Circle-Aktie -20%: Ist das Geschäftsmodell jetzt tot?
Es war ein rabenschwarzer Dienstag für die Circle-Aktie. Sie brach gestern völlig untererwartet um -20% ein. Am Mittwochmorgen kann sich der Kurs des Stablecoin-Herausgebers mit +4% nur leicht erholen. Was steckt hinter dem Absturz und was bedeutet er für Anleger?
Der Clarity Act als Killer?
Auslöser des brutalen Kurssturzes der Circle-Aktie waren Medienberichte über eine Neufassung des Clarity Acts in den USA. Mit diesem Gesetz will die US-Regierung zum ersten Mal der Kryptowelt einen umfassenden Regulierungsrahmen geben.
Der jüngste Gesetzesentwurf sieht Berichten zufolge starke Einschränkungen in Bezug auf Stablecoins vor. Offenbar plant die US-Regierung, es Anbietern von Kryptodienstleistungen direkt oder indirekt zu verbieten, ihren Kunden für das Halten von Stablecoins Renditen anzubieten, die anderen Bankeinlageprodukten ähneln.
Die Einschränkungen sollen dem Bericht nach sehr breit für alle Arten von Börsen, Brokern und verbundenen Kryptounternehmen gelten, um eine Umgehung dieses Verbots auszuschließen. Auch der Anwendungsbereit des Verbots soll äußerst breit gefasst sein. Alle Zahlungen oder Vorteile, die als wirtschaftlich oder funktional gleichwertig zu Zinsen sind, sollen damit untersagt werden.
Erlaubt sein sollen lediglich belohnungsbasierte Modelle, die an die Aktivität der Nutzer gekoppelt sind. Dazu zählen beispielsweise Treueprogramme oder Abonnements, sofern sie durch die Behörden nicht als zinsähnlich klassifiziert werden. Dem Bericht zufolge sollen die US-Börsenaufsicht SEC, die Rohstoffbehörde CFTC und das Finanzministerium gemeinsam innerhalb eines Jahres erarbeiten, welche Arten von Belohnungen von Kryptodienstleistern überhaupt noch zulässig sind.
Das wäre eine Vollkatastrophe
Für Circle wäre der Clarity Act in dieser Form gelinde gesagt eine Vollkatastrophe. Damit würde das Geschäftsmodell des Stablecoin-Providers existenziell gefährdet werden.
Circle verdient sein Geld hauptsächlich damit, die Reserven hinter dem USDC-Stablecoin (derzeit über 70 Milliarden US$) in US-Staatsanleihen anzulegen und die Zinsen einzustreichen. Wenn Regulierungen die Attraktivität des Stablecoins USDC für Nutzer verringern, sinken folglich dessen Umlaufmenge und damit auch die Zinserträge für Circle.
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Hohe Kursschwankungen voraus
Die Circle-Aktie hat sich in den letzten vier Handelswochen extrem gut entwickelt und ihren Kurs mehr als verdoppelt. Durch den gestrigen Kurssturz fällt sie aber wieder auf ein Kursniveau von 100 US$. In den kommenden Tagen ist angesichts der laufenden Diskussionen um den Clarity Act mit einer hohen Volatilität zu rechnen.
Die US-Regierung ist auf Seiten der Banken
Der neue Entwurf des Clarity Acts könnte fast aus der Feder der US-Großbanken stammen. Sie laufen seit Wochen und Monaten Sturm gegen die Kryptobranche, weil sie in deren Vergütungsmodellen eine ernste Gefahr für ihre hauseigenen Zinsprodukte sehen. Kunden, die mit dem Halten von Stablecoins mehr Geld als mit Sparprodukten erzielen können, wandern schließlich zu Millionen von Banken zu Kryptoanbietern wie Circle ab.
Dem wollen die großen US-Geldhäuser nun einen Riegel vorschieben, was zu einer heftigen Kontroverse zwischen der Bank- und der Kryptoszene geführt hat. Offenbar hat sich die US-Regierung mit dem jüngsten Gesetzesentwurf nun auf die Seite der Banken geschlagen.
Cathie Wood sieht es anders
Sollte der Clarity Act in seiner jetzigen Form beschlossen werden, wäre das in der Tat ein Sargnagel für das Geschäftsmodell von Circle. Das Unternehmen ist im Gegensatz zu anderen Kryptounternehmen vollständig darauf angewiesen, den Umsatz aus der Herausgabe des USDC gewinnbringend anzulegen. Sollte die Attraktivität des Stablecoins leiden, würde auch der Umsatz von Circle einbrechen.
Trotz des dramatischen Falls gibt es Unterstützung von prominenter Seite. Starinvestorin Cathie Wood hat mir ihrem ARK Invest Fonds den Kursrutsch genutzt, um rund 16 Millionen US$ in die Circle-Aktie zu investieren. Sie scheint den Kurssturz für übertrieben zu halten.
Ich bin nicht ganz Woods Meinung. Der Unterschied zwischen der Circle-Aktie und anderen Kryptowerten, wie beispielsweise der Coinbase-Aktie ist, dass erstere zu 100% der Regulierung von Stablecoins ausgeliefert ist. Ein Gesetzt in der jetzigen Form wäre meiner Meinung nach ein Killer für das Geschäftsmodell des Unternehmens. Ich rate Anlegern, dieses Risiko nicht einzugehen.
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ℹ️ Circle in Kürze
- Circle (WKN: CRCL01) ist ein US-Finanzdienstleister mit Sitz in New York City.
- Das Unternehmen ist unter anderem Herausgeber des Stablecoins USD Coin (USDC), dem nach Tether zweitwichtigsten Stablecoin.
- Circle notiert an der US-Technologiebörse Nasdaq und ist aktuell rund 25 Milliarden US$ wert.