stock.adobe.com/surassawadee, KI-generiert

Adobe-Aktie: Die Börse hat sie komplett abgeschrieben

Neues 8-Jahrestief
Die Adobe-Aktie schmiert komplett ab. Nachdem sie bereits in den letzten fünf Handelstagen um -15% den Bach runter gegangen ist, setzt sie ihre Talfahrt am Freitagmorgen mit einem Kursverlust von -5% im europäischen Handel fort. Inzwischen notiert das Papier Softwaregiganten auf dem tiefsten Stand seit über acht Jahren. Warum wollen Anleger nichts mehr mit Adobe zu tun haben und kann man hier ein Schnäppchen machen?

Ausgezeichnete Zahlen

Es ist schon verblüffend. Adobe übertraf mit seinen gestern Abend vorgelegten Quartalszahlen nicht nur die Erwartungen der Wall Street, sondern schraubte sogar seine Jahresprognose nach oben. Aber nicht einmal diese Kombination reichte, um die Gemüter an der Börse zu beruhigen.

Warum eigentlich? Erst zu den Zahlen, dann zu den Gründen für die große Anlegerskepsis gegenüber der Adobe-Aktie:

Im letzten Quartal kletterte der Umsatz des Softwarekonzerns um 13% gegenüber dem Vorjahr auf 6,62 Milliarden US$. Damit übertraf Adobe deutlich den Analystenkonsens von 6,45 Milliarden US$.

Auch beim Gewinn sorgte der Tech-Gigant für eine positive Überraschung. Währung der Markt von EPS in Höhe von 5,81 US$ ausging, lieferte Adobe 5,96 US$.

Aufgrund der hervorragenden Quartalszahlen hob das Adobe-Management die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 an, das am 30. November endet. Für das laufende dritte Quartal geht das Unternehmen von einem Umsatz zwischen 6,67 und 6,72 Milliarden US$ aus. Analysten hatten bislang nur 6,52 Milliarden US$ auf dem Zettel.

Im Gesamtjahr peilt Adobe einen Umsatz von bis zu 26,60 Milliarden US$ an. Das entspräche einem Wachstum von ca. 12% gegenüber dem Vorjahr.

Trotz der ausgezeichneten Zahlen und Prognosen gibt es aber drei Gründe, die die negative Kursreaktion der Adobe-Aktie erklären.

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Ein Erdbeben im Management

Der erste ist ein personelles Erdbeben im Management. Zusammen mit den Zahlen gab Adobe bekannt, dass der langjährige Finanzchef Dan Durn das Unternehmen verlässt. Anleger mögen keine plötzlichen Wechsel auf dem Posten des CFO, da dies oft als Warnsignal für zukünftige operative Probleme interpretiert wird.

Verschlimmert wird die Situation dadurch, dass bereits im März der legendäre CEO Shantanu Narayen seinen Rückzug angekündigt hatte. Dass Adobe nun innerhalb weniger Monate die beiden wichtigsten Führungskräfte verliert, verunsichert den Markt zutiefst und sorgt für ein massives Machtvakuum.

Das Paradoxon der KI-Strategie

Der zweite Grund für die Skepsis der Börse gegenüber der Adobe-Aktie ist das Paradoxon der KI-Strategie. Adobe investiert seit geraumer Zeit aggressiv in seine KI-Plattform Firefly. Das Management betonte stolz, dass die monatlich aktiven Nutzer im Kreativbereich durch kostenlose KI-Einstiegsangebote (Freemium-Modelle) im Jahresvergleich um 50% auf über 850 Millionen explodiert sind.

Das Management musste aber auf der Analystenkonferenz im gleichen Atemzug zugeben, dass diese aggressive Gratisstrategie, um Neukunden zu gewinnen, die wiederkehrenden Umsätze kurzfristig dämpft.

Die Wall Street verliert allmählich die Geduld mit Adobe. Investoren wollen endlich sehen, dass die immensen KI-Entwicklungskosten in harte, kostenpflichtige Abos umgemünzt werden, anstatt Millionen von Gratisnutzern zu subventionieren.

