Bitcoin: Hopp oder Top? Die Antwort ist klar!
Manchmal fühlt sich der Krypto-Markt an, als würde er gleichzeitig vergessen und überreagieren. Genau in solchen Momenten lohnt es sich, langsamer zu denken als der Kursverlauf — auch wenn das gegen den Reflex der meisten Anleger geht.
Der Absturz, der niemanden überraschen sollte — und es trotzdem tut
Wir schauen auf die Kurse, wie wir es seit Jahren tun. Vielleicht zu lange. Vielleicht auch genau lange genug, um zu wissen: Märkte wiederholen keine Muster, aber sie reimen sich erstaunlich oft.
Zum Zeitpunkt dieser Analyse hat Bitcoin seit Jahresbeginn fast ein Viertel seines Werts verloren. Vom Allzeithoch bei rund 126.000 Dollar im vierten Quartal des vergangenen Jahres sind es inzwischen etwa 46 Prozent nach unten. Zahlen, die schwer wirken. Zahlen, die sofort nach Erklärungen verlangen — und nach Schuldigen.
Der Fall auf etwa 60.000 Dollar, ein Drawdown von über 50 Prozent, hat den Fear-&-Greed-Index auf Extremwerte gedrückt. Und wie immer in solchen Phasen kippt die öffentliche Stimmung schneller als der Kurs selbst. Plötzlich dominieren Suchanfragen wie „Bitcoin going to zero“. Als wäre kollektives Gedächtnis an der Börse grundsätzlich auf sechs Monate begrenzt.
Wir kennen diese Phase. Erst Euphorie, dann Skepsis, dann Spott. Danach meistens — Stille.
Das eigentliche Problem: zu einfache Erklärungen
Was uns zunehmend stört, ist nicht der Kursverlust. Der gehört dazu. Was irritiert, ist die Oberflächlichkeit der aktuellen Debatte. Bitcoin wird wieder behandelt, als existiere er außerhalb der Makroökonomie. Als wäre er ein isoliertes Experiment.
Das war er nie.
Unsere klare — und vermutlich nicht überall beliebte — Meinung: Wer Bitcoin ohne globale Liquidität analysiert, analysiert eigentlich gar nichts. Man betrachtet nur Preisbewegungen und nennt das Analyse.
Bitcoin ist kein Naturphänomen. Er reagiert auf Kapitalströme. Auf Zinsen. Auf Risikoappetit. Punkt.
Zwei Makro-Schocks, die den Markt ausgebremst haben
Bis Mitte Januar sah die Lage noch konstruktiv aus. Nach einem turbulenten Herbst begann sich Bitcoin moderat zu erholen. Wir waren damals optimistisch, weil sich globale Liquiditätsbedingungen verbesserten.
Dann kamen zwei Ereignisse fast gleichzeitig.
Erstens die Rückkehr einer aggressiveren US-Handelspolitik. Märkte reagierten sofort. Kapital wurde defensiver allokiert, Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten massive Abflüsse — zeitweise über 700 Millionen Dollar täglich. Gleichzeitig flossen Gelder in Gold und Silber. Klassischer Risk-off-Modus.
Und hier unsere bewusst provokante These: In echten Stressphasen verhält sich Bitcoin nicht wie digitales Gold. Sondern wie ein Tech-Asset mit Hebelwirkung auf Liquidität. Das widerspricht der Ideologie vieler Anhänger, aber die Daten sprechen seit Jahren dieselbe Sprache.
Der zweite Faktor war die Nominierung von Kevin Warsh als möglicher Fed-Chair. Die Märkte brauchten kaum Zeit, ihn als geldpolitischen Falken einzuordnen. Seine kritische Haltung gegenüber Quantitative Easing reicht aus, um Erwartungen sinkender Liquidität auszulösen — und damit Druck auf Risikoassets.
Die jüngsten Fed-Protokolle verstärkten dieses Bild zusätzlich. Zinssenkungen wirken plötzlich weniger sicher, manche Stimmen sprechen sogar über mögliche Erhöhungen. Für Bitcoin bedeutet das vor allem eines: Unsicherheit über zukünftige Liquidität.
Bitcoin hängt stärker am Makro als viele zugeben wollen
Hier liegt der Kern der aktuellen Bewegung. Bitcoin korreliert auffällig stark mit globaler Liquidität — stärker, als seine eigene Narrative gern behauptet.
Und trotzdem halten wir die „Bitcoin wird wertlos“-These für intellektuell schwach.
Denn fundamental hat sich nichts verändert. Die maximale Menge bleibt bei 21 Millionen Coins. Das Netzwerk funktioniert. Institutionelle Nachfrage existiert weiterhin. Die strukturellen Eigenschaften, die Investoren im Bullenmarkt überzeugt haben, sind unverändert vorhanden.
