Gerresheimer-Aktie -32%: Am Tag des Blutbads investieren?
Es sah eigentlich ganz gut aus für die Gerresheimer-Aktie. Nach einem anderthalb Jahre andauernden massiven Kursrückgang konnte sich das Papier des Spezialverpackungsherstellers in den letzten Wochen bei knapp über 25 € stabilisieren. Doch am Mittwochmorgen bricht die Aktie erneut um über -30% ein. Was ist da bloß los und was sollten Anleger jetzt machen?
Bilanzierungsfehler und Abschlussverschiebung
Es ist das eingetreten, wovor sich die Börse am meisten fürchtet. Gerresheimer muss die Veröffentlichung des Jahresabschluss für 2025 auf unbestimmte Zeit verschieben. Ursprünglich war die Publikation für den 26. Februar geplant.
Grund für die Verschiebung sind Bilanzierungsfehler. Das Unternehmen hat inzwischen eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit der Überprüfung der Abschlüsse für die Jahre 2024 und 2025 beauftragt. Dabei wurden Verstöße gegen interne Bilanzierungsrichtlinien und IFRS-Regeln festgestellt.
Die Folge: Es gibt Korrekturbedarf, sowohl bei den Umsatzerlösen, als auch bei den Vorräten. Das Schlimme an der Sache ist, dass sich diese Korrekturen nicht nur auf das Jahr 2024 beziehen, sondern auch auf das vergangene Jahr.
Für 2024 rechnet Gerresheimer mit einer Korrektur der Umsatzerlöse um rund -35 Millionen €. Diese wird sich mit -24 Millionen € auch negativ auf den bereinigten EBITDA auswirken.
Für 2025 dürften die Umsatzkorrekturen am oberen Ende der Spanne von -4 bis -2% liegen. Auch hier ist das Ergebnis betroffen. Die bereinigte EBITDA-Marge wird im vergangenen Jahr voraussichtlich zwischen 16,5 und 17,5% betragen und nicht wie bisher prognostiziert 18,5 bis 19,0%.
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Die Prognose ist nicht betroffen
Für das laufende Jahr stellt Gerresheimer ein Umsatzwachstum auf 2,3 bis 2,4 Milliarden € in Aussicht. Auch die bereinigte EBITDA-Marge soll sich etwas auf 18,0 bis 19,0% erhöhen.
Um diese Ziele zu erreichen, hat der Spezialverpackungshersteller ein Transformationsprogramm zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung aufgelegt. Ein Standort in den USA soll geschlossen werden.
Zudem plant Gerresheimer, sich von seiner amerikanischen Tochtergesellschaft Centor zu trennen. Sie ist auf Verpackungen für verschreibungspflichtige Medikamente spezialisiert.
Sturz auf das Allzeittief?
Das Chartbild der Gerresheimer-Aktie muss ich nicht mehr groß kommentieren. Es ist der blanke Horror.
Seit Juni 2024 befindet sich der SDAX-Titel in einem gewaltigen Abwärtskanal. Der Boden bei 25 € hat nicht gehalten. Es steht nun sogar zu befürchten, dass die Gerresheimer-Aktie auf ihr Allzeittief bei 14 € fällt.
Hat die Börse noch alle Tassen im Schrank?
Die Gerresheimer-Aktie notiert inzwischen auf dem niedrigsten Stand seit 2009. Seit ihrem Allzeithoch im September 2023 hat sie sage und schreibe -85% ihres Wertes verloren. Ich glaube, dass die Börse nicht mehr alle Tassen im Schrank hat.
Ja, Bilanzierungsfehler und Abschlussverschiebungen sind der Worst Case für jedes Unternehmen. Aber wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen. Wir reden hier eigentlich über Peanuts-Beträge.
Gerresheimer muss seinen Umsatz und seinen Gewinn im zweistelligen Millionenbereich nach unten korrigieren. Das ist bitter, aber für einen Milliardenkonzern verkraftbar.
Zudem reden wir hier über die Vergangenheit. Die Prognose für 2026 ist davon nicht betroffen.
Gerresheimer ist nach wie vor ein dynamisch wachsendes und gut profitables Unternehmen mit einer starken Marktposition. Ein Forward-KGV von ca. 11 halte ich vor diesem Hintergrund für ziemlich niedrig.
Anleger mit Nerven aus Stahl können meiner Meinung nach an diesem Horrortag in die Gerresheimer-Aktie investieren. Ich gehe davon aus, dass das Unternehmen das Maximum an Korrekturen bereits kommuniziert hat. Viel Schlimmer dürfte es meiner Einschätzung nach nicht mehr kommen.
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ℹ️ Gerresheimer in Kürze
- Die Gerresheimer AG (WKN: A0LD6E) stellt Spezialprodukte in den Bereichen Glas und Kunststoff insbesondere für die Pharma- sowie Healthcare-Industrie her und gilt als weltweit führender Schlüssellieferant für diese Branchen. Die Produkte reichen vom Insulin-Pen bis zu Ampullen, aber auch schnöde Parfümflakons gehören zum Portfolio.
- Der Hauptsitz ist in Düsseldorf, daneben ist der Konzern weltweit mit Standorten in Europa, Asien und Amerika vertreten.
- Die Aktie ist im SDAX gelistet, die Marktkapitalisierung beträgt aktuell 630 Millionen €.