Halozyme Therapeutics-Aktie: Starke Zahlen, kurze Schwäche
Die Aktie von Halozyme Therapeutics hat nach Vorlage der Jahreszahlen 2025 mit Abschlägen reagiert, obwohl die operativen Kennzahlen eine neue Dimension erreichen. Hinter der scheinbar ausbleibenden Begeisterung verbirgt sich jedoch ein Geschäftsmodell, das in den kommenden Jahren deutlich an Dynamik gewinnen könnte.
Starke Zahlen und wachsende Ertragsbasis
Halozyme Therapeutics, uns noch von der Evotec-Offensive Ende 2024 bekannt, präsentiert sich als qualitativ hochwertiger Wachstumswert, dessen Perspektiven auf einer skalierbaren, lizenzgetriebenen Plattform beruhen. Mit den nun veröffentlichten Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 wird deutlich, wie stark das Kerngeschäft rund um die ENHANZE-Technologie inzwischen trägt.
Der Umsatz kletterte im Gesamtjahr um 38 Prozent auf den Rekordwert von 1,397 Milliarden US-Dollar. Besonders eindrucksvoll entwickelte sich das Lizenzgeschäft: Die Royalty-Erlöse stiegen um 52 Prozent auf 868 Millionen US-Dollar. Im vierten Quartal belief sich der Umsatz auf 451 Millionen US-Dollar, ein Plus von 51 Prozent gegenüber dem Vorjahr und leicht über den Markterwartungen.
Getrieben wurde das Wachstum vor allem von ENHANZE-basierten Blockbustern wie Darzalex SC, Phesgo und Vyvgart cHytrulo, die ihre globale Expansion fortsetzten und zunehmend auch in früheren Therapielinien eingesetzt werden. Diese Entwicklung unterstreicht die Skalierbarkeit und die hohen Margen des Lizenzmodells.
Strategisch hat das Unternehmen sein Profil durch die Übernahmen der Hypercon-Technologie von Elektrofi sowie der Plattform von Surf Bio erweitert. Damit soll die technologische Reichweite deutlich über ENHANZE hinaus ausgedehnt und die Laufzeit der Schutzrechte bis in die Mitte der 2040er-Jahre verlängert werden.
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Einmaleffekte belasten das Ergebnis
Auf GAAP-Basis fiel das Ergebnis je Aktie mit minus 0,24 US-Dollar schwach aus und lag unter den Erwartungen. Ursache waren vor allem einmalige, akquisitionsbedingte Belastungen. Allein 284,9 Millionen US-Dollar entfielen auf erworbene Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Zusammenhang mit der Surf-Bio-Transaktion. Der Jahresüberschuss sank dadurch auf 316,9 Millionen US-Dollar nach 444,1 Millionen im Vorjahr, im vierten Quartal wurde sogar ein Nettoverlust ausgewiesen.
Operativ blieb die Ertragskraft jedoch intakt. Das bereinigte EBITDA erreichte 657,6 Millionen US-Dollar und signalisiert eine robuste Cashflow-Generierung trotz erhöhter Integrations-, Transaktions- und Rechtskosten. Die Bilanz zeigt nach Akquisitionen und Refinanzierung einen deutlichen Rückgang der liquiden Mittel, gleichzeitig aber eine strukturierte Kapitalallokation mit Blick auf langfristige Wertschöpfung.
Ambitionierte Prognose für 2026
Für 2026 stellt das Management einen deutlichen Ergebnisanstieg in Aussicht. Der Gesamtumsatz soll zwischen 1,71 und 1,81 Milliarden US-Dollar liegen, das bereinigte EBITDA zwischen 1,125 und 1,205 Milliarden US-Dollar. Das entspräche einem EBITDA-Wachstum von 71 bis 83 Prozent. Die Royalty-Erlöse dürften erstmals die Marke von einer Milliarde US-Dollar überschreiten.
Beim bereinigten verwässerten Ergebnis je Aktie wird nahezu eine Verdopplung auf 7,75 bis 8,25 US-Dollar erwartet. Damit würde sich der operative Hebel des Lizenzmodells voll entfalten, sobald die außergewöhnlichen Akquisitionskosten auslaufen. Das Jahr 2025 erscheint damit als Übergangsphase mit hohen Investitionen und temporärem Ergebnisdruck, der den Boden für eine deutlich stärkere Profitabilität in den Folgejahren bereitet.
