Pfizer-Aktie: Langsam, aber stetig!
Die Pfizer-Aktie hat sich seit dem Spätherbst spürbar erholt und sendet neue technische wie fundamentale Signale an den Markt. Vor dem Hintergrund wichtiger Studiendaten, regulatorischer Entscheidungen und strategischer Weichenstellungen rückt der Pharmakonzern wieder stärker in den Blick langfristig orientierter Anleger.
Aktie gewinnt wieder an Momentum
Seit Ende November ist die Pfizer-Aktie um fast 6 Prozent gestiegen und hat damit sowohl den iShares Biotechnology ETF als auch den S&P 500 leicht übertroffen. Technisch bemerkenswert ist die Rückkehr des Kurses über das obere Standardabweichungsband des volumengewichteten Durchschnittspreises bei 25,56 US-Dollar, was als erstes klares Zeichen einer wieder zunehmenden positiven Marktstimmung gewertet werden kann. Während institutionelle Investoren offenbar wieder Vertrauen fassen, zeigt sich ein Teil der Privatanleger trotz operativer Fortschritte weiterhin zurückhaltend.
Zwei Krebsmedikamente als zentrale Wachstumstreiber
Innerhalb des Onkologie-Portfolios stechen insbesondere Braftovi und Padcev hervor. Braftovi mit dem Wirkstoff Encorafenib ist ein Kinasehemmer, der sowohl in den USA als auch in Europa für mehrere Krebsindikationen zugelassen ist, darunter metastasierter nicht-kleinzelliger Lungenkrebs, nicht resezierbares oder metastasiertes Melanom sowie metastasierter Darmkrebs mit BRAF-Mutationen.
Entscheidend für das wirtschaftliche Potenzial ist weniger die formale Zulassung als vielmehr die Häufigkeit der relevanten BRAF-Mutationen. Beim metastasierten Darmkrebs tritt die BRAF-V600E-Mutation bei rund acht bis zwölf Prozent der Patienten auf. Gleichzeitig prognostiziert die Weltgesundheitsorganisation bis 2050 einen Anstieg der weltweiten Darmkrebsfälle um rund 90 Prozent. Daraus ergibt sich ein adressierbarer Markt, der nicht nur groß, sondern auch strukturell wachsend ist.
Im dritten Quartal erreichten die Umsätze von Braftovi in Kombination mit Mektovi 202 Millionen US-Dollar und lagen damit deutlich über den Erwartungen. Auch Padcev entwickelte sich dynamisch und erzielte im gleichen Zeitraum einen Umsatz von 464 Millionen US-Dollar, was einem zweistelligen Wachstum gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Weiterer Rückenwind durch neue Zulassungen und Studiendaten
Nach dem Ende des dritten Quartals wurden mehrere regulatorische und klinische Meilensteine erreicht, die das kurzfristige Wachstum weiter beschleunigen könnten. So erteilte die US-Arzneimittelbehörde im November die Zulassung für Padcev in Kombination mit Pembrolizumab als perioperative Therapie für bestimmte Blasenkrebspatienten. Grundlage war eine Phase-III-Studie, in der das Kombinationsregime das Risiko für krankheitsfreie Überlebensereignisse deutlich senkte und zugleich außergewöhnlich hohe Raten vollständiger pathologischer Remissionen zeigte.
Auch Braftovi lieferte Anfang Januar überzeugende Daten aus der zulassungsrelevanten BREAKWATER-Studie. Bei zuvor unbehandelten Patienten mit BRAF-V600E-mutiertem metastasiertem Darmkrebs erzielte die Kombinationstherapie eine objektive Ansprechrate von über 64 Prozent und lag damit signifikant über der bisherigen Standardtherapie. Diese Ergebnisse unterstreichen das Potenzial, sich in dieser aggressiven Krebsform als neuer Therapiestandard zu etablieren.
