Vincorion-Aktie: Muss man bei diesem Rüstungs-IPO dabei sein?
Seit wenigen Tagen ist die Aktie des Rüstungsunternehmens Gabler Group an der Börse handelbar und nun steht bereits der nächste Börsengang eines deutschen Rüstungstitels in den Startlöchern. Der Energie- und Mechatronikspezialist Vincorion wird am Freitag sein Börsendebüt geben. Wer ist dieses Unternehmen und sollten Anleger beim IPO mit dabei sein?
Wer ist Vincorion?
Da Vincorion den wenigsten Anlegern in Deutschland ein Begriff sein dürfte, einleitend ein paar Worte zur Geschäftstätigkeit des Unternehmens aus Wedel bei Hamburg. Kerngeschäftsfeld des Rüstungsunternehmens sind Energiesysteme und Generatoren für unterschiedliche Waffensysteme, wie beispielsweise die Luftabwehrsysteme Patriot und IRIS-T sowie den Kampfpanzer Leopard 2 und den Radpanzer Boxer. Zudem produziert Vincorion Stabilisierungsysteme für Waffensysteme.
Zweiter Geschäftsbereich des Rüstungsunternehmens ist die Luftfahrt. Hier entwickelt Vincorion mechatronische Komponenten wie elektrische und hydraulische Rettungswinden für Hubschrauber sowie Heiz- und Energiesysteme für Flugzeuge.
Nicht zuletzt ist das norddeutsche Unternehmen auch im zivilen Sektor tätig. Vincorion liefert Generatoren und Antriebstechnik für Züge, vor allem für Dieselloks.
Das sind die IPO-Details
Vincorion war bis 2022 Teil des Jenoptik-Konzerns, wurde seinerzeit aber an den britischen Finanzinvestor Star Capital verkauft. Für die Private Equity-Gesellschaft dürfte es eine der erfolgreichsten Beteiligungen ihrer Geschichte werden. Zum IPO wird Vincorion mit 850 Millionen € bewertet — das ist das Sechsfache des damaligen Kaufpreises durch Star Capital.
Der Investor bietet bis zu 20,3 Millionen Vincorion-Aktien zu einem Festpreis von 17 € an. Nach dem Börsengang will Star Kapital noch knapp 60% der Anteile halten und somit weiterhin Mehrheitsaktionär bleiben.
Das IPO dürfte angesichts der ungebrochenen Popularität von Rüstungsaktien erfolgreich über die Bühne gehen. Große Fondsgesellschaften wie Fidelity, Invesco und T. Rowe Price haben bereits rund ein Drittel der Aktien gezeichnet.
Vincorion zeigte in den letzten Jahren eine sehr starke Geschäftsentwicklung. Von 2022 auf 2025 hat sich der Umsatz des Rüstungsunternehmens auf 240 Millionen € mehr als verdoppelt.
Der Auftragsbestand lag zum Jahresende bei ca. 1,1 Milliarden €. Damit ist die Produktion des Unternehmens für die nächsten vier Jahre so gut wie ausgelastet.
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Das spricht für ein Investment
In Bezug auf eine Teilnahme beim Vincorion-IPO gibt es einige Für und Wider. Für ein Investment in das kleine deutsche Rüstungsunternehmen spricht selbstverständlich die immer noch gute Konjunktur der Rüstungsbranche. Im Ukraine-Krieg zeichnet sich auch im vierten Kriegsjahr noch immer keine Lösung ab und im Nahen Osten brennt es nach dem amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran lichterloh. Auch hier zeichnet sich derzeit ein langandauender militärischer Konflikt ab — Wasser auf die Mühlen von Rüstungsaktien wie Vincorion.
Neben dem massiven Rückenwind im Verteidigungssektor sprechen einige unternehmensspezifische Eigenschaften von Vincorion meiner Meinung nach für ein Investment in die Aktie. Die Umsatzvisibilität ist enorm hoch.
Zudem ist das Unternehmen ein Zulieferer von kritischen Teilsystemen etablierter Waffensysteme wie dem Leopard 2, Patriot und IRIS-T. Durch die starke Integration von Vincorion in die Lieferketten von Rüstungskonzernen ist das Unternehmen nur sehr schwer austauschbar und profitiert von langen Lebenszyklen und entsprechend hohe Nachbestellquoten.
Und nicht zuletzt besitzt Vincorion ein sehr großes Aftermarket-Geschäft. Schätzungen zufolge stammen rund 55% des Umsatzes aus dem Geschäft mit Service und Wartung. Das verschafft dem Unternehmen eine sehr solide Umsatzbasis und attraktive Margen.
Und das spricht dagegen
Gegen ein Investment in die Vincorion-Aktie sprechen meiner Einschätzung nach jedoch der Hintergrund des Börsengangs und die Bewertung. Finanzinvestoren wie Star Capital sind ausschließlich an der Maximierung ihrer Gewinne interessiert. Sie haben kein langfristiges strategisches Interesse an ihren Beteiligungen.
So dürfte Star Capital alles dafür getan haben, die IPO-Bewertung von Vincorion zu maximieren. In der Tat ist sie mit einem Umsatzmultiplikator von 3,5 für einen kleinen Rüstungsplayer sehr hoch.
Genaue Angaben zum Gewinn von Vincorion gibt es nicht. Schätzungen zufolge liegt die EBITDA-Marge bei ca. 15%. Damit würde die Bewertung zum Börsengang einem EBITDA-Multiple von ca. 23 entsprechen — auch das ein ziemlich ambitionierter Wert.
Hinzu kommt, dass Star Capital zwar nach dem IPO noch die Mehrheit der Anteile halten, aber sich in den kommenden Monaten und Jahren sukzessive von seinen Aktien trennen wird. Das dürfte Druck auf den Aktienkurs von Vincorion ausüben.
Unter Abwägung dieser Für und Wider würde ich nicht in das Vincorion-IPO investieren. Mir liegt die Bewertung der Aktien etwas zu hoch und die Hintergrundgeschichte des Börsengangs gefällt mir auch nicht.
Abschließend: Du interessierst Dich generell für die Rüstungsbranche? Dann wird Dich auch unser Report Rüstungs-Rohstoffe interessieren!
ℹ️ Vincorion in Kürze
- Vincorion ist ein deutsches Rüstungsunternehmen mit Sitz in Wedel bei Hamburg.
- Kerngeschäftsfeld des Rüstungsunternehmens sind Energiesysteme und Generatoren für unterschiedliche Waffensysteme, wie beispielsweise Luftabwehrsysteme und Panzer.
- Zudem produziert Vincorion mechatronische Komponenten für die Luftfahrt, wie elektrische und hydraulische Rettungswinden für Hubschrauber sowie Heiz- und Energiesysteme für Flugzeuge.
- Dritter Geschäftsbereich sind Generatoren und Antriebstechnik für Züge.
- Vincorion wird am 20. März 2026 sein Debüt an der Frankfurter Wertpapierbörse geben.