Technologischer Ausbau als strategischer Hebel
Mit den Zukäufen von Elektrofi und Surf Bio vollzieht Halozyme einen strategischen Schritt über das bisherige Kerngeschäft hinaus. Ziel ist es, das Portfolio subkutaner Verabreichungstechnologien zu verbreitern und langfristiges Wachstum abzusichern.
Die Hypercon-Plattform von Elektrofi basiert auf einer Mikropartikel-Formulierungstechnologie, die extrem hohe Proteinkonzentrationen von 400 bis 500 Milligramm pro Milliliter ermöglicht. Damit lassen sich hochdosierte Biologika in deutlich kleineren Volumina subkutan injizieren, ohne die Injektionsfähigkeit einzuschränken. Dies eröffnet neue Optionen für Heimtherapien oder Behandlungen in kleineren Praxen und erleichtert die Umstellung bislang intravenös verabreichter Medikamente auf patientenfreundlichere Applikationsformen. Erste Partnerprogramme sollen noch in diesem Jahr in die klinische Entwicklung starten, was perspektivisch neue Lizenz- und Royalty-Ströme ab etwa 2030 ermöglichen könnte.
Die im Dezember abgeschlossene Übernahme von Surf Bio ergänzt diesen Ansatz um eine polymerbasierte Technologie zur Hochkonzentration. Durch proprietäre Hilfsstoffe und spezielle Trocknungsverfahren entstehen stabile, hochkonzentrierte Formulierungen mit vergleichsweise niedriger Viskosität. Das erleichtert komfortable, hochdosierte subkutane Injektionen mit Autoinjektoren oder Pen-Systemen.
Im Zusammenspiel mit ENHANZE entsteht ein mehrstufiges Lösungsangebot. Während Hypercon oder Surf Bio die Wirkstoffe selbst stärker konzentrieren und damit das Injektionsvolumen reduzieren, erhöht ENHANZE die Gewebedurchlässigkeit und ermöglicht eine bessere Aufnahme unter die Haut. Gerade bei komplexen Antikörpertherapien in Onkologie, Immunologie oder Adipositas könnte diese Kombination den Übergang von intravenösen Infusionen zu subkutanen Anwendungen entscheidend erleichtern.
Breitere Pipeline und neue Partnerschaften
Für 2026 plant das Unternehmen sechs neue ENHANZE-Programme in Phase eins sowie zwei neue Hypercon-Programme in Phase eins. Insgesamt soll ein Portfolio von rund 15 Entwicklungsprojekten entstehen, flankiert von mehreren Phase-zwei- und Phase-drei-Daten.
Auf kommerzieller Ebene werden ein bis drei neue ENHANZE-Lizenzverträge, ein bis zwei neue Hypercon-Partnerschaften sowie erste Machbarkeitsvereinbarungen für die Surf-Bio-Technologie angestrebt. Ziel ist es, die Royalty-Basis über die bestehenden Blockbuster hinaus zu verbreitern und die drei Plattformen als integriertes Angebot im Markt zu positionieren.
Bewertung mit Abschlag trotz hoher Dynamik
An der Börse wird Halozyme derzeit mit deutlichem Abschlag gegenüber dem Gesundheitssektor gehandelt. Auf Basis der Schätzungen für 2026 liegt das erwartete GAAP-Kurs-Gewinn-Verhältnis bei kaum über 10, das bereinigte bei nicht mal 10. Damit notiert die Aktie gut 50Prozent unter dem Median des Sektors, obwohl für 2026 ein nahezu hundertprozentiges Gewinnwachstum in Aussicht gestellt wird.
Auch das Verhältnis von Unternehmenswert zu EBITDA wirkt mit rund gut 9 überaus moderat und liegt unter vielen Vergleichswerten. Der Markt bewertet das Unternehmen damit eher wie einen reifen Biotech-Konzern als wie eine margenstarke Lizenzplattform in einer Phase beschleunigten Wachstums. Kennzahlen wie das PEG-Verhältnis, das sich in Richtung 0,3 bewegt, deuten auf eine wachstumsadjustierte Unterbewertung hin. Verzerrungen ergeben sich allerdings durch bilanzielle Effekte aus immateriellen Vermögenswerten sowie die Besonderheiten eines IP-getriebenen, kapitalarmen Geschäftsmodells.
Klar ist: Halozyme wandelt sich damit zunehmend von einem reinen Profiteur einzelner Erfolgsprodukte zu einem breit aufgestellten Plattformanbieter mit langfristig angelegtem, schutzrechtsbasiertem Erlösmodell. Sollte die operative Dynamik wie prognostiziert anhalten, dürfte sich auch die Bewertung der Aktie mittelfristig neu justieren.
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