Microsoft-Aktie: Geht's bald auf neue Hochs?

Starke operative Entwicklung
Redaktion

Die Aktie von Microsoft steht vor einem Jahr, das von strukturellen Effekten und operativer Hebelwirkung geprägt sein dürfte. Nach einer längeren Phase seitwärts gerichteter Kursentwicklung verdichten sich die Anzeichen, dass sich fundamentale Entwicklungen ab 2026 zunehmend im Aktienkurs widerspiegeln.

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Die entscheidende Frage bei der Bewertung Microsofts liegt weniger in der Qualität des Geschäftsmodells als im Timing. Im Zentrum steht die zeitliche Verzögerung zwischen Auftragsbestand, Umsatzrealisierung und Margenentwicklung. Genau diese Faktoren laufen im Jahr 2026 zusammen. Nach einem überwiegend flachen Kursverlauf seit dem Sommer 2024 erscheint für das laufende Jahr zwar nur begrenztes Aufwärtspotenzial wahrscheinlich, doch die strukturellen Voraussetzungen für deutlichere Kursimpulse im Folgejahr sind angelegt.

Hohe Visibilität im Auftragsbestand

Microsoft verfügt innerhalb der großen Technologiekonzerne über eine außergewöhnlich hohe Transparenz bei den künftigen Umsätzen. Die kommerziellen verbleibenden Leistungsverpflichtungen sind im Jahresvergleich um 51 Prozent auf 392 Milliarden US-Dollar gestiegen und haben sich innerhalb von zwei Jahren nahezu verdoppelt. Gleichzeitig legten die kommerziellen Buchungen um mehr als 100 Prozent zu. Mit einer durchschnittlichen Laufzeit von rund zwei Jahren ist dieser Auftragsbestand deutlich kurzfristiger und verlässlicher als klassische Software-Backlogs, die häufig optional oder langfristig angelegt sind. Das spricht für eine hohe Wahrscheinlichkeit zeitnaher Umsatzrealisierung.

Azure wächst schneller als die Kapazitäten

Auch die Nachfrage nach Cloud-Diensten entwickelt sich dynamisch. Bei Microsoft Azure übersteigt der Bedarf weiterhin deutlich die verfügbaren Kapazitäten. Das gemeldete Wachstum von rund 40 Prozent im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 unterschätzt die tatsächliche Nachfrage, da Lieferengpässe das Angebot begrenzen. Das Management rechnet damit, bis mindestens zum Ende des Geschäftsjahres 2026 kapazitätsseitig eingeschränkt zu bleiben. Selbst wenn in der zweiten Jahreshälfte 2026 zusätzliche Rechenleistung bereitgestellt wird, dürfte aufgeschobene Nachfrage dann zu einem spürbaren Umsatzschub führen. Engpässe resultieren laut Unternehmensführung aus der Priorisierung strategischer Bereiche wie Microsoft 365 Copilot, GitHub, Sicherheitslösungen und interner Forschung.

Kostenbelastung durch KI bleibt beherrschbar

Trotz hoher Investitionen in Grafikprozessoren, steigender Abschreibungen und wachsender Entwicklungsaufwendungen zeigt sich die Ertragslage bemerkenswert stabil. Die Bruttomarge ist im Jahresvergleich nur leicht gesunken. Im Segment Produktivität und Geschäftsprozesse legten die Margen sogar um drei Prozentpunkte zu, was darauf hindeutet, dass Effizienzgewinne durch Copilot und Microsoft 365 die steigenden KI-Nutzungskosten weitgehend kompensieren. Auf Konzernebene wuchsen die operativen Aufwendungen um rund fünf Prozent, während der Umsatz um etwa 18 Prozent zulegte. Mit einer allmählichen Normalisierung der KI-Kosten sowie besserer Auslastung und Preisstruktur dürfte sich die operative Hebelwirkung künftig deutlicher zeigen. Das Jahr 2026 erscheint damit weniger als Belastungsphase, sondern als Beginn steigender Ergebnisdynamik.

Plattformstrategie statt Modellwettlauf

Microsoft positioniert sich im KI-Markt nicht als reiner Entwickler von Spitzenmodellen, sondern als Anbieter eines skalierbaren Auslieferungssystems. Im Mittelpunkt stehen Effizienz, Auslastung und verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Die Cloud-Infrastruktur ist auf globale Skalierung ausgelegt und unterstützt sowohl KI-Workloads als auch klassische Rechenprozesse. Durch softwareseitige Optimierungen konnte der Token-Durchsatz pro GPU bereits um mehr als 30 Prozent gesteigert werden. Diese Fortschritte sind unabhängig von spezifischer Hardware und reduzieren die Abhängigkeit von einzelnen Technologiezyklen.

