Internet der Dinge vor 1000%-Wachstum?

von Redaktion  /   13. Januar 2017, 17:37  /   unter Aktien, Technologie, Top-Stories  /   Keine Kommentare

Das mobile Internet der Dinge befindet sich auf Siegeszug. Immer besser, schneller und intelligenter werden die Systeme, die sich zur Standardausstattung in jedem Haushalt, Auto und Unternehmen entwickeln. Davon profitieren in erster Linie LTE-Modulproduzenten und Plattformanbieter wie Sierra Wireless (WKN: 920860) sowie Telit Communications (WKN: A0D9SK). Der Softwareentwickler U-Blox (WKN: A0M2K9) besitzt trotz Umsatzwarnung langfristige Chancen. Gemalto (WKN: A0CA8L) kann partiell mit seinen Geschäftssparten ebenfalls profitieren.

Ein schwerer Autounfall mit Verletzungsfolge ist ein Horrorszenario. Tausende solcher Unfälle finden dennoch alljährlich statt. In Zukunft könnten die Einsatzzentralen der Rettungskräfte in Echtzeit alarmiert werden. Viele Autos senden heutzutage Notsignale mit GPS-Daten. Es könnten künftig zudem wichtige Daten wie die Zahl der Insassen und potenziellen Verletzten sowie deren individuelle Gesundheitsinformationen an die herbeizueilenden Sanitäter übermittelt werden.

Neben dem lebensrettenden Notrufsystem dürften in Zukunft verstärkt Navigationsdaten und Entertainmentinhalte wie Musik- oder Videodaten ins Auto gelangen und in Echtzeit verarbeitet werden. Der Phantasie möglicher Anwendungen sind kaum Grenzen gesetzt und es ist leicht zu prognostizieren, dass in Zukunft einmal alle weltweit hergestellten Neuwagen  mit einer permanenten Internetverbindung sowie einem oder mehreren Kommunikationsmodulen sowie integrierten „System-on-a-Chip“-Lösungen (SoC) ausgestattet sein werden. Ein Riesenmarkt: Jährlich werden knapp 100 Millionen Fahrzeuge weltweit verkauft. In beinahe jedem PKW stecken heutzutage 30 bis 150 Mikroprozessoren, Tendenz steigend. Der Wert der Prozessoren und elektronischen Systeme kann locker 500 US$ pro Fahrzeug ausmachen.

Ein großes Entwicklungsgebiet ist derzeit die intelligente Kommunikation des Fahrzeuges und seiner Komponenten mit der Außenwelt (Telematik) für die Fahrzeug-zu-Umwelt-Kommunikation (V2X), vornehmlich zwischen Fahrzeugen (V2V) und der Verkehrsinfrastruktur (V2I). Man denke nur an Verkehrsleitsysteme oder die Abrechnung der Straßenmaut à la Toll Collect. Seit Januar 2017 bietet HUK-Coburg seinen versicherten Fahranfängern einen günstigeren Telematik-Tarif.

Ende 2015 waren weltweit nur 30 Millionen von über 1,2 Milliarden Fahrzeugen ab Werk mit solchen Systemen ausgestattet. Hinzu kommen die doppelte Zahl von nachgerüsteten Systemen für das Flottenmanagement, oder die Abrechnung der Maut. Solche Systeme werden für PKWs immer verbreiteter. Wer heute durch Länder wie Weißrussland oder Malaysia fahren möchte, kommt ohne diese elektronischen Systeme gar nicht mehr auf die Autobahn.

Selbstverständlich geht der Trend immer mehr zu standardisierten, eingebetteten Systemen. Bis 2020 dürften daher 60% aller Neuwagen mindestens mit einem Telematiksystem bzw. Kommunikationsmodul ausgestattet sein, dies wären jährlich mehr als 55 Mio. Fahrzeuge.

Einen ersten Überblick zur Orientierung liefert die 200 Seiten-Studie „IoT Platforms and Software“ von Berginsight.com.

