ThyssenKrupp-Aktie: Rebound gelungen – was kommt jetzt?
Umbau zur Finanzholding schreitet voran
Der Konzern verfolgt weiterhin das Ziel, sich zu einer Holdingstruktur weiterzuentwickeln. Einzelne Geschäftsbereiche sollen künftig eigenständig agieren – entweder durch: Ausgliederungen in die Rechtsform einer KGaA, Teilverkäufe oder eigenständige Börsengänge. Dabei soll ThyssenKrupp in vielen Fällen Mehrheitsaktionär bleiben.
Mit TKMS und thyssenkrupp nucera wurden bereits erste Schritte in diese Richtung vollzogen.
Nun steht die Sparte Materials Services im Fokus. Sie wird künftig unter dem Namen TK Accelis auftreten. Gleichzeitig soll sich das Geschäftsmodell verändern: Weg vom klassischen Werkstoffhändler hin zu einem integrierten Lieferkettendienstleister.
Im ersten Halbjahr erwirtschaftete Materials Service einen Umsatz von 5,7 Milliarden €. Das bereinigtes EBIT verbesserte sich von 37 auf 96 Millionen €. Die sich daraus ergebende EBIT-Marge ist mit 1,7% gering.
Die Profitabilität bleibt damit weiterhin niedrig. Ein konkreter Zeitplan für eine mögliche Abspaltung oder einen Börsengang wurde bislang nicht genannt.
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EU verschärft Importregeln für Stahl
Ein weiterer positiver Faktor für europäische Stahlhersteller sind die jüngsten Maßnahmen der EU.
Nachdem die USA hohe Importzölle eingeführt hatten, wurden verstärkt Stahlmengen nach Europa umgeleitet. Die Europäische Union reagierte darauf mit einer Verschärfung ihrer Schutzmaßnahmen.
Die zollfreien Importquoten in die EU wurden um 47% auf 18,3 Millionen Tonnen deutlich reduziert. Darüber hinausgehende Mengen werden mit 50% Zoll belegt. Dies verbessert kurzfristig die Wettbewerbssituation europäischer Produzenten.
Dennoch bleibt das strukturelle Problem bestehen: Weltweit bestehen erhebliche Überkapazitäten. Schätzungen zufolge könnten diese bis 2027 auf über 700 Millionen Tonnen anwachsen.
Vor diesem Hintergrund erscheint die Reduzierung eigener Stahlkapazitäten sowie die Transformation hin zu grünem Stahl weiterhin sinnvoll.
Restrukturierung belastet Ergebnis
Trotz der strategischen Fortschritte bleiben die kurzfristigen Herausforderungen erheblich.
Für das laufende Geschäftsjahr erwartet ThyssenKrupp einen Nettoverlust zwischen 400 und 800 Millionen €. Im Vorjahr wurde noch ein Überschuss von 532 Millionen € erzielt.
Hauptursache sind die hohen Restrukturierungsaufwendungen.
Auch die Umsatzprognose wurde gesenkt
Wurden ursprünglich Umsatzveränderungen von -2% und +1% erwartet, wird jetzt mit Veränderungen von -3% und 0% gerechnet. Im ersten Halbjahr entwickelte sich das Geschäft ebenfalls rückläufig: Der Umsatz reduzierte sich von 16,4 Milliarden € im Vorjahr auf 15,5 Milliarden €.
Der Nettoverlust lag bei 345 Millionen €. Auf Jahressicht wird mit einem Nettoverlust von 400 bis 800 Millionen € gerechnet.
Analysten uneins
Es gibt keine klare Tendenz bei den Bewertungen der Analysten. Sie verweisen zwar auf die Ertragsfortschritte im zweiten Quartal kommen dennoch zu unterschiedlichen Ergebnissen Die Bandbreite der Bewertungen geht von 9 € von Barclays bis 14,50 € der Deutschen Bank.
ℹ️ Thyssenkrupp in Kürze
- Thyssenkrupp mit Hauptsitz in Essen ist ein diversifizierter Industrie- und Technologiekonzern mit Schwerpunkt in der Stahlherstellung.
- Der Konzern ging 1999 aus der Fusion der beiden Traditionsunternehmen Friedrich Krupp AG und Thyssen AG hervor.
- Thyssenkrupp ist im Nebenwerteindex MDAX notiert und ist aktuell etwa 7,2 Milliarden € wert.
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Fazit
ThyssenKrupp hat in den vergangenen Monaten eine beeindruckende Kurserholung hingelegt. Hier ist zu berücksichtigen, dass der Rückgang aufgrund des Iran-Konflikts übertrieben ausfiel. Die zukünftige wirtschaftliche Geschäftsentwicklung des Konzerns ist weiterhin mit hohen Risiken verbunden.
Aus meiner Sicht ist nach dem starken Kursanstieg das weitere Aufwärtspotenzial begrenzt.
Für Neueinsteiger könnte es daher sinnvoll sein, zunächst abzuwarten und auf attraktivere Einstiegskurse zu setzen.
In diesem Zusammenhang: Regierungen stocken strategische Rohstoffreserven massiv auf – unser Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ analysiert zwei Aktien, die Profiteur zu großen Profiteuren werden dürften.