ThyssenKrupp-Aktie: Verlangt Jindal mehr?
Die ThyssenKrupp-Aktie bewegt sich momentan in einer kritischen Phase. Am Freitag verbessert sie sich aktuell um +1,6% und steht bei 10,50 €. In dem Kurs sind bereits positive Aspekte der möglichen Stahlübernahme eingepreist. Was ist hier zu erwarten?
Weitere Kostensenkungen möglich
Das Interesse des indischen Stahlherstellers Jindal an einer Übernahme der Stahlsparte von ThyssenKrupp sorgte im vergangenen Jahr für viel Euphorie. Thyssenkrupp Steel ist die größte Baustelle im Konzern und ist der eigentliche Bremsklotz für die Aktie.
Die Due-Diligence-Prüfung dauert noch an; beide Unternehmen halten sich mit Stellungsnahmen zum Stand der Dinge zurück. Laut Mediengerüchten könnte Jindal jedoch auf weitere Kostenzugeständnisse pochen. Letztendlich könnte das zu einem weiteren Stellenabbau oder Standortschließungen hinauslaufen.
ThyssenKrupp und die IG Metall einigten sich bereits auf einen sozialverträglichen Abbau von 11000 Stellen. Die IG Metall befürchtet, dass es zu einem weiteren Abbau von 2000 bis 3000 Stellen kommen kann. Das wolle sie nicht hinnehmen.
NRW-Bezirksleiter der IG Metall Knut Giesler äußerte sich so:
Für uns sind die Vereinbarungen des Sanierungstarifvertrages unantastbar. Man sei davon überzeugt, dass sie ausreichen, um den Stahlbereich von Thyssenkrupp in eine gute Zukunft zu führen. Wir erwarten von Jindal, dass sie auf dieser Basis ein Konzept für die Zukunftsfähigkeit von TKSE auf den Tisch legen.
Wird die Übernahme dadurch gefährdet?
Die Due-Diligence-Prüfung zieht sich schon lange hin, allerdings ist die Materie wahrscheinlich auch sehr komplex. Jindal dürfte nur dann einsteigen, wenn sich für sie ein Mehrwert ergibt.
Sollten die bisherigen Vereinbarungen mit der IG Metall nicht reichen, sind erneute Gespräche mit der Gewerkschaft erforderlich. Es kommt dann auf das Gesamtkonzept an. Wenn die Schmerzen nicht allzu hoch sind, wird auch die Gewerkschaft entgegenkommen.
Ein Scheitern wäre die schlechteste Option, sowohl für ThyssenKrupp als auch für die Gewerkschaft.
Was bedeutet das für die Aktie?
Momentan gibt es eine Hängepartie bei den Übernahmegesprächen, daher ist auch mit keinen großen Kursveränderungen zu rechnen. Es bleibt jetzt nur, auf neue Mitteilungen zu warten.
Bei diesem Kursniveau einzusteigen und Kursgewinne zu erzielen, setzt voraus, dass Jindal in die Stahlsparte investiert. Es dürfte, wenn überhaupt, zu einer Mehrheitsbeteiligung kommen. Wegen der hohen Pensionsverpflichtungen dürften die Kosten für den Mutterkonzern weiterhin hoch bleiben.
Platzt die Übernahme, ist mit einem erheblichen Kursrückgang zu rechnen. Dann muss ThyssenKrupp die Stahlsparte in eigener Regie restrukturieren – und das wird teuer.
Insgesamt sehe ich bei dem jetzigen Kursniveau kein hohes Kurspotenzial. Das sehen auch einige Analysehäuser genauso; die DZ Bank sowie die Deutsche Bank sehen den fairen Wert bei 10 €. Jefferies ist mit 11 € etwas zuversichtlicher. Barclays mit 7,30 € und JP Morgan mit 7,60 € halten die Aktie für massiv überbewertet.
Relevant in diesem Kontext: Während sich Militärhaushalte weltweit verdoppeln, analysiert unser Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ einen unterbewerteten Rohstoff, der für Hochpräzisionswaffen unverzichtbar ist – und den passenden Aktientip.
ℹ️ Thyssenkrupp in Kürze
- Thyssenkrupp mit Hauptsitz in Essen ist ein diversifizierter Industrie- und Technologiekonzern mit Schwerpunkt in der Stahlherstellung.
- Der Konzern ging 1999 aus der Fusion der beiden Traditionsunternehmen Friedrich Krupp AG und Thyssen AG hervor.
- Thyssenkrupp ist im Nebenwerteindex MDAX notiert und ist aktuell rund 6,6 Milliarden € wert.