Wachstumszahlen 2015/16 gedämpft

Dass mobiles Internet ein Zukunftstrend ist, wissen informierte Investoren seit längerem. Doch wie so oft ging die Phantasie mit dem Anlegern durch und Investoren konzentrierten sich zu sehr auf die potenziellen Möglichkeiten und zu wenig auf den aktuellen technischen Entwicklungsstand, vornehmlich dem flächendeckenden wie unterbrechungsfreien Netzausbau und die notwendige Vorlaufzeit der Entwicklungsdauer von neuen Anwendungen. Die Entwicklung eines neuen Fahrzeugs dauert schließlich drei bis fünf Jahre.

Tatsächlich blieben die  Umsätze der letzten beiden Jahre hinter den optimistischen Prognosen zurück.

Der Marktführer bei mobilen IoT-Datenmodulen, die kanadische Sierra Wireless, steigerte seinen Umsatz 2015 lediglich um 11% und 2016 könnte sogar ein Nullwachstum verzeichnet worden sein. Der direkt nachfolgende Wettbewerber, die in Italien ansäßige Telit Communications, verzeichnete 2015 noch einen Umsatzanstieg von 13% und  dürfte das vergangene Jahr mit noch gerade etwa 10% Wachstum abgeschlossen haben. Das 1. Halbjahr 2016 lag jedoch lediglich 6% über dem Vorjahr. Eine zurückhaltende Analystenmeinung ist darum nicht ungewöhnlich und sorgt für langfristig hochinteressante Einstiegsniveaus.

Durchhänger dieser Art sind im Technologiebereich vollkommen normal. Der Markt befindet sich lediglich auf einem kurzfristigen Wachstumsplateau und noch immer in der Anfangsphase seiner Entwicklung. Spätestens in den kommenden drei Jahren wird der nächste Wachstumsschub eintreten und Investoren sollten sich rechtzeitig und spätestens im Laufe dieses Jahres dafür positionieren, um rechtzeitig dabei zu sein.

LTE-Standard wird für Durchbruch sorgen

Das große Marktpotenzial zeigt sich daran, dass 2016 erst 300 Millionen Geräte mobil vernetzt waren. Die Gesamtzahl der online kommunizierenden Maschinen, dem Internet der Dinge (IoT), beträgt zurzeit circa 15 Milliarden. Die Durchdringungsrate liegt daher bei minimalen 2%!

Bis 2020 dürfte sich die Zahl der mobilen Endgeräte im IoT-Bereich laut ABI Research auf 1,2 Milliarden Geräte vervierfachen. Selbst dieses starke Wachstum entspräche lediglich einer Steigerung der Markdurchdringung von 2% auf 4,5%. Langfristig sollten für mobile Anwendungen eher Marktanteile im zweistellig prozentualen Bereich zu erwarten sein.

Bisher bestand die größte Herausforderung in einer schnellen Datenverbindung. Durch den neuen LTE-Standard (4G) hat sich die Funktionalität deutlich verbessert. Mehr als 1,7 Milliarden Mobilfunkanwender nutzen weltweit LTE. Während in Asien 57% aller Mobilfunkbesitzer mit LTE ausgestattet sind, waren es in Nordamerika erst 20% und in Europa lediglich 14%. Die westliche Welt ist in diesem Punkt kein Vorreiter, sondern technologischer Nachzügler. Die global für den Automobilverkauf stärksten Regionen werden erst in den nächsten Jahren aufholen. Die leichte Wachstumsabschwächung 2015/16 ist damit gut begründbar.

lte_sub_2016

Quelle: telecomlead.com

Experten erwarten bis 2020 ein jährliches Wachstum beim mobilen Datenvolumen von etwa 50%. Ab 2020 wird außerdem der neue 5G-Standard Einzug halten. Dann sind sogar große Datenpakete wie beim HD-Streaming oder Virtual/Augmented Reality möglich.

