Once Upon A Farm: Food-IPO an der NYSE

Moderate Bewertung

Die Aktie von Once Upon A Farm startete diese Woche in den US-Handel. Trotz erster Anzeichen einer Wachstumsverlangsamung ist Kurspotenzial vorhanden. Warum ist das Food-Unternehmen interessant?

onceuponafarmorganics.com

Börsengang mit prominenter Unterstützung

Als Public Benefit Corporation verfolgt Once Upon A Farm neben wirtschaftlichen Zielen auch gesellschaftliche Mehrwerte. Beim IPO wurden laut Marktangaben rund 199,7 Millionen US-Dollar eingesammelt, was einer Bewertung von etwa 724 Millionen US-Dollar entsprach.

Besondere Aufmerksamkeit erhält das Unternehmen durch prominente Unterstützung: Schauspielerin Jennifer Garner ist Mitgründerin und Markenbotschafterin. Vorstandschef John Foraker bringt ebenfalls Branchenerfahrung mit. Er leitete zuvor Annie's, das 2014 für 820 Millionen US-Dollar von General Mills übernommen wurde. Damit vereint Once Upon A Farm prominente Strahlkraft, operative Erfahrung und die Perspektive eines möglichen Übernahmeziels.

Obwohl einige Marktteilnehmer für 2026 mit nachlassendem Wachstum rechnen, erscheint die Bewertung selbst unter dieser Annahme nicht zwingend ambitioniert.

Kräftiges Umsatzwachstum bei negativer operativer Marge

Im Emissionsprospekt veröffentlichte das Unternehmen Zahlen für das dritte Quartal 2025. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 57,8 Prozent auf 66,0 Millionen US-Dollar. Der Bruttogewinn belief sich auf 27,8 Millionen US-Dollar, was einer Bruttomarge von 42,8 Prozent entspricht.

Demgegenüber standen jedoch Vertriebs- und Verwaltungskosten von 28,8 Millionen US-Dollar, sodass operativ weiterhin ein Verlust ausgewiesen wurde. Das Unternehmen befindet sich damit klar in einer Investitions- und Expansionsphase.

Premium-Strategie im Kühlregal

Das zentrale Verkaufsargument lautet Frische. Während klassische Babynahrungshersteller vor allem haltbare Produkte anbieten, positioniert sich Once Upon A Farm mit gekühlten Produkten in eigens platzierten Kühlregalen im Supermarkt. Die Marke besetzt damit eine Nische im Premiumsegment frischer Babynahrung.

Verbraucher dürften die gekühlte Präsentation als Qualitätsmerkmal wahrnehmen und entsprechend höhere Preise akzeptieren. Diese Preissetzungsmacht trägt maßgeblich zur überdurchschnittlichen Bruttomarge bei.

Laut Prospekt sind derzeit rund 3.200 Kühlgeräte im Einsatz. Angesichts von mehr als 45.000 Supermärkten in den USA ist der Markt noch lange nicht ausgeschöpft. Allein durch zusätzliche Installationen in weiteren Filialen könnte das Unternehmen mehrere Jahre stark wachsen, ohne zwingend neue Produkte einführen zu müssen.

Wettbewerbsvorteil mit potenziellen Schwächen

Die firmeneigenen Kühlgeräte wirken wie ein Burggraben. Sie sichern Sichtbarkeit im Markt und reduzieren die direkte Konkurrenz um Regalflächen. Wettbewerber müssten Einzelhändler erst überzeugen, zusätzliche Kühlflächen bereitzustellen – ein schwieriges Unterfangen angesichts begrenzter Verkaufsflächen.

Allerdings zeigt ein Blick in den Markt für frisches Tierfutter, wie schnell attraktive Segmente umkämpft werden können. Unternehmen wie Chewy und Freshpet konkurrieren dort intensiv, während auch General Mills mit der Marke Love Made Fresh in das Segment eingestiegen ist und eigene Kühlgeräte installiert. Sollte frische Babynahrung ähnlich dynamisch wachsen, könnten große Konsumgüterkonzerne mit erheblichen Ressourcen rasch nachziehen.

