Duolingo-Aktie -25%: Das erste Todesopfer von KI
Beim Anblick der Kursentwicklung der Duolingo-Aktie ist einem nur noch zum Heulen zumute. Innerhalb von nur neun Monaten haben sich fast -80% des Börsenwertes der Sprachlern-App in Luft aufgelöst. Und auch am Freitagmorgen erlebt Duolingo ein weiteres Blutbad an der Börse. Der Kurs sackt im europäischen Handel um -25% in die Tiefe. Kann man die Duolingo-Aktie als erstes Todesopfer von KI bezeichnen oder tut man ihr damit Unrecht?
Das sieht doch gut aus
Bevor ich eine endgültige Antwort auf diese Frage geben will, zuerst ein Blick auf die Zahlen des Unternehmens. Sie lesen sich erstaunlich gut.
Der Umsatz stieg im vierten Quartal um 35% im Jahresvergleich auf 283 Millionen US$ und lag damit über dem Analystenkonsens von 276 Millionen US$. Wesentlich dynamischer entwickelte sich das Ergebnis. Der Gewinn je Aktie explodierte um 170% auf 0,84 US$ und übertraf ebenfalls die Markterwartung von 0,83 US$.
Und noch ein Rekordwert: Duolingo knackte zum Jahresende die Marke von 50 Millionen aktiven Nutzern.
Enttäuschender Ausblick
Aber wie immer bei Technologiewerten interessierte sich die Börse primär für den Ausblick des Unternehmens, und hier enttäuschte Duolingo. Für das erste Quartal 2026 geht das Management von Buchungen in Höhe von 302 Millionen US$ aus. Analysten rechneten mit einem wesentlich stärkeren Wachstum auf 330 Millionen US$.
Für Enttäuschung sorgte auch die Gesamtjahresprognose. Sie lag mit 1,20 bis 1,22 Milliarden US$ unter dem erwarteten Umsatz von 1,26 Milliarden US$.
Den vielleicht größten Dämpfer versetzt das Duolingo-Management der Börse allerdings mit seiner Nachricht, dass man sich 2026 auf die Verbesserung des kostenlosen Lernerlebnisses und das Wachstum in Bereichen wie Mathematik, Musik und Schach konzentrieren wolle, auch wenn das das kurzfristige Wachstum dämpfe. Duolingo ist demnach bereit, kurzfristig Einbußen bei Umsatz und Gewinn hinzunehmen, um seine Kundenbasis langfristig zu vergrößern.
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Sehr dunkle Wolken ziehen auf
Duolingo reagiert damit auf die ganz konkrete Bedrohung durch Künstliche Intelligenz. Und das muss das Unternehmen auch, denn es ziehen sehr dunkle Wolken am Horizon auf.
Erzeuger dieser Wolken ist niemand Geringerer als Alphabet. Mit Google Labs testet der Tech-Gigant derzeit KI-basierte Sprachlerntools, die auf einer völlig anderen Grundlage als Duolingo basieren. Während die Sprachlern-App auf eine Mischung aus klassischem Kurssystem, Gamification und Wettbewerben setzt, will Google das Erlernen von Sprachen auf ein komplett neues Prinzip umstellen.
Nutzer geben der KI dabei ein konkretes Ziel vor, wie zum Beispiel eine Bestellung in einem Restaurant in Rom oder Smalltalk auf einer Party in New York. Die KI stellt dem Nutzer daraufhin eine Mischung aus nützlichem Vokabular, typischen Redewendungen und kulturellen Eigenheiten zur Verfügung.
Hinzu kommt, dass Google die Funktionen seines Universums in das Tool einfließen lassen will. So sollen sich Nutzer über die Kamera Texte direkt übersetzen lassen können oder über Maps kontextbezogene Hilfen generiert werden.
Im Unterschied zu Duolingo werden Sprachen bei Google in Zukunft nicht mehr isoliert über eine App gelernt, sondern direkt in den Alltag integriert. Eine brandgefährliche Entwicklung für Duolingo.
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Kurs auf das Allzeittief
Den Chart der Duolingo-Aktie muss ich nicht mehr großartig kommentieren. Seit Mai vergangenen Jahres befindet sie sich im freien Fall. Das Allzeittief bei ca. 70 US$ ist nicht mehr weit entfernt. Es dürfte nur noch eine Frage von Wochen sein, bis die Sprachlern-App auf einen neuen historischen Tiefststand fällt.
Die Bedrohung steht vor der Tür
Ich habe diesen Satz noch nie geschrieben, weshalb er mir auch gar nicht leicht fällt. Meiner Meinung nach ist die Duolingo-Aktie tatsächlich eines der ersten Todesopfer von KI an der Börse.
Zwar besitzt das Unternehmen eine sehr populäre App, die von über 50 Millionen Menschen genutzt wird. Aber das Problem bei Duolingo ist der zu schmale Burggraben.
Sobald Menschen eine einfachere Möglichkeit haben, Dinge zu erlernen — die noch dazu kostenlos ist — werden sie sich in Scharen von Duolingo abwenden. Und diese einfachere Möglichkeit kommt nicht morgen oder übermorgen, sie ist bereits da.
Im Gegensatz zu anderen Saas-Unternehmen ist die Software von Duolingo nicht tief in irgendwelche Unternehmensprozesse eingebettet. Nutzer können von einer Sekunde auf die andere entscheiden, sie einfach nicht mehr zu verwenden. Und das werden sie auch tun.
Die Duolingo-Aktie ist deshalb ein fallendes Messer, in das kein Anleger greifen sollte. Es tut bekanntermaßen sehr weh.
ℹ️ Duolingo in Kürze
- Duolingo ist ein Onlinedienst zum Erlernen von Sprachen. Nutzern stehen derzeit über 100 Kurse in mehr als 40 Sprachen zur Verfügung.
- Mit über 500 Millionen registrierten Nutzern ist Duolingo die meistbenutzte Sprachlernplattform der Welt.
- Das Unternehmen notiert seit 2021 an der US-Technologiebörse Nasdaq und ist aktuell ca. 5,4 Milliarden US$ wert.
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