Cardiff Oncology: Geht sie bald wieder steil?
Nach unserem erfolgreichen Run-up-Trade im vergangen Jahr hat die Aktie von Cardiff Oncology in den vergangenen Monaten eine ausgeprägte Volatilität gezeigt und steht erneut vor einer entscheidenden Phase. Anstehende Studiendaten werden die kurzfristige Bewertung prägen und bestimmen, ob das Unternehmen das Vertrauen des Kapitalmarkts zurückgewinnen kann.
Cardiff Oncology entwickelte sich zuletzt zu einer unter Biotech-Anlegern aufmerksam verfolgten Story. Das Jahr 2025 erwies sich als einschneidend, nachdem erstmals Daten aus einer randomisierten Phase-2-Studie in der Erstlinienbehandlung von Darmkrebs veröffentlicht wurden. Diese Ergebnisse sorgten zunächst für einen kräftigen Kursanstieg und weckten hohe Erwartungen an eine vertiefte Auswertung. Als das umfassendere Update im Juli folgte, reagierte der Markt jedoch verhalten. Seitdem blieb es vergleichsweise ruhig, nun rücken die nächsten Datenveröffentlichungen näher. Vor diesem Hintergrund rückt die Investmentthese erneut in den Vordergrund, allerdings unter deutlich strengeren Vorbehalten.
„One-Trick Pony“
Der gesamte strategische Ansatz des Unternehmens stützt sich weiterhin auf einen einzelnen Wirkstoff. Onvansertib richtet sich gegen das Zielprotein PLK1, das bislang therapeutisch kaum genutzt wurde. Frühere Analysen hatten bereits beleuchtet, welche Erkenntnisse aus der randomisierten Phase-2-Studie CRDF-004 gezogen werden konnten.
Im Juli wurden Daten von insgesamt 110 Patienten vorgestellt, die auf drei Behandlungsarme verteilt waren. Neben einer Standardtherapie wurden zwei Dosierungen von Onvansertib in Kombination mit Chemotherapie untersucht. Die Studie umfasste Patienten mit neu diagnostiziertem, KRAS-mutiertem metastasiertem Darmkrebs, einem Bereich, in dem sich der Behandlungsstandard seit Jahren nur geringfügig verändert hat.
Zwar gab es in diesem Therapiefeld Fortschritte, etwa durch BRAF-Hemmung oder Immuncheckpoint-Inhibitoren, doch profitieren davon nur kleine Patientengruppen mit seltenen Biomarkern. Cardiff Oncology strebt eine breitere Wirkung an. Die aktualisierten Studiendaten blieben jedoch hinter den hohen Erwartungen zurück. Die Ansprechraten sanken im höher dosierten Arm von 64 auf 49 Prozent und im niedriger dosierten Arm von 50 auf 42 Prozent. Damit lagen sie zwar weiterhin über der Kontrollgruppe mit 30 Prozent, wirkten jedoch weniger überzeugend als die vorläufigen Ergebnisse.
Erste Hinweise zur Dauer des Ansprechens und zum progressionsfreien Überleben fielen zwar ermutigend aus, lieferten jedoch kein eindeutiges Bild eines klaren klinischen Vorteils. Der nächste wesentliche Meilenstein wird ein weiteres Update dieser Studie sein, das das Unternehmen für das erste Quartal 2026 angekündigt hat. Abgesehen davon gab es zuletzt keine neuen Entwicklungen im Bereich der gastrointestinalen Onkologie.
Kongress liefert neue Impulse
Neue Impulse kamen allerdings aus einem anderen Indikationsgebiet. Auf dem ASH-Kongress im Dezember in Orlando wurden erstmals Ergebnisse einer Phase-1-Studie zu Onvansertib bei chronischer myelomonozytärer Leukämie vorgestellt. In dieser kleinen Auswertung mit neun Patienten erzielten 38 Prozent der behandelten Teilnehmer ein hämatologisches oder knochenmarkbezogenes Ansprechen. Da es sich um eine von Forschern initiierte Studie handelte, bleibt offen, ob diese Erkrankung künftig eine strategische Rolle spielen wird. Sie eröffnet jedoch eine mögliche alternative Entwicklungsrichtung jenseits von Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Finanzielle Ausgangslage
Laut dem jüngsten Quartalsbericht verfügte Cardiff Oncology über liquide Mittel und Äquivalente in Höhe von 10,1 Millionen US-Dollar sowie über kurzfristige Anlagen von 50,5 Millionen US-Dollar. Die operativen Aufwendungen beliefen sich im Quartal auf 12,1 Millionen US-Dollar, der Nettoverlust lag nach Zinsen und geringfügigen Lizenzeinnahmen bei 11,2 Millionen US-Dollar.