Analysten sind blind

Genau wie bei vergangenen technologischen Revolutionsbewegungen zeigen sich die Experten und Analysten einmal mehr blind auf beiden Augen. Bislang erwarten sie ein lineares anstatt exponentielles Wachstum von rund 10% jährlich. Darum sind die Umsatzprognosen für Telit und Sierra Wireless zurzeit sehr zurückhaltend. Der gleiche Fehler wurde bekanntermaßen schon unzählige Male gemacht. Man denke nur an die Hochrechnung des Marktpotenzials der ersten PCs oder Mobiltelefone.

Sollten in den kommenden Jahren nur 20% aller IoT-Geräte mobil vernetzt sein, wäre das anzunehmende Marktwachstum für die nächsten zehn Jahre locker mit >1.000% anzusiedeln.

Anleger haben nun die Qual der Wahl, für welchen IoT-Wert sie sich entscheiden. Als Basisanlage eignen sich zunächst die Marktschwergewichte Sierra Wireless, Telit sowie Gemalto. Diese bestimmen den Markt für Kommunikationsmodule. Sierra und Telit sind wegen ihrer hohen Profite und Liquidität jederzeit ein attraktives Übernahmeziel für Branchengrößen wie Cisco oder andere Technologiekonzerne.

Wobei jedes Unternehmen unterschiedliche Entwicklungsschwerpunkte setzt. Gemalto ist zwar der größte Konzern aus der Gruppe, mit 5 Mrd. € Marktkapitalisierung sowie einem Jahresumsatz von mehr als 3 Mrd. €, doch ist die IoT-Sparte von Gemalto, welche aus der früheren Cinterion besteht, bezogen auf den Gesamtumsatz vergleichsweise klein. Das Unternehmen wächst darum nicht so dynamisch und eignet sich eher für konservative Anleger.

Telit und Sierra Wireless sind dem Wachstumstrend am nächsten und profitieren stärker von den bevorstehenden Wachstumszyklen, wobei Telit einen dynamischeren Wachstumstrend besitzt und teils als innovativerer Anbieter angesehen wird. Beide Unternehmen haben ihre Stärken und es wäre zu früh, jetzt ein abschließendes Bewertungsurteil zu fällen.

Sierra Wireless Marktführer im Automobilsektor

Sierra Wireless ist seit Jahren ein beliebter Standardwert für die Entwicklung mobiler Datenmodule. Das Unternehmen ist vor allem bei den OEM-Zulieferern im Automobilbau sehr präsent und kann auf starke Partner in der Entwicklung von weiteren Anwendungsgeldern im Bereich Energie, Gesundheit und Industrie verweisen. Bei den Automobilherstellern hat sich Sierra perfekt bei den OEMs der breiten Massenhersteller positioniert: General Motors, Peugeot-Citroén, Renault-Nissan.

Quelle: Unternehmenspräsentation Sierra Wireless

Quelle: Unternehmenspräsentation Sierra Wireless

Der Umsatz lag 2001 erst bei 62 Mio. US$. Im letzten Jahr waren es bereits >600 Mio. US$. Ein Niveau, welches auch 2016 wieder mindestens erreicht worden sein dürfte. Dies entspricht einem langfristigen Wachstum von 867%. Die 10-Jahres-Wachstumsrate lag mit 171% deutlich tiefer.

Sierra Wireless hat sich aus seiner früheren Marktnische heraus weitgehend selbst vorangebracht und ging immer erstarkt aus vergangenen Umstrukturierungsphasen hervor. Das Unternehmen positionierte sich längst im Markt, bevor überhaupt ein  nennenswerter Massenmarkt entstand. Der Aktienkurs lief dieser fundamentalen Entwicklung stets voraus und stieg beispielsweise zwischen 2002 bis 2004 von nur 2 auf 40 US$, wobei u.a. die autonomen Züge der damalige Wachstumstreiber waren. Die Aktie stand vor zwei Jahren erneut bei knapp 50 US$, als IoT zum langsam zu einem größeren Thema wurde. Momentan hat sich die erste Aufregung gelegt und die Aktie kann für günstige 16-17 US$ erworben werden.

