chinesische Autobauer vermehrt versuchen, über Produktionsstätten in Mexiko und Kanada die US-Zollgrenzen zu umgehen.
Und imageschädigende News
Zu den ohnehin trüben Nachrichten gesellten sich zuletzt auch imageschädigende News aus Ungarn. Beim Bau der ersten europäischen Fabrik soll es zu massiven Verletzungen des ungarischen und europäischen Arbeitsrechts gekommen sein.
Kurs im freien Fall
Das Chartbild der BYD-Aktie nimmt immer dramatischere Ausmaße an. Seit fast drei Monaten befindet sich der Autotitel im freien Fall.
Alle Widerstände der letzten Monaten wurden mit Leichtigkeit durchbrochen. Selbst das 2-Jahrestief bei 8,30 € konnte keine Unterstützung geben. Nun droht ein weiterer Kurseinbruch auf unter 8 €.
Europa wird BYD nicht retten
Wie in meiner letzten Analyse festgestellt, hängt das Schicksal vom BYD am Erfolg in Europa. In China hat der Konzern keine Wachstumschancen mehr. Zu hart ist auf dem Heimatmarkt der Wettbewerb geworden und zu gering sind die Gewinnmargen.
Ein ähnliches Schicksal droht BYD meiner Einschätzung nach aber auch auf dem europäischen Markt. Und das auch zwei Gründen:
Erstens: Auch die anderen großen chinesischen Hersteller wie Chery, Geely und SAIC suchen ihr Heil in Europa. Sie verfolgen genau die gleichen Strategie wie BYD und werden deshalb Maktanteilsgewinne unter sich aufteilen. Hinzu kommen kleinere Autohersteller wie Nio und Xiaomi, die ebenfalls in Europa punkten wollen.
Zweitens: Die europäischen Autokonzerne sind massiv angeschlagen. Aber bekanntermaßen ist ein verletzter Bär ein gefährlicher Bär. Allen voran Volkswagen und Stellantis werden ihre Heimatmärkte mit Zähnen und Klauen verteidigen und den Chinesen das Leben auf dem europäischen Automarkt so schwer wie möglich machen.
Und ihre Chancen, dass das auch gelingen wird, stehen nicht schlecht. Inzwischen schaffen es die europäischen Autokonzerne, Klein- und Mittelklasseautos zu wettbewerbsfähigen Preisen zu produzieren. Wenn das Preisargument für BYD & Co. wegfällt, dürfte es verdammt schwer werden, größten Marktanteile in Europa zu gewinnen.
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ℹ️ BYD in Kürze
- BYD („Build your dreams“) (WKN: A0M4W9) ist ein chinesischer Mischkonzern, der vor allem im Bereich der Herstellung von Akkumulatoren und Automobilen tätig ist.
- Der im chinesischen Shenzhen ansässige Konzern stieg 2023 zum weltgrößten Hersteller von Elektroautos auf.
- Mit einer Marktkapitalisierung von rund 75 Milliarden € zählt BYD zu den wertvollsten Konzernen Chinas.
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Fazit
Mit ist die BYD-Aktie vor diesem Hintergrund viel zu optimistisch bewertet. Ein Forward-KGV von 16 impliziert, dass Europa die Marktanteilsverluste in China mehr als wettmachen kann und die Gewinnmarge der Chinesen deutlich anheben wird. Das halte ich für eine sehr optimistische Sichtweise der Dinge.
BYD wächst nach wie vor knapp zweistellig. Aber diese Wachstumsdynamik wird meiner Meinung nach spätestens 2028 zu Ende sein. Die Bäume wachsen bei der BYD-Aktie nicht mehr in den Himmel. Die Bewertung muss aber noch aus dem Himmel runterkommen. Anleger machen mit ihrer Entscheidung, bei BYD von Bord zu gehen, alles richtig.