Micron-Aktie nach +600%: Fliegt sie dieses Jahr weiter?

Keine Schwäche in Sicht

Die Aktie von Micron Technology hat in den vergangenen Monaten eine beeindruckende Kursrally hingelegt und damit hohe Erwartungen am Markt geschürt. Hinter dem Anstieg stehen vor allem strukturelle Engpässe im Speicherchipmarkt, die dem Unternehmen derzeit erhebliche Preissetzungsmacht verleihen.

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Anhaltende Kursdynamik durch Speicherknappheit

Der Technologiekonzern Micron profitiert vor allem von anhaltenden Lieferengpässe bei Speicherchips, die es dem Konzern ermöglichen, höhere Preise durchzusetzen.

Im Januar kündigte Micron den Bau eines rund 100 Milliarden US-Dollar schweren Produktionsstandorts im Bundesstaat New York an. Ziel ist es, künftig 40 Prozent der eigenen DRAM-Produktion in den USA zu fertigen. DRAM steht für 79 Prozent des Gesamtumsatzes. Zusätzlich wurde ein Investitionsprogramm in Höhe von 24 Milliarden US-Dollar zur Kapazitätserweiterung in Singapur vorgestellt. Diese Vorhaben nähren die Erwartung, dass Micron seine Produktionslücke rasch schließen und das Wachstum deutlich beschleunigen kann.

Für das Jahr 2026 wird von einer robusten Nachfrage im Bereich Künstliche Intelligenz ausgegangen. Diese Perspektive spiegelt sich bereits in der Bewertung wider. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der vergangenen zwölf Monate liegt bei 36, soll jedoch auf Basis der erwarteten Gewinne der kommenden zwölf Monate auf etwa 12 sinken.

Technologiekorrektur belastet Speicherwerte kaum

Während Teile des Technologiesektors zuletzt unter Druck gerieten, zeigen sich Speicher- und Halbleiterwerte widerstandsfähig. Der deutliche Rückgang des iShares Expanded Tech-Software Sector ETF verdeutlicht die Sorge, dass klassische Softwareanbieter durch KI-Lösungen verdrängt werden könnten.

Neue Modelle von Anthropic sowie OpenAI mit leistungsfähigen KI-Coding-Agenten haben diese Befürchtungen verstärkt und eine breitere Verkaufswelle im Softwaresegment ausgelöst. Hardwarehersteller profitieren hingegen von steigenden Anforderungen an Rechenleistung. Leistungsfähigere KI-Anwendungen benötigen schnellere und spezialisierte Chips – ein struktureller Rückenwind für Speicheranbieter wie Micron.

Marktanteile im Wettbewerb ausgebaut

Der globale Speichermarkt wird im Wesentlichen von drei Unternehmen dominiert: SK hynix, Samsung Electronics und Micron. Auch die Aktien der südkoreanischen Wettbewerber verzeichneten in den vergangenen Monaten deutliche Kursgewinne.

Nach aktuellen Marktdaten konnte Micron seinen Anteil am DRAM-Markt innerhalb von zwölf Monaten von 21 auf 26 Prozent steigern und nähert sich damit dem Branchenführer SK hynix an. Besonders dynamisch entwickelte sich der Markt für High Bandwidth Memory. Hier verdoppelte Micron seinen Marktanteil von 11 auf 22 Prozent binnen eines Jahres.

SK hynix beliefert unter anderem Nvidia mit HBM-Produkten für frühe Produktionsvolumina der Rubin-Generation. Doch auch Microns HBM4-Chips stoßen auf hohe Nachfrage. Gelingt es, die Produktion schneller hochzufahren, könnte das Unternehmen zusätzliche Aufträge gewinnen.

Margensprung dank außergewöhnlicher Preisdynamik

Die Preisentwicklung bei DRAM- und HBM-Produkten war zuletzt außergewöhnlich stark. Kurzfristig spricht vieles für weitere Margensteigerungen, solange die Angebotsknappheit anhält. Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026 hatte Micron eine Non-GAAP-Bruttomarge von 51,5 Prozent prognostiziert, tatsächlich wurden 58,8 Prozent erreicht. Für das zweite Quartal wird ein weiterer Anstieg auf rund 68 Prozent in Aussicht gestellt – ein mögliches Rekordniveau.

