TKMS-Aktie: Hat sie noch mehr Fantasie?
Seit Tagen schnuppert die TKMS-Aktie an der magischen Kursmarke von 100 €. Könnten diese Nachrichten den Kriegsschiff- und U-Bootbauer auf dreistellige Kurse katapultieren und ist die TKMS-Aktie auf diesem Niveau überhaupt noch einen Kauf wert?
Großaufträge aus Indien und Kanada
Bei TKMS geht es derzeit Schlag auf Schlag. Nachdem die Werftentochter des Thyssenkrupp-Konzerns vor wenigen Tagen eine Absichtserklärung mit Indien unterzeichnete, bei der es um den Bau von sechs U-Booten für die indische Marine im Gegenwert von rund 8 Milliarden € geht, winken nun bereits die nächsten Milliardenaufträge.
Auch Kanada will seine Marine auf den neuesten Stand bringen und zwölf neue U-Boote beschaffen. Laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hätte dieser Auftrag ein Volumen von über 10 Milliarden €.
Für TKMS wäre das einer der größten Einzelaufträge der Unternehmensgeschichte, aber noch ist der Deal nicht in trockenen Tüchern. Der deutsche U-Boot-Hersteller konkurriert mit dem südkoreanischen Konzern Hanwha Ocean.
Wie immer bei solchen Großbestellungen von Waffensystemen ist die politische Dimension groß. Kanada will möglichst große wirtschaftliche Effekte im eigenen Land bewirken. Laut TKMS-Chef Burkhard will der Konzern deshalb ein umfassendes Wirtschafts- und Technologiepaket liefern. Auch eine lokale Produktion in Kanada komme infrage, so TKMS.
Alternative für die deutsche Marine
Gleichzeitig winkt TKMS auch ein Milliardenauftrag der deutschen Marine. Sie plant Medienberichten zufolge den Kauf mehrerer Fregatten des Typs Meko A-200. Eine Ankündigung für den Abschluss eines Vorvertrags des Verteidigungsministeriums soll inzwischen den Bundestag erreicht haben.
Die TKMS-Fregatten werden als Alternative zu den eigentlich geplanten Schiffen der Klasse F126 in Betracht gezogen, deren Bau sich seit Jahren verzögert. Offenbar dauert das Projekt dem Verteidigungsministerium inzwischen zu lange, weshalb nun TKMS als schnellerer Produzent ins Rennen gehen soll.
Insider-Berichten zufolge könnte TKMS mit dem Bau von mindestens drei Schiffen beauftragt werden, die rund 1 Milliarde € pro Stück kosten. Der Rüstungskonzern kann angabegemäß das erste Schiff, wie von der Marine gefordert, im Jahr 2029 ausliefern.
Noch halten die 100 €
Die TKMS-Aktie befindet sich seit Jahresbeginn in einem steilen Aufwärtstrend. Doch bislang erwies sich die 100 €-Marke als nicht überwindbares Hindernis. Sollte die psychologisch so wichtige Marke auch in den kommenden Tagen Bestand haben, dürfte der MDAX-Titel mit einer leichten Gegenbewegung reagieren.
Große Fantasie, aber hohe Bewertung
Die Fantasie rund um Rüstungsaktien ist angesichts der enorm unsicheren geopolitischen Weltlage zuletzt wieder massiv gestiegen. Davon profitiert selbstverständlich auch die TKMS-Aktie.
A propos Weltlage: Nach der US-Intervention in Venezuela findet ihr in unserem Venezuela-Investment-Atlas 2026 die großen Profiteure dieser Entwicklung.
Als Hersteller von U-Booten und Kriegsschiffen kommt der deutschen Werft vor allem die Grönland-Krise zugute. US-Präsident Trump verlangt seit Monaten, dass die Arktisinsel besser gegen China und Russland geschützt wird. Ein derartiger Schutz ist aufgrund der Lage, der Größe und der Witterungsbedingungen im Wesentlichen nur zur See mit Kriegsschiffen und U-Booten möglich. Wasser auf die Mühlen von TKMS.
Fundamental und charttechnisch spricht meiner Meinung nach viel für dreistellige Kurse der TKMS-Aktie. Bauchschmerzen bereitet mir allerdings inzwischen die Bewertung der Aktie. Mit einem Forward-KGV von 52 (auf Basis des prognostizierten Gewinns für 2026) ist sie für einen nur mäßig profitablen Rüstungskonzern sehr ambitioniert bewertet.
Kurzfristig traue ich der TKMS-Aktie noch ein Upside zu. Mittel- bis langfristig sehe ich angesichts der hohen Bewertung allerdings kein großes Kurspotenzial mehr.
Zum Schluss ein Blick über den Tellerrand: Geopolitische Spannungen befeuern die Nachfrage nach gewissen Rohstoffen – unser exklusiver Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ nennt zwei Schlüsselplayer, die nun ein enormes Kuspotenzial aufweisen.
ℹ️ TKMS in Kürze
- TKMS (WKN: TKMS00) ist aus der Abspaltung aus dem ThyssenKrupp-Konzern entstanden. Das Unternehmen zählt zu den führenden europäischen Anbietern im militärischen Marinebereich.
- Der Hauptsitz befindet sich in Kiel, daneben unterhält der Konzern nationale Standorte in Wismar, Bremen, Hamburg und Emden. Daneben bestehen weitere internationale Standorte.
- Die TKMS-Aktie ist Mitglied im Nebenwerteindex MDAX und an der Börse aktuell mit 6,3 Milliarden € bewertet.