Bitcoin und das 6,5-Millionen-Szenario – Abschwung nur zyklusgetrieben?
Die aktuelle Bitcoin-Schwäche lässt sich anders erklären als viele denken. Matt Hougan, Chef-Anlagestratege bei Bitwise, bringt eine interessante These auf den Tisch. Der Kursrückgang sei weniger eine fundamentale Krise als vielmehr das Ergebnis einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Langfristig sieht er weiterhin Bitcoin bei 6,5 Millionen US$.
Warum dieser Abschwung anders ist
Hougan spricht von einem "Bärenmarkt ohne Bösewicht". In früheren Abschwungphasen gab es klare Auslöser wie den ICO-Kollaps 2018 oder den FTX-Skandal. Diesmal fehlt ein solches Katastrophenereignis. Privatanleger verkaufen hauptsächlich, weil sie glauben, der Vier-Jahres-Zyklus fordere genau das. Eine kollektive Erwartung wird zur selbsterfüllenden Realität und treibt die Kurse nach unten.
Zusätzlich haben Kapitalströme Richtung Gold und KI-Aktien die Liquidität bei digitalen Assets reduziert. Makroökonomische Faktoren wie Diskussionen über Quantencomputing-Risiken oder geopolitische Spannungen verstärkten die allgemeine Risikoscheu zusätzlich.
Fundamentale Stärke trotz Preisschwäche
Trotz des Labels "Krypto-Winter" unterscheidet sich die aktuelle Situation fundamental von früheren Bärenmärkten. 2018 fehlten echte Anwendungsfälle. 2022 sorgten regulatorische Angriffe und Firmenpleiten für existenzielle Sorgen. Heute betreibt die Branche einen Stablecoin-Markt, der bis 2030 auf drei Billionen US$ wachsen soll. Institutionelle Schwergewichte wie BlackRock und Apollo sind längst eingestiegen.
Die Infrastruktur unter Bitcoin und Co. steht robuster da als je zuvor. Das deutet auf einen zyklischen statt strukturellen Rückgang hin.
Seitwärtsphase als Bodenbildung
Für die erste Hälfte 2026 erwartet Hougan eine Handelsspanne zwischen 75.000 US$ und 100.000 US$. Statt einer dramatischen Kapitulation zeichnet sich eine abgerundete Bodenformation ab. Ein schrittweiser Aufbau, der auf nachlassenden Verkaufsdruck hindeutet.
Der aktuelle Krypto-Winter habe faktisch im Januar 2025 begonnen. Historisch dauern zyklusbedingte Abschwünge rund 13 Monate. Falls dieses Muster Bestand hat, nähert sich die Bodenbildung ihrem Ende. Danach könnte neuer Kaufdruck für einen bullischen Lauf sorgen.
Langfristig rechnet Hougan damit, dass Bitcoin aus seinem traditionellen Vier-Jahres-Rhythmus ausbricht und später 2026 neue Allzeithochs erreicht. Er verweist auf die zunehmende institutionelle Akzeptanz, darunter Plattformen wie Morgan Stanley und Merrill Lynch, als potenzielle Katalysatoren für erneuten Aufwärtstrend. Und das sind nur einige wenige der Institutionen, die sich zunehmend für Krypto- und Blockchain -Technologie entscheiden.
Die 6,5-Millionen-Vision
Hougan bleibt bei seiner aggressiven Langfristprognose von 6,5 Millionen US$ pro Bitcoin innerhalb von 20 Jahren. Seine These fußt auf anhaltendem globalem Schuldenanstieg und fortschreitender Währungsentwertung. Faktoren, die nach seiner Einschätzung die Nachfrage nach knappen digitalen Assets dauerhaft befeuern werden.
Meine Einschätzung
Die These eines selbsterfüllenden Zyklus halte ich grundsätzlich für plausibel. Wenn sich ausreichend Marktteilnehmer an bestimmten Mustern orientieren, können diese tatsächlich Realität werden. Gleichzeitig unterscheiden sich die aktuellen Rahmenbedingungen deutlich von früheren Bärenmärkten. Die Marktinfrastruktur ist heute robuster, regulatorische Klarheit nimmt zu und die institutionelle Adoption schreitet weiter voran. Das spricht eher gegen einen langanhaltenden strukturellen Abschwung.
Ob Bitcoin allerdings tatsächlich Kursregionen von 6,5 Millionen US$ erreichen kann, hängt von Entwicklungen ab, die sich aus heutiger Sicht kaum seriös prognostizieren lassen. Klar ist für mich jedoch: Vor dem Hintergrund der aktuellen Dynamik erscheinen Kurse unter 100.000 US-Dollar als attraktive Einstiegszone. Natürlich bleibt das Risiko bestehen, zwischenzeitlich noch niedrigere Preise zu sehen. Langfristig überwiegt aus meiner Sicht das Chancen-Risiko-Verhältnis.
3 KI-Gewinner 2026
Wer lieber mit Tech-Aktien Renditechancen ergreifen möchte: Unser Report „KI-Gewinner 2026“ enthüllt die Unternehmen mit dem größten Wachstumspotenzial im KI-Sektor.
Interessenkonflikt: Mitarbeiter von sharedeals.de und der Autor halten Anteile an Bitcoin. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Sie beabsichtigen, die Anteile – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnten dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.
ℹ️ Bitcoin in Kürze
- Bitcoin (BTCUSD) ist die erste und größte Kryptowährung, dient primär als digitales, knappes Wertaufbewahrungsmittel und wird häufig als „digitales Gold“ bezeichnet.
- Die Kryptowährung basiert auf einem dezentral organisierten Buchungssystem, bei dem Zahlungen kryptographisch legitimiert und über ein Peer-to-Peer-Netzwerk (P2P) abgewickelt werden.
- Diese dezentrale Datenbank ist die sogenannte Blockchain.