Angst vor generativer KI

Und der dritte Grund, der die Adobe-Aktie bereits seit vielen Monaten massiv belastet, ist das Angebot der generativen KI-Konkurrenz. Generative Videomodelle (wie OpenAIs Sora oder Googles Veo) und agile Design-Tools (wie Canva oder Figma) werden mit rasanter Geschwindigkeit mächtiger.

Investoren befürchten, dass das traditionelle, teure Abo-Modell von Adobe langfristig aufgeweicht wird, weil Hobby-Kreative und Marketingabteilungen nicht nur einfache Inhalte in Zukunft komplett per Text-Prompts zu deutlich geringeren Kosten bei der Konkurrenz erstellen können, anstatt Adobes Profi-Software zu mieten.

Separate Chartanalyse

Eine ausführliche Chartanalyse wird heute mein Kollege Louis liefern.

Ein Schnäppchen, aber aus gutem Grund

Bei fast keinem anderen Big Tech-Konzern klafft eine so große Lücke zwischen der tatsächlichen Geschäftsentwicklung und der Bewertung wie bei Adobe. Die Adobe-Aktie wird derzeit mit einem Forward-KGV von knapp über 9 bewertet. Angesichts immer noch zweistelliger Wachstumsraten und einer fantastischen operativen Marge von 36% muss man die Aktie als absolutes Schnäppchen bezeichnen.

Trotz dieser sehr günstigen Bewertung rate ich Anlegern aber, nicht mehr in die Adobe-Aktie zu investieren und das hat den einfachen Grund, dass Adobe im Großen und Ganzen keine systemkritische Software erstellt. Ja, Grafik, Fotografie, Illustration, Animation, Multimedia und Videos haben für Millionen von Unternehmen und Freiberuflern eine sehr große Bedeutung. Aber die Adobe-Software ist für die meisten von ihnen meiner Überzeugung nach nicht existenziell wichtig.

Generative KI-Modelle werden Adobe in den kommenden Jahren massiv das Wasser abgraben. Davon bin ich fest überzeugt. Die Fähigkeiten dieser Modelle können sich bereits heute mit vielen Adobe-Anwendungen messen lassen bzw. reichen zur Befriedigung der Bedürfnisse der Anleger völlig aus.

Adobe macht zwar auch gewaltige Sprünge in Sachen KI, wird aber auf Dauer sein Preismodell nicht aufrechterhalten können. Millionen von Anwendern werden über kurz oder lang nicht mehr bereit sein, vier- oder fünfstellige Jahresbeträge für Software-Abos auszugeben, wenn sie (annähernd) die gleichen Leistungen nahezu umsonst über KI-Modelle erhalten.

Zum Abschluss: Wirkliche KI-Gewinner findest Du in unseren Analyse KI-Gewinner 2026!

ℹ️ Adobe in Kürze

  • Adobe (WKN: 871981) mit Sitz im kalifornischen San José einer der weltweit wichtigsten und bekanntesten Software-Konzerne.
  • Das Unternehmen ist Marktführer bei Software für die Erstellung und Veröffentlichung eines breiten Spektrums von Inhalten, darunter Grafik, Fotografie, Illustration, Animation, Multimedia, Video und Druck.
  • Zu den wichtigsten Produkten von Adobe gehören die Bildbearbeitungssoftware Adobe Photoshop, die Illustrationssoftware Adobe Illustrator sowie die Dokumenten-Managementsoftware Adobe Acrobat Reader.
  • Adobe ist Mitglied in den US-Leitindizes S&P 500 und Nasdaq 100 und an der Börse aktuell ca. 88 Milliarden US$ wert.

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Fazit

Die Adobe-Aktie ist fundamental und charttechnisch massiv angeschlagen. Egal, wie gut die Zahlen und Prognosen ausfallen — die Börse glaubt nicht mehr an das Geschäftsmodell des Konzerns. Da mag die Bewertung noch so günstig ausfallen. Die Börse hat Adobe abgeschrieben. Ich befürchte dauerhaft.