DocMorris-Aktie: Analysten senken Daumen – zu Recht?

Änderungen gefordert

Die schweizerische Versandapotheke DocMorris befindet sich in einer ernsten Krise. Das zeigt sich bei dem Kursverlauf der DocMorris-Aktie. Am Freitag verliert sie aktuell -1,8% und steht bei 4,20 SFR (Schweizer Franken). Ausgehend von dem Hoch Anfang 2024 beträgt der Kursverlust rund -90%; allein seit Jahresanfang verlor sie rund -30%. Jetzt schlägt der Großaktionär Alarm.

Hamburg / Germany - April 29, 2007: Doc Morris logo in Hamburg, Germany - Doc Morris is Europe's largest mail-order pharmacy
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Analysten reduzieren deutlich ihre Zielwerte

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Analysten ihre Zielkurse anpassen. Bisher hofften sie, dass der Konzern seine wirtschaftliche Situation verbessern könne. Nach den Geschäftszahlen für 2025 und dem Ausblick für das laufende Geschäftsjahr war die Reduzierung der Ziele der logische Schritt.

Folgende Analystenhäuser reduzierten ihre Zielkurse wie folgt: UBS reduzierte von 5 auf 3,50 SFR, die Deutsche Bank von 7 auf 4,50 SFR und die Berenberg Bank von 8,10 auf 4,45 SFR. Die beiden letzten Analysehäuser halten die Aktie für fair bewertet. Die UBS sieht weiteres Rückgangspotenzial.

Jefferies dagegen hält an ihrem Zielkurs von 12 SFR fest. Hier setzt man weiterhin auf das Ziel, im laufenden Jahr operativ profitabel zu werden.

Insgesamt sind die neuen Zielkurse berechtigt und realistischer. Jefferies dürfte die Geschäftsentwicklung genau beobachten und eventuell eine Anpassung vornehmen.

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Großaktionär schlägt Alarm

Der Apothekenbetreiber CEPD mit Sitz in Amsterdam ist über Pelion mit rund 14% der größte Aktionär von DocMorris. Im Mai 2025 ist CEPD eingestiegen. Damals notierte die Aktie bei rund 10 €. Nach dem drastischen Kursverfall will der Großaktionär den Verwaltungsrat komplett umbauen. Dabei soll der Verwaltungsratsvorsitzende Walter Oberhänsli durch Fritz Oesterle (ehemaliger CEO von Celesio) abgelöst werden. Ebenfalls wurden weitere neue Kandidaten vorgeschlagen. Auf der kommenden Hauptversammlung am 12. Mai soll dann darüber abgestimmt werden.

Der Großaktionär ist mit der Führung des Verwaltungsrates in der jetzigen Besetzung unzufrieden. Strukturelle Probleme werden kleingeredet und zu optimistische Prognosen, insbesondere bei den Rx-Medikamenten (E-Rezept), werden akzeptiert. Insgesamt fehle es an der Durchsetzungskraft. Mit dem neuen Verwaltungsrat sollen diese Missstände beseitigt werden.

Viele Experten begrüßten den Vorstoß von CEPD, hauptsächlich im Hinblick auf den dramatischen Kursverfall.

Geschäftsziele erreicht

Der Konzern spricht davon, dass seine Ziele 2025 erreicht wurden, allerdings fällt immer noch ein operativer Verlust an. 2026 soll sich das zwar ändern, ob es gelingt, bleibt abzuwarten.

Für das laufende Geschäftsjahr wird mit einem weiteren Wachstum gerechnet. Die finanzielle Lage ist laut Unternehmensangaben mit 160 Millionen SFR gut.

Was bedeutet das für die Aktie?

Der Kursanstieg nach der Meldung ist wieder teilweise hinfällig geworden. Sollte der Wechsel im Verwaltungsrat erfolgreich sein, dürfte das positiv für die Aktie sein. Mit einem schnellen Kursanstieg ist jedoch nicht zu rechnen.

Entscheidend sind die Finanzkennzahlen. Wichtig ist, dass beim operativen EBITDA der Turnaround 2026 erreicht wird. Statt immer neuer, teurer Marketingaktionen, sollte die Profitabilität in den Vordergrund treten.

Aus meiner Sicht sollten Anleger vorerst bis zur Hauptversammlung abwarten. Dann wird sich zeigen, ob CEPD sich durchsetzt und eine Kursänderung erreicht.

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Interessenkonflikt: Der Autor hält Aktien des besprochenen Unternehmens DocMorris. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Der Autor beabsichtigt, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnte dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.

ℹ️ DocMorris in Kürze

  • Die DocMorris AG (WKN: A0Q6J0) gehört zu den führenden E-Commerce-Apotheken.
  • Der Hauptsitz befindet sich in der schweizerischen Stadt Frauenfeld. Das Unternehmen konzentriert sich fast ausschließlich auf den deutschen Markt.
  • Die Aktie wird an der Schweizer Börse gehandelt; die Marktkapitalisierung beträgt rund 200 Millionen SFR.
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