In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 flossen rund 32 Millionen US-Dollar in den laufenden Geschäftsbetrieb. Auf dieser Basis ergibt sich eine rechnerische Finanzreichweite von etwa acht bis neun Quartalen, was den Angaben des Managements entspricht, die Mittel bis ins erste Quartal 2027 ausreichen sollen.
Chancen und Unsicherheiten im Überblick
Trotz der zuletzt fehlenden großen Nachrichten bleibt die grundlegende Investmentstory intakt, weist jedoch klare Stärken und Risiken auf.
Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren wiederholt relevante klinische Daten geliefert. Statt häufiger Zwischenmeldungen standen meist substanzielle Studienergebnisse mit größeren Patientenzahlen oder Präsentationen in bislang wenig beachteten Indikationen im Mittelpunkt. Vor diesem Hintergrund dürfte das für Anfang 2026 erwartete Phase-2-Update von erheblicher Bedeutung sein. Insbesondere erhoffen sich Marktteilnehmer detailliertere Aussagen zur Dauer der Therapieeffekte und zum progressionsfreien Überleben.
Gleichzeitig besteht das Risiko weiterer zeitlicher Verschiebungen. In der Vergangenheit haben sich Zeitpläne für Datenveröffentlichungen mehrfach verzögert, was zu erheblichen Kursschwankungen geführt hat. Der starke Kursrückgang im Juli, bei dem die Aktie rund die Hälfte ihres Wertes verlor, dürfte auch auf diese Unsicherheit zurückzuführen sein. Sollte sich das angekündigte Update über das erste Quartal 2026 hinaus verzögern, wäre mit erneuter Volatilität zu rechnen.
Auch die Finanzierung bleibt ein sensibles Thema. Zwar verfügt Cardiff Oncology im Vergleich zu vielen Entwicklungsbiotechs über eine solide Liquiditätsbasis und relativ niedrige Kosten. Mit dem Übergang in größere, bestätigende Studien würden die Ausgaben jedoch deutlich steigen. Für eine umfangreiche randomisierte Studie fehlen dem Unternehmen die finanziellen Reserven, weshalb mittelfristig eine Kapitalmaßnahme wahrscheinlich erscheint.
Ausblick und Bewertung
In den kommenden Monaten stehen wichtige Daten zur Behandlung von Darmkrebs an, die zentrale offene Fragen beantworten könnten. Entscheidend wird sein, ob die beobachteten Therapieeffekte langfristig Bestand haben, ob eine klare Strategie für eine Phase-3-Studie erkennbar wird und ob sich ein messbarer Gesamtnutzen für die Patienten zeigt.
Diese nächste Datenveröffentlichung dürfte die weitere Entwicklung des Unternehmens maßgeblich beeinflussen. Positive Ergebnisse könnten nicht nur den Weg für die nächste Studienphase ebnen, sondern auch eine Kapitalaufnahme unter günstigeren Bedingungen ermöglichen. Gleichzeitig besteht das Risiko enttäuschender Resultate, die den Start einer Phase-3-Studie weiter verzögern könnten.
Der Markt preist derzeit einen gewissen Erfolg bereits ein, was sich im Verhältnis zwischen Liquidität und Marktkapitalisierung widerspiegelt. Angesichts des großen Marktpotenzials in der Erstlinienbehandlung von Darmkrebs bleibt die langfristige Chance erheblich. Auf dem aktuellen Kursniveau erscheint die Aktie weiterhin attraktiv, erfordert jedoch ein hohes Maß an Risikobewusstsein im Hinblick auf die bevorstehenden Studiendaten.
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