AMD-Aktie: Alles wartet auf den nächsten Knall
Nach unserem Kauftipp vor einer Woche konnte die AMD-Aktie zwischenzeitlich wieder deutlich hinzugewinnen, ein Ausbruch aus dem Seitwärtsmodus gelang ihr jedoch nicht. Wie geht es für den Techwert und Nvidia-Konkurrenten jetzt weiter?
Hyperscaler setzen auf mehrere Chiplieferanten
Die größten Technologiekonzerne der Welt investieren mit rasantem Tempo in künstliche Intelligenz. Die sogenannten Magnificent Seven gaben 2025 mehr als 300 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur aus. Für 2026 wird erwartet, dass allein vier dieser Konzerne zusammen über 625 Milliarden Dollar investieren. Bei Ausgaben in dieser Größenordnung wollen Cloudanbieter vermeiden, vollständig von einem einzelnen Hardwarelieferanten abhängig zu sein.
Dieses strategische Denken zeigte sich deutlich, als Mark Zuckerberg im Februar 2026 eine mehrjährige Kooperation zwischen Meta Platforms und AMD bekannt gab. Ziel der Partnerschaft ist eine stärkere Diversifizierung der Rechenkapazitäten. Intern bezeichnet Meta diese Strategie als Meta Compute Initiative. Sie soll die Infrastruktur für eine Phase skalieren, die das Unternehmen als Ära der persönlichen Superintelligenz beschreibt.
Auch andere Cloudgiganten verfolgen ähnliche Strategien. Microsoft erweitert seine Azure-Rechenzentren sowohl mit AMD-Beschleunigern als auch mit Nvidia-Systemen. Amazon treibt parallel die Entwicklung eigener KI-Chips voran, während Oracle in seiner Cloud sowohl AMD- als auch Nvidia-Hardware einsetzt. Die großen Hyperscaler bauen damit gezielt mehrere Lieferketten auf, um technologische und wirtschaftliche Abhängigkeiten zu reduzieren.
Die entscheidende Frage für AMD lautet daher nicht, ob Nvidia verdrängt werden kann. Wichtiger ist, ob der massive Ausbau der KI-Infrastruktur eine dauerhafte Nachfrage nach einem starken zweiten Anbieter erzeugt und ob AMD diese Rolle ausfüllen kann.
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Zwei Anbieter dominieren das KI-Rechenzentrum
Ein Blick auf die Wettbewerber zeigt, warum AMD in dieser Situation eine besondere Stellung einnimmt. Intel verkauft zwar weiterhin Serverprozessoren und verfügt über eigene Grafiklösungen, doch ein konkurrenzfähiger KI-Beschleuniger für Hyperscaler fehlt bislang. Broadcom entwickelt maßgeschneiderte ASIC-Chips für einzelne Cloudkunden, bietet jedoch keine universellen GPUs oder Server-CPUs an. Die Tensor Processing Units von Google wiederum sind ausschließlich für den internen Einsatz bestimmt.
Damit bleiben Nvidia und AMD als die einzigen Unternehmen übrig, die Hyperscalern eine vollständige Plattform aus CPUs, GPUs und kompletten Rack-Systemen liefern können. Für Cloudanbieter mit jährlichen Investitionen von mehreren hundert Milliarden Dollar ist ein zweiter Lieferant daher strategisch unverzichtbar.
Ein Beispiel für diesen Plattformansatz ist AMDs Helios-Architektur. Dabei handelt es sich um ein KI-Rack-System mit 72 MI455X-Grafikprozessoren, EPYC-Serverprozessoren der Venice-Generation und einer Hochgeschwindigkeitsnetzwerklösung von Pensando. Das System wurde entwickelt, um direkt mit Nvidias NVL-Plattform zu konkurrieren.
Die Kooperationen mit Meta und dem KI-Unternehmen OpenAI gehen über einzelne Chips hinaus. Es handelt sich um langfristige Plattformpartnerschaften, bei denen AMD gemeinsam mit den Kunden speziell angepasste Hardware entwirft.
Im Fall von Meta entsteht beispielsweise eine maßgeschneiderte GPU auf Basis der MI450-Architektur, die speziell für die Llama-Modelle des Unternehmens optimiert ist. Solche Co-Design-Projekte führen zu erheblichen Wechselkosten. Sobald ein Cloudanbieter eine Plattform qualifiziert hat, entstehen durch Softwarevalidierung, Stromversorgung und Infrastrukturintegration langfristige Bindungen.
Fabless-Strategie verschafft finanziellen Spielraum
Ein wesentlicher Unterschied zu Intel liegt im Geschäftsmodell. AMD besitzt keine eigenen Chipfabriken und lässt seine Prozessoren beim Auftragsfertiger TSMC produzieren. Dadurch vermeidet das Unternehmen die enormen Investitionen in Fertigungsanlagen, die Intels Bilanz seit Jahren belasten.
