Novo Nordisk-Aktie: Kaufchance vor dem Befreiungsschlag?

Schwacher Wochenstart

Die Novo Nordisk-Aktie befindet sich seit Ende November in einer kräftigen Erholungsbewegung. Zum Start in die neue Woche geben die Kurse aber wieder spürbar nach. An der Heimatbörse in Dänemark verliert das Papier aktuell -3,4% und steht bei 375,40 DKK. Was steckt hinter dem Abverkauf und wie sollten sich Anleger nun verhalten?

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US-Zollandrohungen drücken auf die Stimmung

Zu Wochenbeginn geraten Aktien auf breiter Front unter Abgabedruck. Grund sind die jüngsten Zollandrohungen von US-Präsident Trump im Streit um Grönland. Am Wochenende kündigte der Mann im Weißen Haus Zölle gegen acht europäische Nato-Partner an, darunter auch Dänemark, die am 01. Februar in Kraft treten sollen.

Doch bezweifle ich, dass die neuen Zölle, sofern sie überhaupt umgesetzt werden, den Kursverlauf von Novo nachhaltig beeinflussen. Denn das Makroumfeld hat sich bei der Aktie zuletzt deutlich aufgehellt. Aktuell profitiert der dänische Pharmariese vor allem von der Markteinführung der neuen Wegovy-Pille – dem ersten oral einzunehmenden „Fett-Weg“-Präparat.

Starker Marktstart der Wegovy-Pille

Nach aktuellen Daten von IQVIA gab es in den ersten vier Tagen nach der Einführung am 05. Januar über 3.000 Verschreibungen, was auf einen sehr ermutigenden Start in den USA hindeutet. Die Analysten sind der Meinung, dass das Produkt von den Kunden gut aufgenommen wird, allerdings seien weitere Daten nötig, um zu beurteilen, wie gut Novo seinen First-Mover-Vorteil gegenüber Eli Lilly ausnutzen kann.

Das Konkurrenzprodukt des US-Unternehmens mit dem Namen Orfoglipron kommt frühestens im zweiten Quartal auf den Markt. Eine entsprechende Zulassungsentscheidung durch die FDA soll am 10. April erfolgen.

Unterdessen hat die britische Arzneimittelbehörde eine höhere Dosis von bis zu 7,2 Milligramm pro Woche des Blockbuster-Abnehm-Medikaments aus dem Hause Novo genehmigt. Die Zulassung der leichter einzunehmenden Wegovy-Pille steht für den britischen Markt aber weiterhin aus. Und auch für den europäischen Markt bemüht sich Novo um eine Zulassung.

Analysten heben den Daumen

Die Analysten der Privatbank Berenberg gehen davon aus, dass die Tablette dem Unternehmen in diesem Jahr bereits 1 Milliarde US$ einbringen wird. Die höheren Umsätze könnten Hemmnisse wie auslaufende Patente und Preissenkungen ausgleichen, so die Analysten. Sie stufen die Aktie mit Kaufen ein und sehen den fairen Wert bei 415 DKK.

Noch zuversichtlicher ist das US-Analysehaus Bernstein Research, das einen Kurs von 540 DKK als Ziel ausgegeben hat.

Chartbild aufgehellt, aber...

Die Aktie befindet sich charttechnisch an einem kritischen Punkt. Die jüngste Erholung hat den Kurs wieder zurück zur 200-Tage-Linie (SMA200) geführt. Dort befindet sich auch die Abwärtstrendlinie seit dem Hoch von 2024, was zu einem doppelten Widerstand führt. Ein erfolgreicher Ausbruch käme einem charttechnischen Befreiungsschlag gleich, der den Kurs noch viel weiter nach oben treiben könnte. Kommt es dagegen zu einem bärischen Abpraller, könnte der Abwärtstrend auch weitergehen.

Jetzt bei Novo einsteigen?

Der aktuelle Kursrückgang bei Novo Nordisk ist vor allem politisch motiviert und spiegelt weniger die operative Realität des Unternehmens wider. Die starken Frühindikatoren zur Wegovy-Pille, der First-Mover-Vorteil im Milliardenmarkt der oralen Abnehmpräparate sowie die positiven Analystenstimmen sprechen klar für eine nachhaltige Verbesserung der Fundamentaldaten.

Dazu ist die Aktie im Vergleich zu Eli Lilly wesentlich günstiger bewertet – mit einem Forward-KGV von 12,5 gegenüber 32 beim US-Konzern.

Vor diesem Hintergrund erscheint der jüngste Rücksetzer eher als gesunde Konsolidierung denn als Warnsignal. Wer an das strukturelle Wachstum im Adipositas-Markt glaubt, dürfte Novo Nordisk auf dem aktuellen Niveau als attraktiv positioniert ansehen. Die starke Story bleibt intakt.

Hier sei erwähnt: Wer grundsätzliches Interesse am Sektor hat, könnte sich auch registrieren für den kostenlosen Newsletter von Biotech-Profi Maximilian Ruth.

ℹ️ Novo Nordisk in Kürze

  • Novo Nordisk mit Sitz in Bagsværd bei Kopenhagen produziert und vermarktet pharmazeutische Produkte und Dienstleistungen.
  • Der Konzern ist der weltweit führende Hersteller von Insulin. Fast jedes dritte Diabetes-Präparat weltweit stammt vom dänischen Pharmakonzern. Außerdem ist Novo Nordisk in den Bereichen Blutgerinnungsmedikamente und Hormonersatztherapien aktiv.
  • Darüber hinaus ist Novo Nordisk eines der weltweit führenden Unternehmen in der Herstellung von Adipositas-Medikamenten (Mittel zur Gewichtsabnahme).
  • Das Unternehmen wird aktuell mit 181 Milliarden € bewertet.
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