Renault-Aktie: Ein besseres Investment als die deutschen Autobauer?

Starke Geschäftsentwicklung
Die Renault-Aktie konnte sich seit Anfang Juli deutlich erholen, doch mit dieser Kurserholung scheint es nun schon wieder vorbei zu sein. Mit einem Kurseinbruch von über -4% ist der französische Autokonzern am Mittwochvormittag das Schlusslicht im breiten Euro Stoxx 600-Index. Gibt es schlechte Nachrichten und ist die Renault-Aktie trotzdem einen Kauf wert?

Der Wettbewerb nimmt zu

Es gibt in der Tat eine schlechte Nachricht für die Franzosen und sie kommt ausgerechnet aus Deutschland. Die Privatbank Berenberg hat ihre Einschätzung für den Automobilsektor aktualisiert und belässt das Rating der Renault-Aktie lediglich auf „Halten“ mit einem Kursziel von 34 €. Damit sehen die Berenberg-Analysten allerdings ein Potenzial von rund +20% für den Automobiltitel. Sie betonen, dass der Gegenwind für Renault zunimmt und favorisieren aktuell eher Wettbewerber wie Volkswagen.

Investoren sorgen sich vor zunehmendem Preisdruck im europäischen E-Auto-Markt sowie vor möglichen Volumeneinbußen durch den verschärften Wettbewerb günstigerer Marktteilnehmer. Chinesische Hersteller wie BYD und MG gewinnen in Europa schnell Marktanteile.

Im ersten Halbjahr 2026 kamen Marken aus China bereits auf einen Marktanteil von ca. 9% bei den Neuwagenverkäufen in Europa. Ihr Erfolg trifft vor allem europäische Volumenhersteller wie Renault, die stark im Kleinwagen- und Mittelklassesegment vertreten sind.

Gleichzeitig nimmt auch der Wettbewerbsdruck im für Renault traditionell wichtigen Segment der Transporter zu. Koreanische, japanische und chinesische Hersteller präsentieren auf der IAA Transportation-Messe in Hannover neue Fahrzeuge, die eine starke Konkurrenz für die Modelle des französischen Autobauers sein dürften.

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Hat sie den Boden gefunden?

Die Renault-Aktie konnte sich im Juli bei einem 3-Jahrestief von 25 € stabilisieren. In den darauffolgenden Wochen gelang ihr eine Erholungsbewegung auf knapp 30 €. Diese Marke konnte der Autotitel allerdings nicht überwinden.

Angesichts fehlender Kurskatalysatoren gehe ich davon aus, dass die Renault-Aktie in den kommenden Wochen zwischen 25 und 30 € auf und ab pendelt wird. Eine Abrutschen auf ein neues Mehrjahrestief halte ich hingegen für unwahrscheinlich.

Wesentlich dynamischer als die Deutschen

Trotz des zunehmenden Wettbewerbs hat sich Renault in den vergangenen Jahren sehr gut am Markt geschlagen. Im Gegensatz zu den deutschen Herstellern, die mit mehr oder weniger starken Absatz-, Umsatz- und Gewinnrückgängen zu kämpfen hatten, zeigten die Franzosen ein ziemliches starkes Wachstum.

In den vergangenen drei Jahren gelang Renault ein durchschnittliches jährliches Wachstum von satten 7,7%. Auch im laufenden Jahr dürfte das Umsatzwachstum zwischen 5 und 7% liegen. Für das kommende Jahr gehen Analysten von einer Abschwächung auf 3 bis 5% aus.

Gleichzeitig glänzt Renault mit einer operativen Marge, die die deutschen Autobauer neidisch werden lässt. Im vergangenen Jahr lag sie bei knapp über 6%. Für 2026 strebt das Management eine Steigerung auf 7% an und 2027 eine weitere Erhöhung auf 7,5 bis 8,0%.

Was ist das Erfolgsgeheimnis von Renault?

Das Erfolgsgeheimnis, das hinter der starken Entwicklung von Renault in den letzten Jahren steckt, lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Klasse statt Masse. In der Vergangenheit fokussierte sich auch der französische Volumenhersteller im Wesentlichen auf einen möglichst hohen Absatz und Umsatz.

2023 verabschiedete sich der Autokonzern von der früheren Philosophie, reinen Volumenrekorden um jeden Preis nachzujagen, und priorisierte stattdessen die operative Profitabilität. Durch größere und margenstärkere Modelle wie dem Austral, Espace, Rafale und Symbioz konnte Renault den Erlös pro verkauftem Fahrzeug deutlich steigern. Gleichzeitig feierten die Franzosen auch große Erfolge mit der Neubelebung historischer Erfolgsmodelle wie dem Renault 4 und 5 als moderne Elektroautos.

Und nicht zuletzt erwies sich auch die Tochtermarke Dacia als immenser Wachstumstreiber. Inzwischen hat sich Dacia europaweit das Image solider Autos mit einem unschlagbaren Preis-Leistungsverhältnis erarbeitet. Die Modelle Sandero und Bigster gehörten zeitweise zu den meistverkauften Autos in ganz Europa. Auch die Vergrößerung der Dacia-Modelle hin zu Kompakt-SUVs trägt zur Margenverbesserung von Renault bei.

Ich sehe Renault sehr gut im zunehmenden Wettbewerb mit chinesischen Herstellern positioniert. Im Gegensatz zu den deutschen Autobauern hat der französische Hersteller bereits sehr früh auf eine Kombination aus Elektro- und Hybridantrieb gesetzt. Dadurch ist Renault schon seit Jahren preislich bei Elektro- und Hybridmodellen wettbewerbsfähig.

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ℹ️ Renault in Kürze

  • Die in Boulogne-Billancourt ansässige Renault S.A. (WKN: 893113) ist einer der führenden Automobilhersteller in Europa. Im Verbund mit Nissan gehören sie auch weltweit zu den führenden Herstellern von PKWs sowie leichten Nutzfahrzeugen.
  • Neben dem Hauptsitz in Boulogne-Billancourt unterhält der Konzern weltweit rund 30 Produktionsstätten.
  • Renault notiert an der Börse in Paris und ist ca. 8,4 Milliarden € wert.

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Fazit

Mit einem Forward-KGV von 9 halte ich die Renault-Aktie angesichts des weiterhin soliden Wachstums für vernünftig bewertet. Das Downside ist gering, das Upside interessant.

Vor allem für Dividendenjäger ist die Renault-Aktie ein Leckerbissen. Im Gegensatz zu den deutschen Autokonzernen haben die Franzosen in den beiden letzten Jahren ihre Dividende nicht gekürzt und bieten aktuell eine sehr attraktive Dividendenrendite von 7,5%.