Klarna-Aktie -27%: Ist das die perfekte Kaufgelegenheit?

Dramatischer Kurssturz

Der gestrige Donnerstag war ein rabenschwarzer Tag für den schwedischen Zahlungsdienstleister. Der Kurs sackte um -27% auf ein neues Allzeittief ab. Seit dem IPO im vergangenen September hat die Klarna-Aktie zwei Drittel ihres Wertes verloren. Werfen Anleger zu Recht ihre Aktien auf den Markt oder gibt es er hier die perfekte Kaufgelegenheit?

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Auf den ersten Blick Top

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, müssen erst mal die gestern vorgestellten Quartalszahlen von Klarna eingeordnet werden. Auf den ersten Blick ist hier überhaupt kein Grund für einen so drastischen Kurseinbruch zu finden.

Der Umsatz schoss im Schlussquartal 2025 um 38% auf 1,08 Milliarden US$ hoch. Damit erzielte der Zahlungsdienstleister erstmals einen Quartalsumsatz von über 1 Milliarde US$.

Das über Klarna abgewickelte Bruttowarenvolumen erhöhte sich um 32% auf 38,7 Milliarden US$. Starker Wachstumstreiber waren die USA. Hier legten Umsatz und Bruttowarenvolumen um 58 bzw. 43% zu.

Auch bei den Nutzer- und Händlerzahlen gab es Erfreuliches zu berichten. Die Zahl der weltweit aktiven Klarna-User stieg um 28% auf 118 Millionen. Bei den Händlern konnten die Schweden ihr Netzwerk sogar um 42% auf 966.000 erweitern.

Besonders stark fiel der Anstieg bei den Bankkunden aus. Die Zahl der Klarna-Bankkunden verdoppelte sich auf Jahressicht auf 15,8 Millionen. Das ist eine sehr wichtige Entwicklung, da Bankkunden im Schnitt 107 US$ pro Kopf für Klarna generieren. Bei Nutzern des Zahlungsdienstes liegt der Erlös nur bei 30 US$.

Und nicht zuletzt ist auch die Verbesserung der Kreditqualität positiv zu werten. Die Rückstellungen für Kreditausfälle verringerte sich von 0,72% im dritten auf 0,65% des Bruttowarenvolumens im vierten Quartal.

Auf den zweiten Blick Flop

Auf den zweiten Blick gibt jedoch eine Reihe von Gründen, die für das gestrige Kursdebakel der Klarna-Aktie sorgten. Trotz des Rekordumsatzes rutschte der Zahlungsdienstleister im abgelaufenen Vierteljahr überraschend wieder in die roten Zahlen. Der Nettoverlust lag bei 26 Millionen US$.

Grund dafür ist, dass die Aufwendungen für die massive Expansion in den USA und den Ausbau der KI-Infrastruktur den Gewinn aufgefressen haben. Analysten hatten im Vorfeld mit einer Fortsetzung der Profitabilität gerechnet.

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Ein entscheidender Faktor für den Kurssturz der Klarna-Aktie ist auch das Thema Kreditausfälle. Zwar konnte das Unternehmen seine Rückstellungen für Risikovorsorge prozentual verringern, aber Klarna musste immer noch 250 Millionen US$ für potenzielle Kreditausfälle zurückstellen. Viele Banken befürchten, dass in den kommenden Quartal Tausende Kunden ihre „Buy now, pay later“-Raten nicht begleichen können.

Zudem wächst auch der juristische Druck auf Klarna. Mehrere US-Anwaltskanzleien erinnerten an die gestrige Deadline für Sammelklagen. Ihr Vorwurf: Klarna soll in den IPO-Unterlagen vom September 2025 das wahre Ausmaß der Kreditausfallrisiken verschleiert haben. Die Unsicherheit über mögliche hohe Strafzahlungen oder Entschädigungen belastet den Kurs massiv.

Und nicht zuletzt befeuerten Analysten den Ausverkauf der Klarna-Aktie. So senkte die Investmentbank Morgan Stanley das Kursziel massiv von 39 auf 23 US$. Die Bank verwies auf den zunehmenden Margendruck durch Konkurrenten wie Apple Pay und PayPal.

Einfach nur traurig

Das Chartbild der Klarna-Aktie muss ich nicht mehr großartig kommentieren, so traurig ist es. Seit dem Börsengang steckt das Fintech in einer steilen Abwärtskanal fest und konnte bislang keinen Boden finden. Es ist fraglich, ob Klarna nach dem gestrigen Blutbad endlich einen Halt findet.

Finger weg von dieser Aktie

Wie in meinen letzten Analysen rate ich Anlegern auch weiterhin, die Finger von der Klarna-Aktie zu lassen. Für mich befindet sich der Bank- und Zahlungsdienstleister in einer äußerst negativen Gemengelage.

Das Marktsentiment der Börse gegenüber der Branche ist katastrophal schlecht. Im Unterschied zu Branchengrößen wie PayPal oder Adyen kommt bei Klarna noch ein gewaltiges juristisches Risiko hinzu.

Sollten US-Gerichte der Meinung der Sammelkläger folgen, dass beim Börsengang bestimmte Geschäftsrisiken nicht ausreichend dargestellt wurden, drohen Klarna gigantische Straf- und Schadenersatzzahlungen. Bekanntermaßen sind Gerichte in den USA in Fällen von Anlegertäuschung überhaupt nicht zimperlich.

Vor diesem Hintergrund ist mir die Klarna-Aktie mit einem Forward-KGV von fast 35 trotz des massiv gesunkenen Kurses immer noch viel zu hoch bewertet. Die Werte von PayPal und Adyen liegen bei 8 bzw. 20.

Ja, die Wachstumsdynamik von Klarna ist noch deutlich höher. Aber wie lange — das ist die große Frage. Die Schweden schwimmen in einem Haifischbecken, indem sich ziemlich viele dicke und gefräßige Fische wie Apple, Alphabet, Visa, Mastercard, PayPal und Adyen tummeln. Es wird nicht leicht, in diesem Becken zu überleben.

Zum Schluss: Bleibe bei Klarna und Zahlungsdienstleistern im Allgemeinen auf dem Laufenden und abonniere unseren kostenlosen SD Insider Newsletter!

ℹ️ Klarna in Kürze

  • Klarna (WKN: A414N7) ist ein 2005 gegründeter schwedischer Zahlungsanbieter mit Hauptsitz in Stockholm.
  • Das Unternehmen bietet verschiedene Zahlungsmöglichkeiten für das Online-Shopping an.
  • Schwerpunkt sind Buy now, pay later-Leistungen, also der Kauf von Waren mit späterer Bezahlung.
  • Klarna notiert an der New York Stock Exchange und ist ca. 5,2 Milliarden US$ wert.
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