Hensoldt-Aktie: Warum Anleger jetzt vorsichtig sein sollten
Für die Hensoldt-Aktie geht es am Donnerstag kräftig abwärts. Als einer der schwächsten MDAX-Werte verliert der Rüstungstitel zur Stunde -8,6% und stürzt auf ein neues Jahrestief bei 72,90 €. Sind die Zahlen wirklich so mies und wie sollten sich Anleger nun verhalten?
Zahlen mit Licht und Schatten
Der Münchener Rüstungszulieferer meldete für das abgelaufene Geschäftsjahr ein Umsatzwachstum von knapp 10% auf 2,46 Milliarden €, verfehlte damit aber die Konsensprognose von 2,50 Milliarden €. Etwas besser sieht es auf der Ertragsseite aus: Das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) kletterte um 12% auf 452 Millionen €. Die entsprechende Marge verbesserte sich von 18,1 auf 18,4% und übertraf damit die eigene Zielmarke von 18,0%.
Gleichzeitig verzeichnete das Unternehmen einen neuen Rekordwert beim Auftragseingang, der um 62% auf 4,71 Milliarden € zunahm. Der Auftragsbestand wuchs auf 8,83 Milliarden €.
Ergänzend sei erwähnt: Anleger mit Interesse an innovativen Tech-Unternehmen finden in Top-Picks 2026 eine detaillierte Analyse von drei Aktien aus den Zukunftsmärkten Robotik, Quantencomputing und KI-Cloud.
Prognose leicht rauf
Für das laufende Geschäftsjahr hob Hensoldt die Erwartungen etwas an. Während der Umsatz um 12% auf 2,75 Milliarden € zulegen soll, kalkuliert das Management bei der bereinigten EBITDA-Marge mit einer Spanne von 18,5 bis 19,0%. Bislang hatte das Unternehmen einen Umsatzanstieg um 10% und eine Steigerung der operativen Rendite um 0,5 Prozentpunkte in Aussicht gestellt.
Dazu sollen Aktionäre eine um 5 Cent höhere Dividende erhalten, sie steigt demnach auf 55 Cent je Aktie.
Chartbild trübt sich ein
Trotz des starken Auftragseingangs reagiert die Aktie mit deutlichen Abschlägen und rutscht auf den tiefsten Stand in diesem Jahr. Nach dem Bruch des Supports bei 74/76 € drohen dem Kurs nun weitere Abgaben in Richtung des Dezember-Tiefs bei 64,80 €. Übergeordnet zeigt sich eine potenzielle Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS), die weiteres Abwärtspotenzial freisetzen könnte.
Analysten zeigen sich enttäuscht
Analysten bemängeln nicht nur den enttäuschenden Umsatz, sondern üben auch Kritik an der Cashflow-Entwicklung und den weiteren Ergebniszielen. Dazu schwächelten die Geschäfte im vierten Quartal. Jefferies beließ die Einstufung auf „Hold“ mit einem Kursziel von 90 €. Es bleibt abzuwarten, wie die anderen Brokerhäuser reagieren.
Den Rücksetzer zum Einstieg nutzen?
Für mich bleibt die Aktie allenfalls ein Haltekandidat. Zwar boomt die Rüstungsindustrie, an der Börse ist der Hype zuletzt aber deutlich verflogen. Das zeigt sich nicht nur bei der Hensoldt-Aktie, sondern auch bei anderen einstigen Highflyer-Titeln wie Rheinmetall.
Ein entscheidender Grund dürfte sein, dass die Konzerne Mühe haben, die vollen Auftragsbücher abzuarbeiten und ihre Produktion zu skalieren. Hinzu kommt, dass im Aktienkurs mit einem Forward-KGV von fast 50 schon sehr viel Positives eingepreist ist.
Sollte es auf absehbare Zeit doch zu einem Waffenstillstand und einem Kriegsende in der Ukraine kommen, dürfte das den Aktienkurs weiter drücken. Vor diesem Hintergrund rate ich Anlegern davon ab, die Aktie zu kaufen.
Ergänzend sei erwähnt: Während Panzerproduktion boomt, deckt „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ zwei Unternehmen auf, die dank des Nachfrageschubs den entsprechenden Rohstoffe bald massiv profitieren werden.
ℹ️ Hensoldt in Kürze
- Die Hensoldt AG (WKN: HAG000) mit Sitz in Taufkirchen bei München ist ein Rüstungsunternehmen, das auf die Entwicklung und Herstellung von Radar- und Sensortechnologien spezialisiert ist.
- Hauptprodukte sind Radar-, Avionik- und optoelektronische Systeme sowie Lösungen zur elektronischen Kampfführung.
- Hensoldt ging 2017 aus Geschäftsbereichen von Airbus Defence and Space hervor und notiert seit 2020 an der Börse.
- Das Unternehmen ist Mitglied im deutschen Nebenwerteindex MDAX und ca. 9,2 Milliarden € an der Börse wert.