Bayer haussiert, SAP unter Druck: DAX-Ausblick

Dynamik lässt nach

Der DAX hat zwar etwas an Schwung verloren, die vergangene Woche aber dennoch leicht im Plus beendet. Unter dem Strich legte das größte deutsche Börsenbarometer 35 Punkte zu und schloss +0,14% höher mit 25.297 Punkten. Bayer und Siemens Energy waren die Top-Performer, SAP der schwächste Wert im DAX. Wie sind die weiteren Aussichten?

stock.adobe.com/Jearu

Eine durchwachsene Woche

Am Montag zogen die Kurse weiter an und auch der Dienstag bescherte dem DAX einen weiteren Rekordstand. Doch im Tagesverlauf zeigten sich bereits kleinere Ermüdungserscheinungen. Der Mittwoch brachte etwas größere Abgaben mit sich. Nach einer leichten Erholung am Donnerstag gaben die Kurse am Freitag wieder nach.

Gewinnserie endet

Nach der jüngsten Rekordjagd haben sich die Käufer in der vergangenen Woche wieder etwas zurückgezogen. So endete für den DAX eine elftägige Gewinnserie mit sieben Kursrekorden am Stück. Dass Anleger nach einer derart langen Rallye erst einmal durchschnaufen, sollte nicht überraschen und ist auch kein Grund sich Sorgen zu machen.

Für Verunsicherung sorgt weiterhin die angespannte geopolitische Lage. Nach den blutig niedergeschlagenen Protesten im Iran wurde damit gerechnet, dass die USA einen Militärschlag verüben, doch dieser könnte in letzter Sekunde abgeblasen worden sein. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge weiterentwickeln.

Auch mit Blick auf die Besitzansprüche von US-Präsident Trump bezüglich Grönland und der Drohungen in Richtung Kuba bietet die geopolitische Lage weiterhin viel Explosionsgefahr.

Trump kündigt wegen Grönland neue Zölle an

In der Grönland-Frage hat Trump die Situation am Wochenende weiter eskaliert und neue Zölle gegen Dänemark und weitere europäische Staaten (darunter auch Deutschland) angekündigt, die am 01. Februar in Kraft treten sollen. Die Rede ist von zusätzlichen Zöllen in Höhe von 10% auf sämtliche Waren, die am 01. Juni auf 25% erhöht werden sollen, sofern bis dahin immer noch kein Deal zustande gekommen ist.

Fraglich ist, mit welcher Rechtsgrundlage Trump die neuen Zölle begründen will, zumal der Oberste Gerichtshof in Kürze schon die bisherigen Handelszölle für ungültig erklären könnte. Die Entscheidung des Supreme Court steht weiterhin aus, dürfte aber in den nächsten Woche fallen, möglicherweise schon an diesem Mittwoch.

Dazu steht weiter die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed zur Debatte, nachdem in der letzten Woche Ermittlungen gegen Noch-Chef Jerome Powell bekannt wurden.

Aussicht auf weitere Zinssenkungen

Derweil haben sich die US-Verbraucherpreise im Dezember etwas besser entwickelt als erwartet. Während  die Gesamtinflation wie prognostiziert auf dem November-Niveau von 2,7% verharrte, fiel die Kernrate der Inflation mit 2,6% etwas geringer aus als erwartet (2,7%). Auch sie blieb auf dem Niveau des Vormonats.

Da gleichzeitig der Arbeitsmarkt abkühlt, hätte die Fed eigentlich die Möglichkeit die Zinsen weiter zurückzudrehen. Dennoch rechnet laut dem Fed Watch Tool der CME Group eine Mehrheit erst im Juni mit weiteren Lockerungen.

Doch bis dahin kann viel passieren, schließlich übernimmt im Mai ein neuer Vorsitzender das Board. Die Ernennung durch US-Präsident Trump wird noch im Januar erwartet, als Favorit gilt nun der ehemalige Fed-Gouverneur und Banker Kevin Warsh, nachdem Trump erklärt hat, dass er seinen Nationalen Wirtschaftsberater Kevin Hassett ungern verlieren würde.

Blick auf die neue Woche

In der neuen Woche geht die Berichtssaison weiter, mit Zahlen des Streaming-Giganten Netflix, des Mischkonzerns 3M und der Fluggesellschaft United Airlines. Eröffnet wurden die Quartalsbilanzen traditionell mit den Zahlen der großen US-Banken, die gemischt ausgefallen sind.

Starke Zahlen und einen hervorragenden Ausblick lieferte dagegen der weltgrößte Chip-Auftragsfertiger TSMC. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass der KI-Boom ungebrochen ist und der zuletzt etwas schwächelnde KI-Trade damit weiterhin seine Berechtigung hat.

Auch konjunkturseitig hat die neue Woche einiges zu bieten. Am Dienstag erscheinen die aktuellen Erzeugerpreise aus Deutschland und mit den ZEW-Konjunkturerwartungen ein wichtiger Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft. Zum Ende der Woche dürften vor allem die Einkaufsmanagerindizes aus Europa und Deutschland Beachtung finden.

Der Montag dürfte derweil etwas ruhiger verlaufen, da Impulse von der Wall Street fehlen. Die US-Börse bleibt aufgrund des Feiertages zu Ehren von Martin Luther King geschlossen.

Bayer und Siemens Energy haussieren, SAP unter Druck

In der vergangenen Woche waren die Aktien von Bayer und Siemens Energy die Top-Performer im DAX mit Kurszuwächsen von +13,34% bzw. +7,31%. Bayer-Papiere setzen ihre Erholung fort und profitieren von neuen Zielen in der Pharma-Sparte und der Aussicht auf eine Grundsatzentscheidung durch den US-Supreme Court im Zusammenhang mit Roundup/Glyphosat-Klagen.

Bei Siemens Energy geht die Rekordjagd weiter, dank positiver Analystenkommentare, KI-Wachstumsfantasien und der neuen Kraftwerksstrategie der Bundesregierung.

Weniger gut lief es für die SAP-Aktie, die mit Abschlägen von knapp -5% ans DAX-Ende rutschte. Belastet wird der Kurs durch den Verkaufsdruck bei US-Softwareaktien aufgrund von KI-Bedenken.

DAX gibt etwas nach

Der DAX hat nach der jüngsten Rekordjagd etwas an Schwung verloren, ohne dabei größere Rücksetzer hinnehmen zu müssen. Hohe RSI-Werte signalisierten zuvor einen überkauften Zustand, der nun erstmal bereinigt wurde.

Auf Höhe der 10-Tage-Linie (SMA10) bietet sich dem Index nun ein erster potenzieller Support, um eine neue Aufwärtsbewegung zu starten. Gehen die Korrekturen weiter, könnte es allerdings auch zu einem Test der 25.000-Punkte-Marke und einem Pullback zu den alten Tops aus dem Oktober bei 24.771 Punkten kommen.

Aus charttechnischer Sicht stehen die Chancen für eine weitere Aufwärtsbewegung aber guz. Oberhalb der aktuellen Hochs liegen die nächsten Kursziele bei 25.900/26.000 Punkten.

Starke Dividenden-Aktien für Dein Depot 2026

Apropos: Einige Dividenden-Titel bieten aktuell ein besonders attraktives Chance-Risiko-Verhältnis. Diese zehn Aktien kombinieren regelmäßige Ausschüttungen mit möglichen Kurssteigerungen – eine Kombination, die Beachtung verdient.

Zugehörige Kategorien: Markt-Analysen