Bei einem Kurs von 16 US$ und einem erwarteten EV/EBITDA 17e von 15, ist Sierra gemessen am Wachstumspotenzial der nächsten Jahre für ein führendes IoT-Unternehmen keinesfalls zu teuer. Zumal das EV/EBITDA-Multiple auf 9 fällt, wenn man die Liquidität von zuletzt 112 Mio. US$ berücksichtigt.

Telit besitzt eine sehr starke Position außerhalb des Automobil-Segments wie dem Haushalts- und Industriesektor.

Telit Communications ist verglichen mit Sierra Wireless das jüngere Unternehmen und wurde 2000 in Tel-Aviv gegründet. Die wichtige F&E-Sparte ist in Italien beheimatet. Die Aktie ist am Alternative Investment Market (AIM) in London notiert. Telit überzeugt im Vergleich zu Sierra Wireless durch seine höhere 10-Jahres-Wachstumsrate, welche 2006-2016 bei voraussichtlich 305% lag. Zudem besitzt Telit mit 15% eine deutlich höhere  Gewinnmarge (8% bei Sierra Wireless). Wobei der eigentliche Grundstein für die heutige Telit in der 2002 erfolgten Akquisition der M2M-Sparte von Motorola zu finden ist.

Firmengründer und CEO Oozi Cats konzentriert sich stark auf den Industriesektor. Telit ist unter anderem Marktführer bei Sicherheitslösungen, wie sie in den Alarmanlagen von Tyco oder Alarm.com implementiert sind. Von den bekannten Fahrzeugherstellern setzen beispielsweise Honda, Ford und Caterpillar Telit-Produkte ein.

Quelle: Unternehmenspräsentation Telit

Quelle: Unternehmenspräsentation Telit

Schweizer Forscher & Entwickler U-Blox

Ein deutliches Wachstum konnte in den letzten Jahren auch die Schweizer U-Blox AG zeigen. Allerdings gab das Unternehmen am 12.1. eine  Umsatzwarnung heraus. Statt angepeilter 380 Mio. werden es für 2016 lediglich 360 Mio. CHF sein. Wobei U-Blox zuletzt schon im August die Prognosen gesenkt hatte. Für den schwächer als erwarteten Wachstumskurs sorgten laut Managementangaben vor allem Verzögerungen im US-Geschäft, die sich im Vorfeld der US-Wahlen abzeichneten. Trotzdem lag die EBIT-Marge mit 56-58 Mio. CHF im erwarteten Bereich.

Aktuell fehlen der U-Blox-Aktie die Impulse. Der Kurs verlor im 2. Halbjahr 2016 rund 30% seines Wertes und weitere Enttäuschungen bzw. eine Korrektur der Jahresprognosen 2017 könnten sehr wahrscheinlich noch bevorstehen. Darum ist die Aktie zurzeit nur für hartgesottene und langfristig orientierte Anleger interessant. Kurzfristig dürfte es sich vor einem Einstieg lohnen, auf tiefere Kurse zu warten. Wobei technisch zwischen 100 und 140 CHF ein möglicher Boden existiert, der die Wende einleiten könnte.

Auf die Beobachtungsliste gehört U-Blox allemal, schon allein wegen seiner hervorragenden Marktstellung und dem Fokus auf Forschung und Entwicklung.

Sie sollten sich in den nächsten Monaten für den einen oder anderen IoT-Spezialisten entscheiden, damit Sie zwischen 2018 und 2020 nicht die großen Sektor-Gewinne verpassen. Die besprochenen Aktien sind eine gute Basisinvestition.

Wir berichten zusätzlich regelmäßig im Live Chat von sharedeals.de über die tagesaktuelle Situation bei den besprochenen Werten sowie bestehende Tradingchancen und laden Sie herzlich zu einem Besuch bei uns ein.

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