Auch auf Ergebnisebene zeigt sich eine massive Beschleunigung. Der Gewinn je Aktie im ersten Quartal übertraf die eigene Prognose um 27 Prozent. Nach drei Quartalen mit dreistelligen Wachstumsraten beschleunigte sich das Plus zuletzt auf 167 Prozent im Jahresvergleich. Für das zweite Quartal wird sogar ein Anstieg von nahezu 440 Prozent erwartet.

Diese Dynamik erklärt die steile Kursbewegung der vergangenen Monate. Allerdings basieren Prognosen und Markterwartungen auf Annahmen. Eine unerwartete Abschwächung der KI-Nachfrage oder externe Risiken wie regulatorische Eingriffe und makroökonomische Verwerfungen könnten das Bild rasch verändern.

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Niedriges Bewertungsniveau mit Signalwirkung

Seit September des vergangenen Jahres hat sich die Micron-Aktie nahezu verdreifacht. Im selben Zeitraum legten SK hynix und Samsung ebenfalls deutlich zu. Trotz dieser Rally ist das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis von Micron auf rund 12 gesunken und liegt damit sogar unter dem Niveau von vor zwei Monaten.

Diese Entwicklung signalisiert, dass der Markt das derzeitige Hochpreisumfeld im Speichermarkt vollständig eingepreist hat. Die Preise für DDR5-Speicher sind seit September 2025 um mehr als 400 Prozent gestiegen. Entscheidend ist nun, ob dieses Niveau gehalten werden kann. Sollten die Preise infolge nachlassender Nachfrage deutlich zurückgehen, müssten Gewinnerwartungen korrigiert werden. In einem solchen Szenario würde die aktuell günstig wirkende Bewertung schnell relativiert.

Risiken jenseits des Basisszenarios

Mit dem starken Kursanstieg wächst auch das Risiko asymmetrischer Entwicklungen. Ein sogenanntes Fat-Tail-Risiko beschreibt die Möglichkeit eines seltenen, aber gravierenden negativen Ereignisses. Sollte sich die außergewöhnliche Preisdynamik deutlich abschwächen, würden Wachstum und Margen voraussichtlich wieder ein normaleres Niveau erreichen.

Das gegenwärtige Bewertungsniveau von 12 auf Basis der erwarteten Gewinne deutet darauf hin, dass Investoren eine nachhaltige Ausweitung des Multiples skeptisch beurteilen. Die niedrige Bewertung könnte sich als trügerisch erweisen, falls sich das Gewinnmomentum normalisiert. In diesem Zusammenhang wäre weniger von einer strukturellen Schwäche des Geschäftsmodells zu sprechen, sondern von einer Rückkehr zu moderaterem Wachstum nach einer Phase außergewöhnlicher Dynamik.

Speicherboom trägt – vorerst

Der kräftige Kursanstieg seit Herbst ist maßgeblich auf die starke Preisentwicklung bei DRAM- und HBM-Produkten zurückzuführen. Der Markt geht davon aus, dass die Nachfrage nach KI-Anwendungen auch 2026 hoch bleibt. Innerhalb von sechs Monaten stiegen die DDR5-Preise um mehr als 400 Prozent, und die Konsensschätzungen unterstellen weiteres Aufwärtspotenzial.

Solange dieses Umfeld anhält, erscheint die Bewertung für das Geschäftsjahr 2026 moderat. Das zentrale Abwärtsrisiko bleibt jedoch eine unerwartete Abschwächung der KI-Nachfrage, die das derzeitige Hochpreisniveau unter Druck setzen würde. Aktuell wird dieses Szenario am Markt noch als gering wahrscheinlich eingestuft.

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ℹ️ Micron in Kürze

  • Micron Technology Inc. (WKN: 869020) mit Sitz in Boise im US-Bundesstaat Idaho ist ein weltweit führender Anbieter von Computerspeichern, die in einer Vielzahl von Anwendungen zum Einsatz kommen.
  • Hauptprodukte des Technologiekonzerns sind dynamische Random-access Memories (RAM), Flash-Speicher und USB-Flash-Laufwerke.
  • Das Unternehmen ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500 und an der Börse ca. 450 Milliarden US$ wert.
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