Strategy-Aktie: Alles auf Bitcoin!

Spiel mit dem Feuer?

Wenn wir auf Strategy schauen – viele kennen die Aktie immer noch unter dem alten Kürzel MicroStrategy oder schlicht als MSTR – dann sehen wir kein normales Softwarehaus mehr. Wir sehen ein Vehikel. Einen Hebel. Fast schon ein börsennotiertes Derivat auf Bitcoin. Und ja, wir meinen das genau so.

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Seit Jahren beobachten wir Unternehmen, die ihre Bilanz optimieren, Kapitalstrukturen glätten, Schulden staffeln. Hier passiert etwas anderes. Hier wird Kapital eingesammelt, um immer mehr Bitcoin pro Aktie zu akkumulieren. Das ist der Kern. Nicht Cloud, nicht Analytics. Bitcoin pro Share.

Und wir geben offen zu: Ein Teil von uns findet diese Radikalität faszinierend.

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Der Mechanismus – fast schon zu einfach gedacht

Das Prinzip klingt verblüffend schlicht. Preferred Shares mit rund 11,25 % Dividendenversprechen ausgeben. Kapital einsammeln. Bitcoin kaufen. Wenn Bitcoin langfristig stärker steigt als diese 11,25 %, entsteht ein Spread. Ein positiver.

22,8 % „Bitcoin Yield“ im letzten Geschäftsjahr – also mehr Bitcoin pro ausstehender Aktie trotz Verwässerung. Das ist keine kleine Zahl. Das ist aggressiv.

Aber wir müssen auch sagen: Das ist kein Naturgesetz. Es funktioniert nur, solange Bitcoin mitspielt. Und wir sind nicht bereit, so zu tun, als sei das garantiert.

Die Umstellung von klassischen Wandelanleihen hin zu ewigen Vorzugsaktien? Clever. Keine Fälligkeiten, kein Refinanzierungsdruck. Theoretisch zumindest. Praktisch bleibt die Dividende fällig. Monat für Monat.

Und diese 11,25 % sind kein symbolischer Satz. Das ist teures Kapital. Punkt.

Der stille Elefant im Raum: 76.000 Dollar

Was uns wirklich beschäftigt, ist der Durchschnittseinstandspreis von rund 76.000 Dollar pro Bitcoin.

Der Marktpreis liegt darunter. Deutlich darunter.

Das bedeutet: Milliarden an bilanziellen Verlusten. Q4 allein mit zweistelligen Milliardenbeträgen im Minus. Und weil Fair-Value-Bewertung angewendet wird, laufen diese Schwankungen gnadenlos durch die Gewinn- und Verlustrechnung. Keine Schonfrist. Keine Glättung.

Man kann argumentieren: „Nur Buchverluste.“ Mag sein.

Aber Kapitalmärkte reagieren auf Schlagzeilen. Auf negative EPS. Auf rote Zahlen in Milliardenhöhe. Institutionelle Investoren sind nicht immun gegen Psychologie. Und wir glauben nicht, dass große Adressen dauerhaft entspannt bleiben, wenn Quartal für Quartal Verluste in dieser Größenordnung gemeldet werden.

Vielleicht ist das die kontroverse These: Strategy ist weniger ein Unternehmen als eine Wette mit Fremdkapital auf die monetäre Zukunft von Bitcoin.

Und Wetten mit Fremdkapital enden selten langweilig.

Die 2,25 Milliarden Dollar Puffer – beruhigend? Vielleicht.

Das Cash-Polster deckt über zwei Jahre Dividenden und Zinszahlungen. Das klingt solide. Es ist auch nicht nichts.

Aber Bitcoin selbst erzeugt keinen Cashflow. Keine Dividende, keinen operativen Ertrag.

Das heißt: Die Bedienung der Kapitalstruktur kommt entweder aus dem Softwaregeschäft – das gemessen an der Bilanzgröße fast klein wirkt – oder aus weiterem Kapitalmarkt-Zugang.

Und hier wird es heikel. Fällt der Aktienkurs, wird neue Kapitalaufnahme teurer. Verwässernder. Der schöne „Bitcoin Yield“-Effekt kann dann kippen.

Man darf das nicht wegdiskutieren.

Das große Wenn

Wenn Bitcoin langfristig steigt, vielleicht sogar deutlich über 76.000 Dollar hinaus, dann wird das Modell plötzlich brillant aussehen. Dann wird man sagen: visionär, mutig, strategisch konsequent.

Dann ist MSTR ein Turbo auf Bitcoin. Mit Hebel.

Aber wenn nicht?

Dann steht eine Bilanz da, die für 54 Milliarden Dollar Bitcoin gekauft hat, deren Marktwert spürbar darunter liegt. Dann wirken 888 Millionen Dollar jährliche Zins- und Dividendenlast plötzlich schwer. Sehr schwer.

Wir haben in den letzten Jahrzehnten viele Moden gesehen. Internetblase. Rohstoffsuperzyklus. SPAC-Euphorie. Jede Phase hatte ihre „neuen“ Bewertungslogiken. Manche hielten. Manche implodierten.

Strategy bewegt sich gefährlich nah an dieser Grenze.

Unsere Haltung: Kaufen, mit Mut

Wir glauben: Das Modell ist intellektuell sauber konstruiert. Es ist kein Zufall, kein Chaos. Es ist strukturiert, durchgerechnet, aggressiv umgesetzt.

Aber es ist eben auch ein einseitiges Konstrukt.

Wer hier investiert, investiert nicht in ein diversifiziertes Softwareunternehmen. Sondern in eine hochkonzentrierte Bitcoin-Strategie mit Fremdkapital. Das ist nichts für halbherzige Anleger. Und ganz sicher nichts für Menschen, die Volatilität nur in der Theorie ertragen.

Vielleicht übertreiben wir. Vielleicht wird Strategy in zehn Jahren als genialer Kapitalstruktur-Meilenstein gelten.

Oder als Mahnmal dafür, dass Bilanzhebel keine Einbahnstraße sind.

Wir würden es so formulieren: Solange man zutiefst an einen langfristig steigenden Bitcoin glaubt, drängt sich ein Engagement bei MSTR gerade nach dem Kurssturz durchaus auf.

Ohne diesen Glauben? Ist es schlicht ein riskantes Spiel mit sehr großem Einsatz.

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ℹ️ Strategy in Kürze

  • Strategy (WKN: 722713) ist ein US-Unternehmen mit operativem Fokus auf den Vertrieb von KI-getriebener Analysesoftware.
  • Bekannt ist das Unternehmen aber vor allem als Bitcoin-Holding. Laut aktuellen Daten hält das Unternehmen etwa 714.000 BTC und damit rund 3,4% aller erzeugten Bitcoins.
  • Neben der Hauptbörse Nasdaq kann die Aktie auch über Tradegate gehandelt werden. Aktuell liegt der Marktwert bei rund 43 Milliarden US-Dollar.
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