Ford-Aktie: Ist sie nach den Zahlen ein Kauf?

Ambitionen im Rüstungssektor

Während die Tech-Giganten des Silicon Valley mit schwindelerregenden Bewertungen kämpfen, vollzieht sich in Dearborn, Michigan, eine der spannendsten Transformationen der Industriegeschichte. Die gestern veröffentlichten Q1-Zahlen von Ford haben eines klargemacht: Wer Ford als reinen „Old Economy“-Autobauer abschreibt, könnte die größte Comeback-Story des Jahrzehnts übersehen, denn Ford könnte ganz bald auch im Rüstungssektor mitspielen und damit die Aktie zu einer Neubewertung zwingen.

New Ford F-150 Raptor during fast driving in extreme wilderness
stock.adobe.com/Mike_Mareen

Die Zahlen-Explosion: Mehr als nur eine statistische Anomalie

Gestern Abend schlug die Nachricht ein wie eine Bombe: Der US-Autobauer Ford meldete einen Gewinn pro Aktie von 0,66 US$, was die Konsensschätzungen der Wall Street um sagenhafte 240% übertraf. Ja, ein Teil dieses Sprungs ist auf Einmaleffekte bei Zollvorteilen zurückzuführen, doch der Kern der Story liegt tiefer.

Die Sparte Ford Pro (Nutzfahrzeuge) erweist sich als wahre Cash-Maschine. Mit einer operativen Marge, die viele Software-Unternehmen vor Neid erblassen lässt, finanziert das Traditionsgeschäft den radikalen Umbau des Konzerns. Ford Pro (das Geschäft mit Flottenkunden und Transportern) hat im ersten Quartal 2026 eine EBIT-Marge von ca. 11,6% erreicht und ist damit auf Augenhöhe mit Tesla.

Wenn man nur auf den Bereich Software und Services innerhalb von Ford Pro blickt, liegen die Bruttomargen bei über 50%. Ford hat mittlerweile über 879.000 zahlende Software-Abos (Flottenmanagement, Telematik). Das ist ein Geschäft, das nicht mehr zyklisch ist, sondern monatlich planbares Geld einspielt.

Beim Ford-Sorgenkind Model e verliert Ford nach wie vor Geld, doch eine Verbesserung ist bereits sichtbar. Im ersten Quartal betrug der EBIT-Verlust 777 Millionen US$ – eine deutliche Verbesserung zum Vorjahr (-1,3 Milliarden US$). Ford schafft es also langsam, die Produktionskosten für E-Autos in den Griff zu bekommen.

Wenn du auch ganz automatisch up to date bleiben willst über solche heißen Tech-News, dann abonniere jetzt unseren kostenlosen SD Insider Newsletter!

Big News: Militärtechnologie als neuer Kurstreiber?

Die wohl spannendste Neuigkeit der letzten Stunden sickerte aus der Analystenkonferenz durch: Ford-Chef Jim Farley liebäugelt mit dem Rüstungssektor. Das würde eine Rückkehr zu den historischen Wurzeln des Konzerns bedeuten. Während der Weltkriege war Ford als Teil des „Arsenal of Democracy“ an der Produktion von Panzern, Flugzeugen und Jeeps beteiligt – und dieses Know-how ist nicht verloren gegangen.

Ford plant offenbar nicht, Kampfpanzer zu bauen. Der Fokus liegt auf „Dual-Use“-Gütern, also Fahrzeugen und Systemen, die auf ziviler Technik basieren, aber militärisch gehärtet sind:

Ein Blick auf den Chart

Die Marke von 12 US$ hat sich als Boden erwiesen. Solange Ford darüber schließt, bleibt der langfristige Aufwärtstrend intakt. Der Bereich zwischen 13,50 US$ und 14 US$ ist eine harte Nuss. Hier verlaufen wichtige gleitende Durchschnitte (200-Tage-Linie), die erst mit signifikantem Volumen durchbrochen werden müssen, was sich nicht als sonderlich leicht in einem ohnehin schon angeschlagenen Autosektor erweisen dürfte.

Value-Falle oder Turnaround-Chance?

Nach dem gestrigen Gewinnsprung und der anschließenden Kurskorrektur steht Ford an einem Scheideweg. Ford wird aktuell zu einem Forward-KGV von etwa 6 bis 7 gehandelt (basierend auf der erhöhten Gewinnprognose für 2026). Im Vergleich zum Sektordurchschnitt der Automobilindustrie (ca. 10) und erst recht im Vergleich zu Tech-Werten ist das Papier historisch günstig. Nur deutsche Autobauer wie etwa Volkswagen, BMW oder Mercedes kommen auf niedrigere Forward-KGVs.

Die niedrige Bewertung spiegelt die Skepsis des Marktes wider. Investoren bewerten Ford nicht als Wachstumswert, sondern als zyklischen Industriekonzern mit hohen Pensionslasten und Kapitalbindungen, sowie gescheitertem E-Auto-Geschäft.  Nun rückt die Saisonalität in den Fokus. Hohe Zinsen in den USA könnten die Finanzierungssparte „Ford Credit” belasten und die Nachfrage nach den margenstarken F-150 Pick-ups dämpfen.

JPMorgan und Morgan Stanley bleiben neutral mit ihrem „Hold“-Rating, da sie auf klare Zeichen für eine Profitabilität der E-Auto-Sparte warten. Goldman Sachs hingegen hob das Kursziel leicht auf 14 US$ an, aufgrund von Effizienzsteigerungen im Nutzfahrzeugsegment, beließ die Einstufung aber auf „Neutral”.

Für einen Bull-Case spricht ein möglicher Deal mit dem Pentagon. Wenn Ford nur 5% seines Umsatzes aus Rüstungsverträgen generiert, würde das die Bewertung der Aktie anheben, da Rüstungsaktien am Markt meist mit einem deutlich höheren Multiplikator bewertet werden als klassische Autobauer.

Mit einer Dividendenrendite von knapp 5% ist Ford ein Kauf für Einkommensinvestoren und Geduldige, die eine Sicherheitsmarge suchen. Für kurzfristig orientierte Anleger empfehle ich hier keinen Kauf.

Tipp: Sichere Dir mit unserem kostenlosen Report „3 Top-Picks 2026“  die echten Aktien-Überflieger für dieses Jahr!

ℹ️ Ford in Kürze

  • Die Ford Motor Company mit Sitz in Detroit im US-Bundesstaat Michigan ist einer der ältesten, traditionsreichsten und größten Autohersteller der Welt.
  • Mit einem Absatz von 4,4 Millionen Fahrzeugen (2026) ist Ford der siebtgrößte Autobauer weltweit nach BYD.
  • Gegründet 1903 durch Henry Ford, sorgte der Autohersteller durch die Einführung der Fließbandproduktion im Jahr 1913 für eine Revolution in der Automobilproduktion.
  • Ford ist Mitglied im US-Aktienindex S&P 500 und derzeit an der Börse ca. 48,8 Milliarden US$ wert.
Zugehörige Kategorien: Industrie-Aktien