Investitionen mit klarer Laufzeitlogik

Auch die Kapitalstruktur unterstreicht die Disziplin der Investitionspolitik. Rund die Hälfte der aktuellen Investitionsausgaben entfällt auf kurzlebige Vermögenswerte wie GPUs und CPUs. Deren Abschreibungsdauer korrespondiert eng mit der durchschnittlichen Laufzeit der Kundenverträge. Der verbleibende Teil fließt in Infrastruktur mit Nutzungsdauern von bis zu zwei Jahrzehnten und ist nicht auf spezifische KI-Anforderungen zugeschnitten. Damit sinkt das Risiko, langfristig an Überkapazitäten gebunden zu sein.

Nutzungszahlen liefern den Beweis

Die Akzeptanz von Copilot liefert inzwischen belastbare Daten. Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer liegt bei über 150 Millionen, nach rund 100 Millionen im Schlussquartal des Geschäftsjahres 2025. Insgesamt nutzen etwa 900 Millionen Anwender KI-Funktionen innerhalb des Microsoft-Ökosystems. Besonders dynamisch wächst Copilot Chat innerhalb der Microsoft-365-Umgebung mit einem sequenziellen Zuwachs von mehr als 50 Prozent. Großkunden wie PwC und Lloyds Banking Group setzen Copilot bereits in großem Umfang ein und berichten von Produktivitätsgewinnen. Microsoft verfolgt dabei traditionell einen Ansatz, bei dem zunächst die Nutzung verankert wird, bevor Preissetzungsmacht voll zum Tragen kommt. Laut Konzernchef Satya Nadella soll die Monetarisierung ähnlich wie beim Cloud-Geschäft schrittweise erfolgen, ohne bestehende Erlösquellen zu kannibalisieren.

Warum 2026 an Bedeutung gewinnt

Drei Entwicklungen dürften im Jahr 2026 zusammenlaufen. Erstens ist damit zu rechnen, dass die Kapazitäten im Cloud-Geschäft schrittweise zur Nachfrage aufschließen. Da der Bedarf bereits heute höher ist als das Angebot, kann Umsatzwachstum auch ohne zusätzliche Nachfrage entstehen, sobald bestehende Aufträge realisiert werden. Zweitens dürfte sich die Kostenkurve im KI-Bereich sichtbar entspannen, da ein großer Teil der Investitionen schnell abgeschrieben wird und Effizienzgewinne weiter wirken. Drittens sollten sich Sorgen über ein Missverhältnis zwischen Investitionen und Monetarisierung allmählich auflösen, wenn steigende Nutzung und zunehmende Unternehmenseinsätze greifbare Erlöse liefern.

Risiken und nächste Bewährungsprobe

Herausforderungen könnten entstehen, falls sich die Laufzeiten der Auftragsbestände deutlich verlängern oder das Wachstum der Copilot-Nutzerzahlen ins Stocken gerät. Auch der tatsächliche Abbau der Kapazitätsengpässe bei Azure bleibt ein wichtiger Beobachtungspunkt. Die nächste zentrale Etappe ist das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026. Erwartet wird ein weiter wachsender Auftragsbestand bei stabiler durchschnittlicher Laufzeit, anhaltend stark steigende Copilot-Nutzerzahlen sowie operative Margen nahe der Unternehmensprognose.

Bewertung nach der Korrektur

Nach einer Kurskorrektur von rund zehn Prozent seit dem Hoch im Herbst 2025 erscheint die Aktie wieder attraktiver bewertet. Vor dem Hintergrund der strukturellen Entwicklungen und der erwarteten operativen Hebelwirkung wird Microsoft zunehmend als Wert gesehen, der überdurchschnittlich stark von einem beschleunigten Wachstum im Jahr 2026 profitieren könnte.

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ℹ️ Microsoft in Kürze

  • Die Microsoft Corporation (WKN: 870747) ist einer der wichtigsten IT-Konzerne der Welt und der weltweit größte Softwarehersteller.
  • Zu den wesentlichen Produkten des Unternehmens mit Hauptsitz in Redmond im US-Bundesstaat Washington gehören das Betriebssystem Windows, das Büro-Softwarepaket Office, die Tablet-PC-Familie Surface und die Spielekonsole Xbox. Darüber hinaus ist Microsoft der zweitgrößte Cloud-Anbieter der Welt.
  • Die Microsoft-Aktie ist Mitglied im US-Leitindex Dow Jones Industrial und im Technologieindex Nasdaq 100. Mit einem Börsenwert von 3,55 Billionen US$ ist Microsoft aktuell das wertvollste Unternehmen der Welt.
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