Lange Patentlaufzeiten sichern die Erlöse ab
Ein weiterer stabilisierender Faktor ist der Patentschutz. Für Braftovi läuft das US-Patent unter Berücksichtigung von Laufzeitverlängerungen erst 2031 aus. Biosimilars für Padcev werden frühestens ab 2033 erwartet. Damit bestehen auf absehbare Zeit keine strukturellen Risiken für einen abrupten Umsatzrückgang bei beiden Präparaten.
Ambitionierte Umsatzperspektiven bis zum Ende des Jahrzehnts
Für Padcev wird bis 2030 ein Jahresumsatz von rund 5,25 Milliarden US-Dollar erwartet. Diese Einschätzung berücksichtigt unter anderem eine mögliche Indikationserweiterung nach Abschluss einer weiteren Phase-III-Studie sowie Wettbewerbsvorteile gegenüber bestehenden Immuntherapien. Zusätzlich fließt der erwartete Anstieg der Blasenkrebsfälle in den USA in die Prognose ein.
Neue Hoffnungsträger im Bereich Stoffwechselerkrankungen
Neben der Onkologie setzt Pfizer verstärkt auf GLP-1- und Amylin-basierte Wirkstoffe aus der übernommenen Metsera-Pipeline, um die Phase größerer Patentabläufe abzufedern. Konzernchef Albert Bourla zeigte sich zuletzt äußerst zuversichtlich und kündigte den Start von zehn Phase-III-Studien innerhalb eines Jahres an. Besonders weit fortgeschritten ist ein ultralang wirksamer GLP-1-Rezeptoragonist, dessen klinische Entwicklung schneller voranschreitet als ursprünglich geplant.
Zusätzlich sorgte ein Amylin-Analogon mit starken frühen Wirksamkeitsdaten für Aufmerksamkeit. Bereits nach kurzer Behandlungsdauer wurde eine signifikante Gewichtsreduktion bei guter Verträglichkeit erreicht. In der Gesamtschau erscheinen diese Kandidaten wettbewerbsfähig gegenüber etablierten und sich in Entwicklung befindlichen Präparaten anderer Pharmakonzerne.
Gedämpfte Ergebnisentwicklung bleibt ein Risikofaktor
Trotz der strategischen Fortschritte bleibt die Ergebnisentwicklung kurzfristig unter Druck. Für 2026 stellt das Management einen leichten Rückgang des bereinigten Gewinns je Aktie in Aussicht. Diese Phase spiegelt den laufenden Umbau des Portfolios wider und wird von Kostensenkungen flankiert, mit denen operative Aufwendungen und Forschungsbudgets bereits deutlich reduziert wurden.
Ausblick vor den Quartalszahlen
Am 3. Februar legt Pfizer die Zahlen für das vierte Quartal vor. Der Markt rechnet mit leicht steigenden Umsätzen, während der Gewinn je Aktie unter dem Vorjahresniveau liegen dürfte. Optimismus speist sich vor allem aus der starken Position bei Therapien gegen Amyloidose sowie aus dem Wirkstoff Cibinqo im Bereich der atopischen Dermatitis. Zusammen mit konsequenten Effizienzmaßnahmen stützt dies die Einschätzung, dass der Konzern strategisch gut positioniert ist und die dividendenstarke Aktie auf unserer Kaufliste bleibt.
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ℹ️ Pfizer in Kürze
- Pfizer ist einer der weltweit größten Pharma- und Biotechnologiekonzerne. Das Unternehmen erforscht, entwickelt, produziert und vertreibt vor allem verschreibungspflichtige Arzneimittel. Kernbereiche der Tätigkeit sind Entzündungskrankheiten, Immunologie, Impfstoffe, Innere Medizin, Onkologie und seltene Krankheiten.
- Neben dem Hauptsitz in New York City unterhält der Konzern weltweit Niederlassungen.
- Pfizer ist Mitglied im US-Leitindex S&P 500 und gehört mit einem Börsenwert von rund 148 Milliarden US$ zu den größten Pharmakonzernen weltweit.