Was sich geändert hat, ist nicht Bitcoin. Sondern die Erwartung über die Zukunft.
Ein kleiner, aber entscheidender Unterschied.
Interessanterweise steigt die globale Liquidität aktuell sogar weiter an. Der Markt handelt jedoch bereits das Gegenteil. Bitcoin wird damit zu einer Projektion von Angst — nicht von Gegenwart.
Die große Bereinigung läuft vermutlich noch
Unsere Lesart: Ein erheblicher Teil der Rallye Richtung Allzeithoch war durch Hebel getrieben. Nicht durch nachhaltige Spot-Nachfrage. Solche Phasen enden selten elegant.
Der aktuelle Rückgang dürfte vor allem diese Übertreibungen aus dem System spülen. Schmerzhaft, aber notwendig. Wir haben selbst unterschätzt, wie lange dieser Prozess dauern könnte.
Eine schnelle Rückkehr zum ATH halten wir inzwischen für unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher erscheint eine längere Konsolidierung im Bereich zwischen 60.000 und 75.000 Dollar. Seitwärtsbewegungen fühlen sich unspektakulär an — sind aber oft die Grundlage neuer Trends.
Gleichzeitig zeigen Daten erste Stabilisierung bei Spot-Flows. Verkaufsdruck nimmt ab. Käufer kehren zurück. Zögerlich. Noch ohne Überzeugung.
Warum wir jetzt taktisch statt strukturell bullisch sind
Unsere Haltung verändert sich deshalb leicht. Nicht mehr uneingeschränkt strukturell bullisch für das Gesamtjahr, sondern taktisch bullisch.
Ein wichtiger Unterschied.
Mit Warshs möglichem Amtsantritt im Mai beginnt eine neue Phase geldpolitischer Erwartungen. Der Markt preist aktuell ein restriktives Szenario ein. Genau darin liegt eine Chance: Sollte sich Warsh überraschend moderat zeigen — Hinweise darauf existieren durchaus — könnten aggressive Rallyes entstehen.
Solche Bewegungen wären aus unserer Sicht eher Gelegenheiten zur Positionsreduktion als zum Nachkaufen. Ja, das klingt unromantisch. Aber Börse ist selten romantisch.
Hinzu kommen politische Unsicherheiten, Inflationsdaten und die Entwicklung des US-Dollars. Ohne einen schwächeren Dollar dürfte Bitcoin strukturell Gegenwind behalten.
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Unsere Position — bewusst nicht neutral
Wir fassen es bewusst klar zusammen:
Erstens: Die aktuellen Kursniveaus erscheinen uns attraktiv genug, um Positionen aufzubauen. Nicht ohne Risiko, aber mit asymmetrischem Chancenprofil.
Zweitens: Bitcoin ist kein Nullwert. Aber auch kein unabhängiges Parallelgeldsystem. Er ist — zumindest derzeit — ein Liquiditätsasset mit ideologischer Verpackung.
Das wird nicht jeder unterschreiben. Müssen auch nicht alle.
Risiken, die man nicht wegdiskutieren kann
Die makroökonomische Lage kann sich weiter verschlechtern. Inflation könnte hartnäckig bleiben. Zinssenkungen könnten länger ausbleiben als erwartet. Und die Identitätsfrage von Bitcoin — Technologie, Wertspeicher oder Spekulationsvehikel — bleibt ungelöst.
Vielleicht ist genau diese Unklarheit der Grund für seine extreme Volatilität.
Unsere Erfahrung sagt jedenfalls: Wer Bitcoin hält, sollte seine Positionsgröße eher nach Schlafqualität als nach Überzeugung wählen.
Ein unfertiger Gedanke zum Schluss
Am Ende beschäftigt uns weniger der aktuelle Preis als die Bedingungen, unter denen dieser Preis entsteht. Märkte reden ständig über Bewertungen, selten über Liquidität. Dabei entscheidet meist Letztere.
Wir bleiben vorsichtig optimistisch. Kaufen selektiv. Reduzieren Übertreibungen. Und akzeptieren, dass wir falsch liegen könnten.
Denn nach vielen Jahren an der Börse wirkt eine Erkenntnis stabiler als jede Prognose: Sicherheit ist meistens nur ein anderes Wort für fehlende Vorstellungskraft.
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ℹ️ Bitcoin in Kürze
- Bitcoin (BTCUSD) ist die erste und größte Kryptowährung, dient primär als digitales, knappes Wertaufbewahrungsmittel und wird häufig als „digitales Gold“ bezeichnet.
- Die Kryptowährung basiert auf einem dezentral organisierten Buchungssystem, bei dem Zahlungen kryptographisch legitimiert und über ein Peer-to-Peer-Netzwerk (P2P) abgewickelt werden.
- Diese dezentrale Datenbank ist die sogenannte Blockchain.