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte AMD einen operativen Cashflow von rund 6,5 Milliarden Dollar, während die Investitionsausgaben lediglich knapp eine Milliarde Dollar betrugen. Daraus resultierte ein freier Cashflow von etwa 5,5 Milliarden Dollar. Intel investierte im gleichen Zeitraum fast 18 Milliarden Dollar in neue Fertigungskapazitäten und wies dennoch einen negativen freien Cashflow aus.
Das Kapital, das AMD nicht für Fabriken ausgeben muss, fließt direkt in Forschung, Entwicklung und Vertrieb. Genau diese Bereiche sind entscheidend, wenn Marktanteile im GPU-Geschäft von Nvidia und im CPU-Segment von Intel gewonnen werden sollen.
Serverprozessoren öffnen die Tür zum GPU-Geschäft
Der Aufstieg von AMD im Servermarkt zählt zu den bemerkenswertesten Entwicklungen der vergangenen Jahre. Der Marktanteil der x86-Serverprozessoren stieg laut Mercury Research von nahezu null im Jahr 2017 auf knapp 29 Prozent der ausgelieferten Einheiten Ende 2025. Gemessen am Umsatz liegt der Anteil sogar bei über 41 Prozent, da AMD besonders stark im margenstarken High-End-Segment vertreten ist.
Intel verzeichnete 2025 einen Jahresumsatz von 52,9 Milliarden Dollar und erreichte damit den niedrigsten Wert seit 2010. Ein Teil der Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte wurde aus Lagerbeständen bedient, die inzwischen weitgehend abgebaut sind.
Für AMD eröffnet sich dadurch ein strategisches Zeitfenster. Intels aktuelle Serverplattform Granite Rapids steht bereits im Wettbewerb mit AMDs Turin-Prozessoren unter Druck. Nachfolgende Generationen wie Diamond Rapids und Clearwater Forest werden voraussichtlich erst Ende 2026 in größeren Stückzahlen verfügbar sein.
Der CPU-Erfolg wirkt zudem als Türöffner für das GPU-Geschäft. Laut ServeTheHome haben sich bereits alle großen Social-Media-Plattformen sowie die größten SaaS-Unternehmen für EPYC-Serverprozessoren entschieden. Sobald diese Prozessoren in den Rechenzentrumsracks installiert sind, verkürzt sich der Weg zur Integration von AMD-Grafikprozessoren erheblich.
Die nächste Generation der Serverchips heißt Venice und soll in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 auf Basis des Zwei-Nanometer-Prozesses von TSMC erscheinen. Bereits für 2027 ist mit Verano und der Zen-7-Architektur der nächste Schritt geplant.
Inferenz wird zum größten KI-Markt
Für AMD ist insbesondere der Markt für KI-Inferenz entscheidend. Dabei handelt es sich um die Ausführung bereits trainierter Modelle im produktiven Einsatz. Laut Prognosen von Deloitte wird dieser Bereich bis 2026 rund zwei Drittel der gesamten KI-Rechenleistung ausmachen.
Inferenz ist stärker kostengetrieben und erfordert hohe Verarbeitungskapazität pro Dollar. Gleichzeitig reduziert sich die Abhängigkeit von Nvidias CUDA-Software, da Frameworks wie PyTorch, vLLM und SGLang zunehmend die Hardware abstrahieren.
Dennoch bleibt Nvidia softwareseitig im Vorteil. Werkzeuge wie TensorRT oder Triton Inference Server erleichtern die Implementierung und sparen Unternehmen erhebliche Entwicklungszeit. Besonders große Cloudanbieter verfügen jedoch über eigene Entwicklerteams, die Hardware gezielt optimieren können.
AMDs MI300X brachte das Unternehmen erstmals ernsthaft in die Diskussion um KI-Beschleuniger. Die nachfolgenden Generationen MI325X, MI350 und MI355X verbesserten kontinuierlich Speichergröße, Bandbreite und Rechenleistung. Mit der MI400-Serie, die 2026 erscheinen soll und auf HBM4-Speicher setzt, will AMD auch im Training großer Modelle stärker angreifen.
Zuckerberg betonte bereits, dass die Kooperation mit AMD vor allem effiziente Inferenz ermöglichen soll. Es geht nicht darum, die größten Modelle zu trainieren, sondern KI-Anfragen möglichst kostengünstig auszuführen.
Eine der zentralen Herausforderungen bleibt allerdings AMDs Softwareplattform ROCm. Das CUDA-Ökosystem von Nvidia besitzt einen enormen Vorsprung bei Entwickleraktivität und Verbreitung. Zwar verbessert AMD seine Software kontinuierlich, doch der Rückstand ist weiterhin erheblich.
Langfristige Nachfrage zeigt sich in Lieferverträgen
Der Geschäftsbericht von AMD für 2025 liefert Hinweise auf die erwartete Nachfrageentwicklung. Das Unternehmen meldete Gesamtverpflichtungen von 12,2 Milliarden Dollar, davon 8,5 Milliarden für das Jahr 2026. Dabei handelt es sich vor allem um Wafer-Bestellungen bei TSMC und Substratlieferungen.
