Pfizer-Aktie zieht an: Kursgewinne mit Ansage

Übergang statt Niedergang

Wir verfolgen Pfizer seit Jahrzehnten. Vorstände kamen und gingen, Blockbuster auch. Was geblieben ist: diese merkwürdige Mischung aus Behäbigkeit und strategischer Brutalität, wenn es darauf ankommt. Und genau das sehen wir jetzt wieder.

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Quartal mit Beigeschmack – aber kein Drama

Die aktuellen Zahlen sind besser als erwartet. 0,66 Dollar Non-GAAP EPS. Neun Cent über Erwartung. 17,6 Milliarden Dollar Umsatz. Deutlicher Beat, obwohl das Jahr-zu-Jahr-Minus bei gut einem Prozent liegt.

Das ist kein Wachstumsrausch. Das ist kontrollierte Stabilisierung.

Im Gesamtjahr stehen 62,6 Milliarden Dollar Umsatz – zwei Prozent weniger als 2024. Klingt schwach. Ist es aber nur, wenn man nicht genauer hinschaut. Das Non-COVID-Geschäft wuchs operativ um sechs Prozent. Im vierten Quartal sogar um neun Prozent. Beschleunigung. Und Beschleunigung ist an der Börse selten Zufall.

Der Verlust, der keiner ist

1,65 Milliarden Dollar Nettoverlust im vierten Quartal. Das schreckt ab. Muss es auch.

Aber es sind Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte – vor allem aus der Seagen- und Metsera-Übernahme. Bewertungsanpassungen also, kein operativer Blutverlust.

Wir haben schon oft erlebt, wie der Markt auf solche Zahlen reflexhaft reagiert. Und ebenso oft erlebt, dass genau dort Fehlbewertungen entstehen. Wer nur auf den Nettoverlust schaut, verpasst die eigentliche Geschichte.

International fängt auf, was Washington belastet

In den USA drücken politische Eingriffe, neue Preisstrukturen, Unsicherheit rund um Medicare. Das ist real.

Aber international läuft es besser. Und das federt mehr ab, als viele wahrhaben wollen.

Überraschend robust war für uns auch CentreOne – 17 Prozent Wachstum, 1,34 Milliarden Dollar Umsatz. Kein Kernsegment, aber ein Signal: Pfizer nutzt seine Produktionsmacht, um Drittumsätze zu generieren. Das ist keine Notlösung. Das ist strategische Breite.

Respiratory: Kleine Zahlen, große Bedeutung

Abryvso wächst um 136 Prozent. 270 Millionen Dollar zusätzlicher Umsatz.

Klar, das ist im Konzernmaßstab überschaubar. Und ja, die Impfquoten bei älteren Menschen sind zuletzt gesunken. Das bleibt ein strukturelles Problem.

Aber wir sehen hier etwas anderes: Marktanteilsgewinne in den USA, internationale Expansion. Das ist kein Hype-Produkt. Es ist ein Baustein. Und Bausteine entscheiden über Franchise-Stabilität.

Eliquis läuft – aber die Uhr tickt

Eliquis wächst um acht Prozent im Gesamtjahr. Getrieben durch globale Nachfrage und Effekte aus der Medicare-Neustrukturierung.

Doch wir machen uns nichts vor: Die Patentklippe kommt. 2028 ist keine ferne Zukunft. Gleiches gilt für Vyndaqel.

Und hier wird es ernst. Zwischen 2026 und 2030 könnten bis zu 17 Milliarden Dollar Umsatz wegfallen. Das ist nicht kosmetisch. Das ist substanziell.

Wer dieses Risiko kleinredet, verkennt die Dimension. Wir tun das nicht.

Onkologie als Hoffnungsträger

Padcev, Herzstück der Seagen-Übernahme, wächst zweistellig. 15 Prozent. Management sieht das Potenzial von zehn Milliarden Dollar Umsatz aus vier zentralen Onkologie-Produkten bis 2030.

Das klingt ambitioniert. Vielleicht zu ambitioniert.

Wir haben in der Branche oft erlebt, dass Synergiefantasien schneller formuliert als realisiert werden. Trotzdem: Die strategische Logik hinter Seagen ist schlüssig. ADCs sind kein Nischenfeld mehr. Sie sind ein Wettbewerbsvorteil.