Schlanke Struktur als Margentreiber

Ein weiterer Faktor für die hohe Bruttomarge ist das Asset-light-Modell. Die Produktion erfolgt über rund 30 externe Fertigungsstätten. Dadurch entfallen hohe Investitionen in eigene Produktionsanlagen und entsprechende Fixkosten.

Gleichzeitig birgt dieses Modell Risiken, da Qualitätsstandards von Dritten eingehalten werden müssen. Das Unternehmen betont, detaillierte Vorgaben zu Zutaten und Produktionsprozessen zu machen und damit stärkere Kontrolle auszuüben als viele Wettbewerber. Niedrigere Produktionskosten bei gleichzeitigem Premiumanspruch stützen die Profitabilität.

Verhaltener Ausblick für 2026

Für das vierte Quartal 2025 stellte das Management einen Umsatz zwischen 62,0 und 64,1 Millionen US-Dollar in Aussicht. Im Vergleich zu 49,2 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal entspräche dies einem Wachstum von 26 bis gut 30 Prozent – deutlich weniger als zuvor.

Zugleich wird ein leichter Nettogewinn prognostiziert, nachdem im entsprechenden Vorjahreszeitraum noch ein Verlust verbucht wurde. Reduzierte Marketing- und Handelsausgaben dürften hierzu beitragen. Es entsteht der Eindruck, dass nach dem Börsengang verstärkt auf Profitabilität geachtet wird, selbst wenn das Umsatzwachstum dadurch moderater ausfällt.

Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte 2026 ein Umsatzwachstum von rund 25 Prozent bei positiven Ergebnissen realistisch erscheinen.

Bewertung im Branchenvergleich

Als Vergleichsmaßstab bieten sich wachstumsstarke Konsumgüterunternehmen wie Mama's Creations und The Vita Coco Company an, nicht jedoch etablierte Großkonzerne.

Auf Basis einer Marktkapitalisierung von rund 834 Millionen US-Dollar und einem Umsatz der vergangenen zwölf Monate von 225,8 Millionen US-Dollar ergibt sich ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa 3,69. Damit liegt Once Upon A Farm unter den Multiples von Vita Coco und Mama's Creations.

Auch margenstarke Getränkeunternehmen wie Monster Beverage oder Celsius Holdings werden am Markt mit erhöhten Umsatzmultiplikatoren gehandelt.

Unter der Annahme eines Umsatzanstiegs auf knapp 300 Millionen US-Dollar im Jahr 2026 und eines leicht sinkenden Kurs-Umsatz-Verhältnisses von 3,5 ergäbe sich rechnerisch eine Marktkapitalisierung von gut einer Milliarde US-Dollar. Daraus ließe sich ein Kursziel von rund 26 US-Dollar ableiten – ein Aufwärtspotenzial von gut 25 Prozent gegenüber dem zuletzt gehandelten Kurs von 20,73 US-Dollar.

Ein Wachstumswert mit kalkulierbarem Risiko

Das Geschäftsmodell mit externer Produktion, Premiumpositionierung und hoher Bruttomarge rechtfertigt eine ambitionierte Bewertung, selbst bei moderaterem Wachstum. Gleichzeitig bleibt das Risiko zunehmender Konkurrenz durch kapitalkräftige Branchenriesen bestehen.

Gelingt es jedoch, die Expansion der Kühlgeräte weiter voranzutreiben und gleichzeitig die Profitabilität zu steigern, könnte Once Upon A Farm seine Position im Markt für frische Babynahrung nachhaltig ausbauen. Unter Abwägung der Chancen und Risiken erscheint die Aktie auf dem aktuellen Niveau attraktiv bewertet.

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