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Tesla-Aktie: Wie die FSD-Zulassung in China das Spiel jetzt komplett verändert

Teslas Software-Revolution
Polina Dmitrovskaya
Elon Musk hat soeben das nächste Kapitel der Unternehmensgeschichte von Tesla aufgeschlagen. Die Firma wandelt sich endgültig vom Autobauer zum Software-Imperium – und der Hebel liegt in China. Warum aber zögert die Wall Street trotz China Coup? Entspricht die Qualität der Aktie ihrem astronomischen 380er-KGV?

China öffnet Tesla eine wichtige Tür

Tesla hat offiziell bestätigt, dass ihr „Full Self-Driving“-System (überwachtes autonomes Fahren) für den chinesischen Markt zugelassen wurde und nun freigeschaltet wird. Anders als ältere Assistenzsysteme, die stur Spuren halten, nutzt „Full Self Driving” (FSD) neuronale Netze. Das bedeutet, das Auto trifft wie ein menschliches Gehirn räumliche Entscheidungen in Millisekunden, erkennt komplexe Schilder, reagiert auf chaotischen Stadtverkehr und navigiert komplett selbstständig von A nach B.

Dazu läuft eine Rekrutierungswelle für Testingenieure für die Validierung der neuen Architektur in neun chinesischen Metropolen (u. a. Peking, Shanghai, Shenzhen). Das ist sehr außergewöhnlich, weil China damit erstmals einem ausländischen Autokonzern erlaubt, tiefgreifende KI-Modelle mit lokalen Straßen- und Ortungsdaten im Land zu trainieren. 

Mit dem hauseigenen KI-Zentrum in Shanghai entsteht ein geschlossener Kreislauf aus Daten und Optimierung. Das übergeordnete Ziel ist die Monetarisierung von Software im größten Automarkt der Welt, um den schwächelnden Hardware-Absatz (sank in China im April im Jahresvergleich um 9,7%) auszugleichen.

Der Schritt nach China wandelt Tesla langsam von einer Autobaufirma mit zyklischen Margen in ein Tech-Unternehmen mit wiederkehrenden Software-Einnahmen.

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Mutige Preiserhöhung

Eine weitere, ebenfalls ungewöhnliche Neuigkeit, ist die Preiserhöhung für das Volumenmodell Model Y in den USA, die am Wochenende umgesetzt wurde. Das soll die zuletzt schwächelnden Margen stützen. Parallel fliegen die traditionsreichen, aber in die Jahre gekommenen Flaggschiffe Model S und Model X aus der Produktion, um die Werke voll auf die autonome Zukunft und die Next-Gen-Plattform auszurichten. 

Der Markt ringt mit der Frage, ob die Preiserhöhungen die Margen retten oder die Nachfrage abwürgen, weshalb der Kurs sich kaum bewegt trotz der perspektivreichen China News.

Analysten-Dilemma

Die Tesla-Aktie notiert nach all dem stabil bei 417,85 US$, doch das Problem für Value-Investoren ist das KGV. Durch den Gewinneinbruch im Hardware-Sektor ist das KGV auf ein astronomisches Niveau von über 380 katapultiert worden.

Das Analysehaus Evercore warnt, dass die Nachfrage nach Tesla-Fahrzeugen deutlich unter den Höchstwerten der vergangenen Jahre liegt. Die Bank prognostiziert für das zweite Quartal rund 400.000 weltweite Auslieferungen, was eher Stagnation als Wachstum bedeuten würde (in Q1 2026 wurden 358.023 Fahrzeuge ausgeliefert). Das zementiert das Bild eines flacheren Wachstumspfads.

Die Bären sorgen sich um die Autonachfrage und die Bullen feiern die Software-Zukunft. Denn wenn das FSD-System in China zündet, mutiert Tesla zu einer der profitabelsten KI-Firmen der Welt.

ℹ️ Tesla in Kürze

  • Der 2003 gegründete US-Autohersteller mit Hauptsitz in Austin im US-Bundesstaat Texas ist derzeit der weltweit zweitgrößte Hersteller von Elektroautos. Neben Fahrzeugen stellt Tesla (WKN: A1CX3T) auch Batteriespeicher und Photovoltaikanlagen her.
  • Die Fahrzeuge und teilweise auch die Batterien werden in Gigafactories genannten Großfabriken produziert. Derzeit betreibt Tesla Gigafactories in den USA, Deutschland und China.
  • Tesla ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500. Der Unternehmenswert liegt aktuell bei rund 1,57 Billionen US$.

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Polina Dmitrovskaya

Fazit

Aus meiner Sicht setzt Tesla genau richtig an, indem es sich China nähert und die Full-Self-Driving-Architektur dort integriert. Das dürfte den Umsatzrückgang der Tesla-Autos in China relativ zügig umkehren. 

Was man bei all dem auch nicht vergessen darf, ist, dass Tesla eng mit SpaceX verflochten ist. Tesla ist Dienstleister für SpaceX sowie Partner in Tech-Joint-Ventures wie „Terafab“ und „Macrohard“, wo es darum geht eigene Rechenzentren und KI-Software zu bauen. Sollte SpaceX bald an die Börse gehen, würde auch Tesla gut dastehen.

Man darf in Zukunft also noch sehr viel von Tesla erwarten, das ist gewiss, jedoch gehe ich mit dem Analysehaus Evercore mit: kurz- bis mittelfristig wird sich diese anbahnende „Revolution” in den Zahlen Teslas nicht bemerkbar machen.

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