Produktivität statt Euphorie

7,2 Milliarden Dollar Kosteneinsparungen bisher. Weitere 5,7 Milliarden geplant. Die Cost-of-Sales-Quote sinkt deutlich.

Das ist harte, operative Arbeit. Keine Vision, keine PowerPoint. Sondern Restrukturierung.

Und ja, das braucht Pfizer. Denn 2026 wird ein Übergangsjahr. Vielleicht sogar ein Taljahr. COVID-Umsätze normalisieren sich bei rund fünf Milliarden Dollar. Keine Sonderkonjunktur mehr. Nur noch Baseline.

Kurs nur kurz unter Druck

Nach den Zahlen fiel die Aktie zunächst. Begründung: Die 2026er-Guidance wurde nur bestätigt, nicht erhöht.

Ganz ehrlich? Das wirkt auf uns konstruiert.

Wer mitten im Patentzyklus eine Anhebung erwartet, ignoriert Realität. Wir hielten die Reaktion für überzogen.

Auch die GLP-1-Daten zur monatlichen Adipositas-Injektion wurden kritisch gesehen – zehn bis 11,3 Prozent Gewichtsverlust placebo-adjustiert. Unter den Ergebnissen von Eli Lilly, ja.

Aber heißt das automatisch, dass Pfizer im Adipositasmarkt chancenlos ist? Wir glauben nicht an Monopole in diesem Segment. Nicht langfristig.

Realität nicht eingepreist

Ein Non-GAAP-KGV von 8,4. Free-Cashflow-Rendite über sieben Prozent. Dividendenrendite über sechs Prozent.

Das sind Bewertungsniveaus, die man sonst bei strukturell schrumpfenden Geschäftsmodellen sieht.

Und hier wird es vielleicht kontrovers: Wir glauben, dass der Markt Pfizer aktuell eher wie einen auslaufenden Pharmariesen bewertet – nicht wie einen Konzern im Umbau.

Ja, die Risiken sind real. Preisregulierung. Patentabläufe. Politische Eingriffe.

Aber das ist kein Unternehmen ohne Plan. 20 zulassungsrelevante Studien in 2026. Zehn zentrale Adipositas-Programme. Massive Pipeline-Investitionen.

Das ist Angriff, nicht Verteidigung.

Unser Fazit – gegen den Konsens

Wir haben die Pfizer-Aktie in den letzten Monaten immer wieder als Kauf gesehen – zurecht, wie sich zeigt.

Auch, nachdem die Aktie allein seit unseres letzten Updates vor zwei Wochen zweistellig zulegen konnte, bleibt der Titel für uns kaufenswert. Es ist ein Bewertungs-Kauf mit operativer Substanz.

2026 wird nicht glänzen. Vielleicht wird es nerven. Vielleicht wird der Markt noch einmal testen, wie viel Geduld Investoren wirklich haben.

Aber genau dort entstehen Chancen.

Und wer heute einsteigt, kassiert währenddessen mehr als sechs Prozent Dividende. In einer Branche, die Stabilität verkaufen will, ist das kein Nebensatz.

Nicht jeder wird zustimmen. Das müssen sie auch nicht. Rendite entsteht selten im Applaus.

Unser Biotech-Tipp 2026

Seit Jahren übertrumpfen unsere Aktien-Profis regelmäßig den Gesamtmarkt und sorgen für eine deutliche Überperformance in den Anlegerdepots. Das sollten auch Pfizer-Aktionäre wissen.

Ein für uns extrem attraktives Chance-Risiko-Profil liegt derzeit bei einer anderen Aktie als Pfizer, die am Markt bislang noch nicht im Rampenlicht steht. Das Biotech-Unternehmen könnte bald im Zuge einer lukrativen Übernahme vom Markt verschwinden.

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ℹ️ Pfizer in Kürze

  • Pfizer ist einer der weltweit größten Pharma- und Biotechnologiekonzerne. Das Unternehmen erforscht, entwickelt, produziert und vertreibt vor allem verschreibungspflichtige Arzneimittel. Kernbereiche der Tätigkeit sind Entzündungskrankheiten, Immunologie, Impfstoffe, Innere Medizin, Onkologie und seltene Krankheiten.
  • Neben dem Hauptsitz in New York City unterhält der Konzern weltweit Niederlassungen.
  • Pfizer ist Mitglied im US-Leitindex S&P 500 und gehört mit einem Börsenwert von rund 158 Milliarden US$ zu den größten Pharmakonzernen weltweit.
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