Intel-Aktie springt weiter: Wo endet die Kursparty?
Die Aktie von Intel steht seit Wochen wieder stärker im Rampenlicht der Finanzmärkte. Wir hatten Intel-Aktien bereits im Sommer zu Kursen unter 23 US$ zum Kauf ausgerufen. Nun steht der Kurs doppelt so hoch. Wie geht es weiter?
Politische Weichenstellung für eine heimische Industrie
In den Vereinigten Staaten ist ein grundlegender Kurswechsel erkennbar, der die Kontrolle über strategische Ressourcen und Produktionskapazitäten im eigenen Land stärken soll. Die Regierung unter Präsident Trump hat in den vergangenen Monaten deutlich gemacht, dass wirtschaftliche Sicherheit und nationale Sicherheit enger miteinander verknüpft werden, was sich sowohl in der Rohstoffpolitik als auch in industriepolitischen Initiativen widerspiegelt. Die Förderung der heimischen Weiterverarbeitung seltener Erden gilt dabei als ebenso wichtiges Signal wie das Bestreben, kritische Lieferketten unabhängiger von weit entfernten Auslandsmärkten zu machen.
Diese Logik lässt sich unmittelbar auf Halbleiter übertragen, die bislang fast vollständig aus asiatischen Produktionszentren importiert werden. Chips sind das Rückgrat der modernen Wirtschaft, weshalb eine eigene Fertigungsbasis für die USA zunehmend als strategische Notwendigkeit gilt. Intel nimmt in diesem Kontext eine Sonderstellung ein, da es das einzige große US-Unternehmen mit einer umfassenden und modernen Halbleiterfertigung ist.
Technologischer Wettbewerb zwischen Washington und Peking
Auch wenn der Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China nicht mehr täglich die Schlagzeilen beherrscht, bleibt der Wettbewerb im Technologiesektor unvermindert bestehen. Phasen der Entspannung wechseln sich mit neuen Spannungen ab, die zeigen, wie sensibel dieser Bereich weiterhin ist. Die jüngste Entscheidung, den Export leistungsfähiger Grafikprozessoren nach China zwar zu genehmigen, gleichzeitig aber Investitionen chinesischer Unternehmen in US-Chipwerte zu unterbinden, unterstreicht diese widersprüchliche Dynamik.
Je intensiver die geopolitische Rivalität wird, desto stärker geraten Handelsströme und Investitionen unter politischen Vorbehalt. Länder neigen dann dazu, sich stärker auf eigene Produktionskapazitäten zu stützen, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Für die Vereinigten Staaten bedeutet dies, dass die heimische Fertigung von Schlüsselkomponenten wie Halbleitern an Bedeutung gewinnt, was die strategische Rolle von Intel weiter stärkt.
Ein neuer Kurs unter neuer Führung
Seit dem Amtsantritt von Lip Bu Tan als Vorstandschef hat Intel eine Reihe tiefgreifender Maßnahmen ergriffen, um Kosten zu senken und die finanzielle Basis zu stärken. Unterstützt durch staatliche Programme sowie durch strategische Partner aus der Technologiebranche wurde die Bilanz stabilisiert, während der neue Chef durch aktienbasierte Vergütung stark auf den langfristigen Unternehmenserfolg ausgerichtet ist.
Die ersten Ergebnisse dieses Kurses spiegeln sich bereits in den Geschäftszahlen wider, denn im dritten Quartal des Jahres 2025 kehrte der Konzern in die Gewinnzone zurück. Parallel dazu machte Intel auch technologisch einen wichtigen Schritt nach vorn, als Anfang Januar 2026 erstmals Produkte aus der neuen 18A-Fertigungslinie ausgeliefert wurden. Für das lange schwächelnde Auftragsfertigungsgeschäft bedeutet dies ein Signal an potenzielle Kunden, dass die eigene Produktion konkurrenzfähiger wird und wieder Vertrauen verdient.
Dass diese Fortschritte auch politisch registriert werden, zeigte sich kurz darauf bei einem Treffen zwischen Präsident Trump und dem Intel-Chef, bei dem der Konzern öffentlich gelobt wurde. Damit wird deutlich, dass die US-Regierung den Ausbau der heimischen Chipfertigung aufmerksam begleitet und Intel dabei als Schlüsselakteur betrachtet.
Bewertung nach Unternehmensbereichen
Eine Betrachtung der einzelnen Geschäftsfelder legt nahe, dass Intel am Markt derzeit nicht das gesamte Potenzial widerspiegelt. Die Auftragsfertigung kann im Vergleich zu globalen Schwergewichten wie dem taiwanischen Marktführer oder dem chinesischen Branchenprimus eingeordnet werden, wobei ein Wert zwischen einem moderaten Einstieg in den Markt und einer signifikanten Präsenz in Nordamerika möglich erscheint. Je nach Entwicklung ließe sich daraus eine Spannbreite ableiten, die von einer wirtschaftlich tragfähigen Nische bis hin zu einem gewichtigen Anteil am nordamerikanischen Halbleitermarkt reicht.
Das klassische Prozessorgeschäft wird weiterhin als stabiler Ertragspfeiler gesehen, der bei normalisierten Gewinnen eine solide Bewertung rechtfertigt. Zusammengenommen ergibt sich daraus eine mögliche Unternehmensbewertung, die deutlich über der aktuellen Marktkapitalisierung liegt und langfristig erhebliches Aufwärtspotenzial eröffnet.
Chancen und Risiken im Spannungsfeld
Trotz der positiven Perspektiven bleibt die Aktie ambitioniert bewertet, da der Konzern den vollständigen operativen Durchbruch erst noch beweisen muss. Der politische Wille zur Unterstützung ist zwar vorhanden, doch der Erfolg im hart umkämpften Auftragsfertigungsmarkt ist keineswegs garantiert. Gelingt der Turnaround jedoch, könnten die heutigen Kurse rückblickend als günstig erscheinen.
Ausblick für die Intel-Aktie
Der Markt beginnt allmählich, die strategische Bedeutung und die technologischen Fortschritte von Intel neu zu bewerten. Die Auslieferung der ersten 18A-Chips wirkt dabei wie ein Beschleuniger für diese Neubewertung. Auch wenn die Aktie bereits deutlich gestiegen ist, bleibt sie für viele Investoren ein Titel mit langfristiger Perspektive, der jedoch mit erhöhten Schwankungen einhergehen dürfte, falls die hohen Erwartungen nicht erfüllt werden.
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ℹ️ Intel in Kürze
- Die Intel Corporation (WKN:855681) mit Sitz im kalifornischen Santa Clara ist ein führender US-Anbieter von Halbleitern.
- In seinem Kerngeschäft, der Herstellung von Mikroprozessoren für PCs und Laptops, dominiert der Konzern 70% des weltweiten Markts.
- Intel ist Mitglied im US-Leitindex S&P 500 und erreicht aktuell einen Börsenwert von rund 217 Milliarden US$.