SAP-Aktie: Ein KI-Gewinner und kein KI-Verlierer
Wichtige Erkenntnisse aus der Sapphire-Konferenz
Die SAP-Aktie profitiert dieser Tage ganz offensichtlich von der konzerneigenen Sapphire-Konferenz, die gestern in Orlando zu Ende ging. Sie markiert für den deutschen Software-Konzern einen fundamentalen Wendepunkt.
SAP-Chef Klein hat dort die Vision des "Autonomous Enterprise" ausgerufen. SAP will sich damit weg von einem reinen Software-Lieferanten und hin zu einer Plattform für KI-gesteuerte Unternehmensprozesse entwickeln.
In diesem Zuge will SAP die gesamte ERP-Landschaft (S/4HANA, SuccessFactors, Ariba etc.) tiefgehend modularisieren und als SAP Autonomous Suite neu organisiert. Als zentrales neues Interface dient Joule Work. Mitarbeiter müssen sich nicht mehr durch verschachtelte Menüs klicken, sondern steuern das gesamte ERP-System über eine einzige, intuitive Kontext-Oberfläche per natürlicher Sprache. Zudem hat SAP auf einen Schlag 51 Joule-Assistenten und über 220 spezialisierte KI-Agenten vorgestellt, die fest in die verschiedenen Geschäftsbereiche (Finance, HR, Supply Chain, Customer Experience) integriert sind.
Ein echtes Highlight der Konferenz war die Vorstellung von Joule Studio 2.0. Entwickler und Business-Analysten können damit eigene KI-Agenten bauen, anwenden und überwachen – und das komplett ohne Programmiercode, einfach durch die Beschreibung der Aufgabe in natürlicher Sprache.
Um das Chaos ausufernder KI-Anwendungen in Firmen zu verhindern, führt SAP im dritten Quartal 2026 den AI Agent Hub ein. Hierüber können Unternehmen architektonische Grenzen definieren und genau steuern, welche Agenten auf welche sensiblen Unternehmensdaten zugreifen dürfen.
Weil eine KI für eine Bank anders funktionieren muss als für einen Chemiekonzern, treibt SAP außerdem das Thema Industry AI voran. Zum Start wurden KI-Agenten für 26 verschiedene Branchen vorgestellt (darunter Automobil, Einzelhandel, Energie und Life Sciences). Diese Agenten übernehmen die Durchführung vieler Standardprozess autonom im Hintergrund, sodass menschliche Teams nur noch bei Unstimmigkeiten oder in sonstigen Ausnahmefällen eingreifen müssen.
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Zwei Übernahmen
Um sein Knowhow im Bereich der Künstlichen Intelligenz zu erweitern, kündigte SAP außerdem die Übernahme von Dremio an. Dremio ist ein Schwergewicht im Bereich der Dateninfrastruktur und hat sich als Erfinder des sogenannten "Data Lakehouse"-Konzepts einen Namen gemacht, das die blitzschnelle Analyse unsortierter Daten ermöglicht.
Parallel investiert SAP über 1,1 Milliarden US$ in Prior Labs, das sich auf KI-gestützte Workflow-Automatisierung und Knowledge Operations fokussiert. Das Unternehmen baut eine Software-Plattform, die unstrukturierte Firmendaten mithilfe von Large Language Models scannt, versteht und in strukturierte, automatisierte Arbeitsabläufe umwandelt.
Ist der Aufwärtstrend schon nachhaltig?
Das Chartbild der SAP-Aktie hat sich zuletzt deutlich aufgehellt. Mitte Mai hat der DAX-Titel bei 137 € einen Boden gefunden.
Seitdem befindet sich der Kurs wieder in einer Aufwärtsbewegung. Sollte nun auch das 3-Monatshoch bei 174 € fallen, kann man meines Erachtens von einem nachhaltigen Aufwärtstrend sprechen.
Genau die richtige Strategie
Das aktuelle Konsenskursziel für die SAP-Aktie liegt bei 202 €. Das bedeutet, dass Analysten dem Kurs momentan ein Upside von +20% zutrauen.
Ich glaube, dass für die SAP-Aktie mittelfristig deutlich mehr drin ist. Viel zu lange wurde SAP meiner Meinung nach als KI-Verlierer gesehen. Ich bin vielmehr davon überzeugt, dass SAP über weite Strecken ein KI-Gewinner ist.
Mit der neuen Autonomous Enterprise-Strategie ist der Konzern auf dem richtigen Weg unterwegs. Statt zu versuchen, sein bisheriges Lizenzmodell mit Zähnen und Klauen zu verteidigen, setzt SAP voll und ganz auf eine KI-gesteuerte Unternehmenszukunft.
Und es gibt wohl keinen anderen Software-Konzern, der Unternehmen aus allen Branchen so gut bei der Transformation in die KI-Zukunft helfen kann, wie SAP. Der deutsche Konzern sitzt bei Abertausenden Unternehmen wie eine Spinne im Netz und hält mit seinen Software-Paketen die Fäden in der Hand.
Die meisten Unternehmen werden sich meiner Überzeugung nach bei zentralen Prozessen nicht trauen, die SAP-Welt zu verlassen und auf neue KI-Anbieter zu setzen. Ganz im Gegenteil. Sie werden auf die KI-Agenten von SAP setzen.
Die SAP-Aktie ist zudem mit einem Forward-KGV von 21 aktuell sehr moderat bewertet. Wir reden hier über einen exzellent positionierten Technologiekonzern mit knapp zweistelligen Wachstumsraten und einer operativen Marge von rund 25%.
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ℹ️ SAP in Kürze
- Die SAP SE (WKN: 716460) gehört weltweit zu den größten Softwareunternehmen im Bereich der Unternehmenssteuerung. Für kleinere und mittelgroße Unternehmen bietet der Konzern Standardlösungen an, für größere Unternehmen gibt es individuelle Angebote.
- Der Hauptsitz des Konzerns ist im baden-württembergischen Walldorf, weltweit verfügt der IT-Konzern über zahlreiche Niederlassungen.
- Die Aktie des Unternehmens ist in den Leitindizes DAX und EuroStoxx 50 geleistet und wird an der Börse aktuell mit rund 206 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Ich rate Anlegern weiterhin zum Kauf der SAP-Aktie. Die Talfahrt der letzten Monaten war meiner Ansicht nach eine krasse Übertreibung der Börse. SAP ist kein KI-Verlierer, sondern wird ein KI-Gewinner sein. Die neue Konzernstrategie könnte kaum besser sein.