Solche Verpflichtungen deuten darauf hin, dass das Management bereits klare Sicht auf zukünftige Umsätze hat. Unternehmen sichern Produktionskapazitäten in dieser Größenordnung normalerweise nur dann, wenn die Nachfrage weitgehend abgesichert ist.
Im gleichen Jahr musste AMD zudem einen bilanziellen Rückschlag verkraften. Exportbeschränkungen der US-Regierung verhinderten zunächst Lieferungen bestimmter Instinct-GPUs nach China, was zu einer Belastung von 800 Millionen Dollar führte. Nach der Erteilung von Exportlizenzen konnte ein Teil dieser Belastung später wieder aufgelöst werden.
Ein weiterer strategischer Schritt war die Übernahme von ZT Systems für rund 4,4 Milliarden Dollar. Kurz nach dem Kauf veräußerte AMD den Produktionsbereich an Sanmina und behielt lediglich die Design- und Entwicklungsteams. Damit sicherte sich das Unternehmen wertvolle Expertise für den Aufbau eigener Rack-Systeme.
Diese Kompetenz soll langfristig die Helios-Plattform stärken und zusätzliche Umsätze über komplette KI-Systeme ermöglichen.
Bewertung signalisiert Wachstumserwartungen
An der Börse wird AMD derzeit mit dem rund 30-fachen der erwarteten Gewinne für 2026 bewertet. Der Konsens der Analysten geht von einem Gewinn je Aktie von etwa 6,64 Dollar aus.
Die Prognose für das erste Quartal 2026 liegt bei einem Umsatz von 9,8 Milliarden Dollar und einer bereinigten Bruttomarge von etwa 55 Prozent. Gleichzeitig steigen die Ausgaben für Forschung und Vertrieb deutlich. Die Forschungs- und Entwicklungskosten kletterten 2025 um 25 Prozent auf über acht Milliarden Dollar.
Auch die Vertriebsausgaben legten stark zu, was auf intensivere Kundenbetreuung und größere Vertriebsteams hinweist. Solche Investitionen erfolgen typischerweise, wenn eine wachsende Pipeline an Großaufträgen abgeschlossen werden soll.
Die großen Verträge mit Meta und OpenAI sollen ab der zweiten Hälfte des Jahres 2026 in nennenswertem Umfang Umsatz generieren. Analystenschätzungen erwarten für 2026 Erlöse von etwa 46,5 Milliarden Dollar.
Risiken bleiben erheblich
Trotz der positiven Perspektiven existieren mehrere Risiken. Die Vereinbarungen mit Meta und OpenAI beinhalten Optionsrechte auf Aktien, die bei vollständiger Ausübung eine Verwässerung von bis zu knapp 20 Prozent bedeuten könnten.
Ein weiterer Engpass liegt in der Verpackungstechnologie CoWoS von TSMC. Diese Technik ist entscheidend für moderne KI-Beschleuniger. Da AMD keine eigenen Fertigungsanlagen besitzt, ist das Unternehmen vollständig von der Kapazitätsverteilung des Auftragsfertigers abhängig.
Sollten neue Fertigungsprozesse geringere Ausbeuten liefern oder große Kunden wie Apple und Nvidia einen Großteil der Kapazitäten beanspruchen, könnte dies die Produktionspläne von AMD beeinträchtigen.
Auch der hohe Lagerbestand von rund 7,9 Milliarden Dollar birgt Risiken. Sollte sich die Nachfrage abschwächen oder Cloudanbieter ihre Investitionen reduzieren, könnten Abschreibungen notwendig werden.
Fazit: Solide Basis und viel Potenzial
Die langfristige Investmentthese beruht jedoch nicht ausschließlich auf GPUs. Das Server-CPU-Geschäft von AMD wächst weiterhin stark und bildet eine stabile Grundlage für Umsatz und Cashflow.
Diese Entwicklung schafft eine Art Bewertungsuntergrenze für die Aktie. Gleichzeitig könnten neue GPU-Generationen wie MI450 sowie komplette Rack-Systeme wie Helios das Gewinnprofil des Unternehmens in den kommenden Jahren deutlich verändern.
Sollte sich der Ausbau der globalen KI-Infrastruktur wie erwartet fortsetzen, könnte AMD als zweiter großer Plattformanbieter neben Nvidia eine zentrale Rolle im Rechenzentrum der Zukunft spielen. Die Aktie bleibt damit weiter ein attraktiver Tech-Titel für das Depot.
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ℹ️ AMD in Kürze
- Advanced Micro Devices (AMD) mit Hauptsitz in Santa Clara im US-Bundesstaat Kalifornien entwickelt und vertreibt Mikroprozessoren, Chipsätze und System-on-a-Chip-Lösungen.
- Eine eigene Fabrikationsstätte hat das Unternehmen seit der Ausgründung der eigentlichen Halbleiterherstellung im Jahr 2009 in Globalfoundries nicht mehr.
- AMD ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500 und hat Marktkapitalisierung von rund 315 Milliarden US$.