BioNTech-Aktie: Warum ist der Markt so skeptisch?
Wir erinnern uns noch gut an die Zeit, als BioNTech plötzlich überall war. Pandemie, Impfstoff, Milliardenumsätze, ein Unternehmen, das innerhalb weniger Monate vom Spezialisten zum globalen Symbol wurde. Und dann – fast genauso schnell – die kollektive Ermüdung. Der Markt scheint die Geschichte abgeschlossen zu haben, sauber abgeheftet unter „COVID-Gewinner“, als wäre danach nichts mehr gekommen. Vielleicht ist genau das der eigentliche Denkfehler.
Schaut man heute auf die Bewertung, entsteht ein merkwürdiges Bild. Rund 27,6 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung bei etwa 110 Dollar je Aktie wirken zunächst respektabel. Zieht man jedoch die enorme Cashposition ab, bleibt ein operatives Geschäft übrig, das effektiv mit ungefähr elf Milliarden Enterprise Value bewertet wird. Elf Milliarden für ein Unternehmen mit mehreren Phase-III-Onkologieprogrammen, globalen Partnerschaften und einer Technologieplattform, die eigentlich erst am Anfang stehen müsste. Wir sagen bewusst müsste. Sicherheit klingt anders.
Was uns daran irritiert, ist weniger die Zahl selbst als die Botschaft dahinter. Der Markt bewertet nicht vorsichtig, sondern beinahe demonstrativ skeptisch. Als würde man sagen: Alles nach COVID ist optional. Vielleicht interessant, aber erst einmal wertlos, bis das Gegenteil bewiesen ist.
Die implizite Bewertung – oder das Misstrauen in Zahlenform
Rechnet man die Bewertung pro Aktie herunter, landet man bei rund 42 Dollar operativem Wert. Der Rest ist im Grunde Bargeld. Anders formuliert: Die Börse schreibt der gesamten Zukunft von BioNTech ungefähr den Wert eines einzelnen mittelgroßen Biotechprojekts zu. Und hier beginnen unsere Zweifel. Nicht weil Biotech risikoarm wäre – das Gegenteil ist der Fall –, sondern weil Risiko und Bewertung plötzlich nicht mehr proportional wirken.
Es fühlt sich an, als würde der Markt nicht rechnen, sondern absichern. Lieber zu pessimistisch als einmal zu optimistisch. Nach der Pandemie vielleicht nachvollziehbar. Aber auch gefährlich bequem.
Ein Gedankenexperiment namens Pumitamig
Nehmen wir nur ein Asset heraus, Pumitamig. Kein offizielles Peak-Sales-Ziel, also bleibt nur das grobe Herleiten über Marktgrößen. Weltweit mehrere Millionen neue Lungenkrebsfälle jährlich, ein großer Anteil davon NSCLC, viele Patienten bereits metastasiert diagnostiziert. Am Ende landet man bei einer adressierbaren Population im Bereich von rund einer halben Million Patienten pro Jahr.
Preislich orientiert sich alles zwangsläufig an Keytruda. Daraus ergibt sich ein globaler Markt, dessen Größe irgendwo zwischen sehr groß und fast absurd groß liegt. Oncology-Zahlen wirken immer überdimensioniert, bis ein Medikament tatsächlich funktioniert.
Selbst konservativ gerechnet könnten ein bis zwei Milliarden Peak Sales entstehen. Mit typischen Margen erfolgreicher Onkologieprodukte landet man schnell bei mehreren hundert Millionen operativem Gewinn. Bewertet mit branchenüblichen Multiples ergibt sich für ein einzelnes Asset plötzlich ein Milliardenwert, der einen erheblichen Teil der heutigen Gesamtbewertung erklären könnte. Und genau hier halten wir kurz inne. Nicht, weil diese Rechnung zwingend richtig ist, sondern weil sie zeigt, wie wenig Erfolg aktuell eingepreist scheint.
Das One-Hit-Wonder-Problem
Vielleicht liegt die eigentliche Erklärung woanders. Der Markt glaubt schlicht nicht an einen zweiten Akt. BioNTech wird behandelt wie ein Musiker mit einem gigantischen One-Hit-Wonder, dem niemand ein zweites Album zutraut. Hart formuliert, ja. Aber genau diese Haltung hören wir immer wieder zwischen den Zeilen von Investorenkommentaren.
Unsere vielleicht unbequeme These: Die Bewertung spiegelt weniger klinische Risiken wider als psychologische Müdigkeit. Anleger haben emotional abgeschlossen. Und Märkte, die emotional abgeschlossen haben, reagieren selten früh auf neue Entwicklungen.
Partnerschaften: Sicherheit mit angezogener Handbremse
Die Kooperation mit Bristol Myers Squibb erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit erheblich. Gleichzeitig halbiert sie ökonomisch den potenziellen Gewinn. Sicherheit gegen Hebelwirkung. Ein klassischer Trade-off, der sich zwar modellieren lässt, aber nie wirklich sauber anfühlt.
Wir merken selbst, wie unsere Annahmen an manchen Stellen unscharf werden. Wahrscheinlichkeiten, Multiples, Szenarien – alles wirkt präzise, bis man sich daran erinnert, dass Biotech letztlich von Datenpunkten abhängt, die noch gar nicht existieren.
Zwischen Bear Case und halbem Vertrauen
Rechnet man pessimistische Szenarien durch, zeigt sich immerhin ein gewisser Schutz nach unten. Selbst bei enttäuschender Oncology bleibt der Cashbestand ein Stoßdämpfer. Im Basisszenario hingegen reicht schon ein einzelner größerer Erfolg, um die heutige Bewertung zu rechtfertigen. Erst im optimistischen Szenario entsteht echtes Aufwärtspotenzial – dann allerdings spürbar.
Interessant ist weniger das Ergebnis als die Marktpositionierung: Bewertet wird offenbar irgendwo zwischen Katastrophe und vorsichtigem Hoffnungsschimmer. Fast so, als wolle der Markt bewusst keine positive Überraschung einkalkulieren.
Die eigentliche Wette
Die kommenden zwölf bis achtzehn Monate bringen Phase-III-Daten in mehreren Indikationen. Harte Ergebnisse, keine Narrative mehr. Wenn die Daten überzeugen, müssen Wahrscheinlichkeiten neu geschrieben werden. Wenn nicht, wird die Skepsis brutal bestätigt.
Wir sehen deshalb weniger eine klassische Wachstumsstory als eine Neubewertungswette. Der Cashbestand wirkt wie ein Sicherheitsnetz, während erfolgreiche Oncology-Daten die Wahrnehmung fundamental verschieben könnten. Kein sicherer Trade. Nicht einmal ein komfortabler.
Vielleicht ist das die ehrlichste Zusammenfassung: Wer heute BioNTech kauft, investiert nicht nur in Krebsforschung. Man investiert in die Möglichkeit, dass der Markt seine Meinung ändern muss. Und aus Erfahrung wissen wir – genau das passiert an der Börse selten leise.
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