Verbio-Aktie: Ein Profiteur des Iran-Konfliktes?
Die Verbio-Aktie kennt momentan keine Obergrenzen. Am Mittwoch gewinnt sie aktuell leicht und steht bei knapp 37,30 €. Damit steht sie wieder auf dem Niveau von Ende 2023. Was könnte jetzt ratsam sein?
Iran-Konflikt treibt Öl- und Gaspreise
Tagtäglich wird in den Medien berichtet, dass die Tanker vollbeladen sind, aber nicht durch die Straße von Hormus fahren. Es besteht die Gefahr, dass sie von Iran beschossen werden. Rund 20% des Erdölbedarfs werden durch diese Meerenge transportiert.
Die Folge sind deutlich gestiegene Preise für Erdöl und Erdgas. Mit jedem Tag, den der Konflikt dauert, wird es für viele Staaten problematischer. Das ist die Stunde von Verbio.
Bioprodukte als Alternative
Der Konzern ist einer der weltweit führenden Hersteller von Biogas und Biodiesel. Besonders letzteres könnte eine echte Alternative zu herkömmlichem Diesel sein. Vor dem Konflikt, war der bisherige Dieselkraftstoff günstiger, mittlerweile änderte sich das. Auch wenn der Preis zukünftig wieder fällt, dürfte das Interesse an dem alternativen Kraftstoff deutlich steigen. Viele Staaten und Spediteure wollen von den Ölimporten unabhängiger werden und dürften daher nach echten Alternativen suchen.
Ein weiteres Feld ist die Beimischung von Biokraftstoffen zum Benzin. Bisher liegt die Obergrenze bei 10% (E10). Es gibt jedoch erfolgreiche Versuche, die Beimischung auf 25% zu erhöhen. Es kommt dabei darauf an, ob die Motoren solche Kraftstoffe vertragen oder ob sie umgerüstet werden müssen.
Egal wie der Konflikt ausgeht, die Kraftstoffe von Verbio dürften aufgewertet werden. Das wird sich positiv auf Umsatz und Ertrag auswirken.
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Diversifikation in Spezialchemieprodukte
Um sich breiter aufzustellen und unabhängiger von Biokraftstoffen zu machen, werden zukünftig auch spezialchemische Produkte angeboten. Die Basis für viele chemische Produkte sind dann 9-Dame und 1-Decen. 9-Damen ist die Basis für die Herstellung von Wasch- und Reinigungsmitteln. 1-Decen kann zu Schmierstoffen weiterverarbeitet werden. In der neuen Anlage in Bitterfeld werden ab 2026 jährlich bis zu 60 000 Tonnen pro Jahr hergestellt. Die Investitionssumme beläuft sich auf zwischen 80 und 100 Millionen €.
Was bedeutet das für die Aktie?
In dem bisherigen Kursverlauf ist zwar viel Positives eingepreist, der Iran-Konflikt könnte jedoch als weiterer Kurstreiber fungieren. Je länger er dauert, umso höher kann der Kurs steigen. Kurse von 40 € und mehr sind dann möglich. Allerdings wird er bei einem Ende des Konfliktes kurzfristig wieder korrigieren.
Ein Einstieg bei dem jetzigen Niveau ist aus meiner Sicht wenig ratsam. Wer sie im Depot hat, kann sie weiterhin halten. Wer bereits gute Gewinne erzielte, sollte gelegentlich über eine Gewinnmitnahme oder Teilgewinnmitnahme nachdenken.
Die Analysten halten die Aktie für überbewertet. MWB Research ist mit ihrem Zielkurs von 32 € am zuversichtlichsten. Die Deutsche Bank mit 29 € und Jefferies mit 25 € raten zum Verkauf.
Mein Fazit: Kurzfristig ist es ein Investment auf den Ausgang des Iran-Konfliktes. Langfristig bietet die Aktie weiteres Potenzial.
Am Rande erwähnt: Die globale Aufrüstung treibt die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen – unser exklusiver Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ identifiziert zwei Unternehmen, die von dieser Entwicklung maximal profitieren werden.
Interessenkonflikt: Der Autor hält Aktien des besprochenen Unternehmens Verbio. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Der Autor beabsichtigt, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnte dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.
ℹ️ Verbio in Kürze
- Die Verbio SE ist einer der führenden Bioenergieproduzenten und gleichzeitig der einzige großindustrielle Hersteller von Biodiesel.
- Neben dem Hauptsitz in Leipzig befinden sich Produktionsstätten in Deutschland, Polen und den USA. In Indien ist eine Anlage im Bau.
- Das im SDAX gelistete Unternehmen wird mit knapp 2,4 Milliarden € bewertet.