ThyssenKrupp-Aktie +11%: Ist das ein Gamechanger?
Die ThyssenKrupp-Aktie schießt am Mittwochmorgen völlig unerwartet um +11% in die Höhe und springt damit fast wieder auf ein zweistelliges Kursniveau. Steckt hinter dem Kurssprung ein Gamechanger und sollten Anleger den MDAX-Titel im Portfolio haben?
Ein Minderheitsverkauf
Auslöser des heutigen Kurssprungs der ThyssenKrupp-Aktie ist die Nachricht, dass der finnische Aufzugshersteller Kone seinen Wettbewerber TK Elevator kaufen will. Inklusive Schulden wollen sich die Finnen den Erwarb 29,4 Milliarden € kosten lassen.
Obwohl TK Elevator immer noch den Namen ThyssenKrupp in Kurzform führt, ist es schon längst keine Tochtergesellschaft des ThyssenKrupp-Konzerns mehr. Im Jahr 2020 verkaufte der Technologiekonzern die Mehrheit an seiner Aufzugssparte an die beiden Finanzinvestoren Advent und Cinven für 17,2 Milliarden €.
ThyssenKrupp selbst hält heute nur noch 16,2% der Anteile. Der auf den Konzern entfallende Kaufpreis liegt somit bei ca. 4,7 Milliarden € — eine nette Summe, die TK gut bei für die Transformation seines Geschäftsmodells gebrauchen kann.
Der Deal ist allerdings noch nicht zu 100% sicher, denn aufgrund der starken Stellung von Kone und TK Elevator in vielen Märkten werden einige Kartellbehörden die Transaktion ganz genau unter die Lupe nehmen.
Deutlich erholt
Die ThyssenKrupp-Aktie konnte sich im April deutlich von ihrem Ende März aufgestellten 6-Monatstief erholen. Durch den heutigen Kurssprung notiert der MDAX-Titel fast wieder über 10 €. Sollte der Sprung in den zweistelligen Kursbereich gelingen, könnte die Aktie sogar Kurs auf das 8-Jahreshoch bei knapp über 12 € nehmen.
Das argumentieren Bullen und Bären
Die Analystenmeinungen gehen in Bezug auf die ThyssenKrupp-Aktie extrem weit auseinander. Das Kursziel der Bullen der Baader Bank von 11 € ist exakt doppelt so hoch wie das der Bären von Barclays mit 5,50 €.
Die Optimisten sehen in der Aufspaltung des Konzerns den größten Werttreiber. Wenn die Stahlsparte erst einmal erfolgreich ausgegliedert ist, könnte der Konglomeratsabschlag des Mischkonzerns wegfallen. Die Bullen argumentieren, dass allein die restlichen Sparten (Marine, Automotive, Materials) zusammen deutlich mehr wert sind als der aktuelle Börsenwert des gesamten Konzerns.
Die Pessimisten sehen in der Stahlsparte immer noch einen großen Klotz am Bein von ThyssenKrupp. Sie verbrennt in einem schwachen Marktumfeld nach wie vor Geld und ein Verkauf an die indische Jindal Group scheint sich schwieriger als erwartet zu gestalten. Die Verhandlungen ziehen sich bereits seit Monaten hin.
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Ich rate Anlegern, die Finger von der ThyssenKrupp-Aktie zu lassen. Im heutigen Verkauf eines Minderheitsanteils sehe ich keinen Gamechanger für den Technologiekonzern.
Das „Sum-of-the-parts“ Argument der Bullen scheint zwar einleuchtend zu sein, aber ich sehe in der Stahlsparte immer noch ein ganz großes Risiko. Dass die Verhandlungen mit Jindal bereits so lange dauern ist für mich ein schlechtes Zeichen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Verhandlungen doch noch platzen, was zu einem massiven Kurseinbruch der ThyssenKrupp-Aktie führten dürfte.
Dieses Risiko würde ich als Anleger nicht eingehen. Das Upside der ThyssenKrupp-Aktie ist mir derzeit zu gering und das Downside zu groß.
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ℹ️ ThyssenKrupp in Kürze
- ThyssenKrupp (WKN: 750000) mit Hauptsitz in Essen ist ein diversifizierter Industrie- und Technologiekonzern mit Schwerpunkt in der Stahlherstellung.
- Der Konzern ging 1999 aus der Fusion der beiden Traditionsunternehmen Friedrich Krupp AG und Thyssen AG hervor.
- ThyssenKrupp ist im Nebenwerteindex MDAX notiert und ist aktuell 6,1 Milliarden € wert.