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Renk-Aktie: Zu Recht in Sippenhaft mit Rheinmetall?

Neues 12-Monatstief
Die Renk-Aktie gerät am Mittwochmorgen in den Abwärtssog des massiven Kurseinbruchs von Rheinmetall und verliert ebenfalls rund -5% an Wert. Damit fällt der Kurs des Getriebespezialisten auf den tiefsten Stand seit über einem Jahr. Wird die Renk-Aktie zurecht durch Rheinmetall in Mitleidenschaft gezogen oder macht die Börse hier einen Fehler?

Wie hängt Renk mit Rheinmetall und TKMS zusammen?

Zuerst ein Wort zum Auslöser des massiven Kurseinbruchs der Rheinmetall-Aktie. Medienberichten zufolge soll das milliardenschwere F126-Fregattenprojekt der Bundeswehr nicht wie erhofft an Rheinmetall (über deren neu formierte Marinesparte), sondern an den direkten Konkurrenten TKMS (ThyssenKrupp Marine Systems) vergeben werden. Die Nachricht zog mit Ausnahme von TKMS auch die beiden anderen deutschen Rüstungstitel Renk und Hensoldt nach unten.

Wenn ein maritimes Großprojekt dieser Größenordnung im deutschen Rüstungssektor umgeleitet wird, sorgt das im gesamten Sektor für große Verunsicherung über zukünftige Zuliefereraufträge. Aus Angst vor wegbrechender Wachstumsfantasie im Marinesektor stießen Anleger heute auch die Renk-Aktie ab.

Meiner Meinung nach aber völlig zu Unrecht, denn Renk arbeitet extrem eng sowohl mit Rheinmetall als auch mit ThyssenKrupp Marine Systems zusammen. Als weltweit führender Spezialist für Getriebe, Kettenfahrzeugantriebe und maritime Antriebssysteme fungiert Renk im Rüstungsbereich als sogenannter Schlüsselzulieferer. Das bedeutet: Egal, wer von den großen Generalunternehmern ein Fahrzeug oder ein Schiff baut – fast immer stecken die Getriebe von Renk darin.

Wenn TKMS Kriegsschiffe oder U-Boote baut, liefert Renk traditionell die riesigen, extrem geräuscharmen Schiffswendegetriebe und elastischen Kupplungen. Dass der Bund das F126-Projekt nun offenbar an TKMS vergeben will, ist für Renk operativ verkraftbar, denn Renk ist historisch sowohl mit TKMS als auch mit dem bisherigen F126-Bauer Damen Naval partnerschaftlich verbunden. Wenn TKMS den Zuschlag bekommt, baut TKMS zwar das Schiff – die Antriebssysteme im Rumpf kommen aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit trotzdem wieder aus dem Augsburger Werk von Renk.

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Ein massiv verschlechtertes Chartbild

Das Chartbild der Renk-Aktie befindet sich seit geraumer Zeit in einem schlechten Zustand. Seit Mitte Januar steckt der MDAX-Titel in einem hartnäckigen Abwärtstrend fest, der sich durch den heutigen Sturz auf ein neues 12-Monatstief massiv verschlechtert hat.

Bislang hat der Support bei 44 € gehalten. Nun droht der Renk-Aktie ein weiterer Einbruch auf die nächsten Unterstützungen bei 42 und 39 €.

Das spricht jetzt für einen Kauf

Ich glaube, dass die Börse mit der heutigen Sippenhaft der Renk-Aktie einen Fehler macht. Operativ dürfte die Vergabe des Fregattenprojekts an TKMS keine Auswirkungen auf den Getriebebauer haben.

Mit einem Forward-KGV von 24 auf Basis der Gewinnschätzung für das Jahr 2027 halte ich die Renk-Aktie derzeit für moderat bewertet. Das Rüstungsunternehmen wächst im laufenden und im kommenden Jahr mit rund 15% und konnte zudem seine Gewinnmarge in den letzten drei Jahren kontinuierlich um ganze fünf Prozentpunkte auf 12,5% steigern.

Ein weiterer Faktor bei der Rechtfertigung der Bewertung ist die extrem hohe Visibilität der Umsätze. Renk sitzt derzeit auf einem gewaltigen Berg an Aufträgen mit einem Gesamtvolumen von fast 7 Milliarden €. Das Unternehmen wird gut vier Jahre brauchen, um alleine diesen Auftragsberg abzuarbeiten.

In der Zwischenzeit wird Renk aber neue Aufträge in Milliardenhöhe einsammeln. Das bedeutet, dass die Produktion des Getriebeherstellers auf viele Jahre im Voraus komplett ausgelastet ist. Für mich ist diese Umsatzsicherheit ein wichtiger Faktor, um eine auf den ersten Blick recht ambitionierte Bewertung zu rechtfertigen.

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ℹ️ Renk in Kürze

  • Die Renk Group (WKN: RENK73) mit Hauptsitz in Augsburg ist ein weltweiter Hersteller von Getrieben, Motoren, Hybridantriebssystemen, Federungssystemen für Fahrzeuge, Gleitlagern, Kupplungen und Prüfsystemen.
  • Das Unternehmen baut Spezialgetriebe für Panzer, Fregatten, Eisbrecher und industrielle Anwendungen und ist führender Lieferant von Fahrwerken und Dämpfungssystemen für militärische Ketten- und Radfahrzeuge.
  • Renk produziert an drei Standorten in Deutschland sowie in der Schweiz, Großbritannien und den USA.
  • Renk notiert seit Ende März im Nebenwerteindex MDAX und ist ca. 4,4 Milliarden € wert.

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Fazit

Dass sich der Kurs der Renk-Aktie seit dem Allzeithoch im vergangenen Oktober halbiert hat, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Wir haben es hier immer noch mit einem exzellent positionierten Schlüssellieferanten in der Rüstungsbranche zu tun, der zweistellige Wachstumsraten aufweist und seine Profitabilität kontinuierlich steigert.

Angesichts dieser starken Kombination spricht die aktuelle Bewertung klar für einen Kauf der Renk-Aktie. Dass die Aktie durch den Rheinmetall-Kurseinbruch in Sippenhaft genommen wird, ist definitiv nicht okay.