Commerzbank-Aktie: Jetzt wird es schmutzig
UniCredit meldet hohe Andienungsquote
Die italienische UniCredit erklärte zuletzt, dass ihr im Rahmen des Übernahmeangebots bereits rund 11% der Commerzbank-Aktien direkt angedient worden seien. Einschließlich bereits gehaltener Finanzinstrumente belaufe sich ihre wirtschaftliche Beteiligung auf rund 41%. Hinzu kämen weitere Termingeschäfte über 13,19%, sodass UniCredit rechnerisch über eine Mehrheit verfüge.
Damit sollte offenbar signalisiert werden, dass die Übernahmepläne auf breite Zustimmung stoßen.
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Commerzbank zweifelt Angaben an
Die Commerzbank widerspricht dieser Darstellung jedoch deutlich und hat die BaFin eingeschaltet.
Die Zweifel erscheinen zumindest nachvollziehbar: Das aktuelle Börsenniveau liegt mit knapp 37 € über dem rechnerischen Gegenwert des Angebots. UniCredit bietet 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Aktie, was derzeit einem Wert von etwa 35,60 € entspricht.
Aus rein wirtschaftlicher Sicht stellt sich daher die Frage, warum Aktionäre ihre Aktien zu schlechteren Konditionen andienen sollten, wenn sie diese gleichzeitig über die Börse zu einem höheren Preis verkaufen könnten.
Nach Angaben der Commerzbank konnten bei institutionellen Investoren keine nennenswerten Angebotsannahmen identifiziert werden. Privatanleger sollen das Angebot lediglich in einem Umfang von etwa 0,5% angenommen haben.
Die Bank fordert deshalb eine Überprüfung durch die Aufsichtsbehörde.
UniCredit weist Vorwürfe zurück
UniCredit reagierte umgehend auf die Anschuldigungen und erklärte, alle Angaben entsprächen den gesetzlichen Vorgaben. Man befinde sich in einem transparenten Austausch mit der BaFin.
Zugleich kritisierte die italienische Großbank die Vorgehensweise der Commerzbank. Diese habe zwar das Recht, ihren Aktionären von einer Annahme des Angebots abzuraten, dürfe jedoch nicht die Integrität des Übernahmeprozesses infrage stellen.
Damit hat sich der Konflikt inzwischen deutlich verschärft.
Betriebsrat erwägt rechtliche Schritte
Auch die Arbeitnehmervertreter stellen sich weiterhin gegen die Übernahme.
Der Betriebsrat prüft nach eigenen Angaben sogar eine mögliche Strafanzeige. Hintergrund ist der Verdacht, dass die veröffentlichten Zahlen zu den angedienten Aktien ein falsches Bild über den tatsächlichen Fortschritt der Übernahme vermitteln könnten.
Ziel sei möglicherweise, den Eindruck zu erwecken, dass die Transaktion praktisch bereits entschieden sei.
Ob sich diese Vorwürfe bestätigen, muss allerdings erst geprüft werden.
Analysten bleiben optimistisch
Trotz der Unsicherheiten sehen viele Analysten weiterhin Kurspotenzial.
Das durchschnittliche Kursziel liegt derzeit bei rund 41,20 €. Während JP Morgan mit einem Ziel von 37 € eher vorsichtig bleibt, bewegen sich zahlreiche andere Schätzungen zwischen 42 € und 43 €.
ℹ️ Commerzbank in Kürze
- Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
- Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
- Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit 41,5 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Der Übernahmekampf entwickelt sich zunehmend zu einer politischen und emotionalen Auseinandersetzung.
Aus wirtschaftlicher Sicht erscheint die aktuelle Situation ungewöhnlich. Solange der Börsenkurs über dem rechnerischen Angebotspreis liegt, ist die Bereitschaft vieler Aktionäre zur Andienung schwer nachvollziehbar. Die Untersuchungen der BaFin könnten daher zusätzliche Klarheit schaffen.
Hinzu kommt, dass eine erfolgreiche Übernahme nicht allein von den freien Aktionären abhängt. Der deutsche Staat hält weiterhin rund 12% der Commerzbank-Anteile und hat bislang keine erkennbare Unterstützung für die Transaktion signalisiert.
Für Neueinsteiger erscheint das Chancen-Risiko-Verhältnis deshalb momentan wenig attraktiv. Bestehende Aktionäre sollten die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen.
Was weiterhin für die Aktie spricht, ist die aktuelle Dividendenrendite von 2,7%.
Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.