Siemens-Energy-Aktie: Schlummert hier ein Milliardenwert?
Abspaltung könnte Wert freilegen
Siemens Energy bereitet die rechtliche und operative Trennung der Sparte Transformation of Industry vor. Der Konzern will den Bereich später entkonsolidieren, eine bedeutende Minderheitsbeteiligung aber behalten. Möglich sind der Einstieg externer Investoren, eine Abspaltung oder eine Kapitalmarkttransaktion.
Das Geschäft ist alles andere als ein Sanierungsfall. Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschafteten rund 17.000 Beschäftigte einen Umsatz von 5,7 Milliarden € und eine operative Marge von 11,3%. Etwa die Hälfte der Erlöse stammt aus dem vergleichsweise stabilen Servicegeschäft.
Laut einem vom „Manager Magazin“ zitierten internen Szenario könnte der Umsatz bis 2031 auf 10 bis 11 Milliarden € steigen und der Gewinn auf 1,6 bis 1,8 Milliarden € zulegen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine offizielle Prognose.
Strategisch ist die Trennung nachvollziehbar. Siemens Energy kann sich stärker auf die besonders schnell wachsenden Bereiche Stromerzeugung und Stromübertragung konzentrieren. Allerdings würde der Konzern auch einen profitablen Geschäftsbereich mit wiederkehrenden Serviceerlösen abgeben.
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Auftragseingang und Gewinn explodieren
Operativ befindet sich Siemens Energy weiterhin in ausgesprochen guter Verfassung. Im dritten Geschäftsquartal stieg der Auftragseingang auf den Rekordwert von 17,9 Milliarden €. Der Auftragsbestand erreichte 162 Milliarden € und entspricht damit ungefähr vier Jahresumsätzen.
Der Quartalsumsatz erhöhte sich vergleichbar um 18,5% auf 11,4 Milliarden €. Der Gewinn vor Sondereffekten sprang von 497 Millionen auf 1,62 Milliarden €, während der freie Cashflow vor Steuern von 419 Millionen auf 2,32 Milliarden € zulegte.
Besonders erfreulich ist die Entwicklung bei Siemens Gamesa. Das lange problematische Windgeschäft erzielte erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder einen positiven Quartalsgewinn und soll im Gesamtjahr die Gewinnschwelle erreichen.
Für 2026 erwartet Siemens Energy inzwischen ein vergleichbares Umsatzwachstum von 14 bis 16%, einen Nettogewinn von rund 4 Milliarden € und einen freien Cashflow vor Steuern von etwa 8 Milliarden €. Bis 2028 sollen die Erlöse jährlich mit einer niedrigen zweistelligen Rate wachsen und die operative Marge 14 bis 16% erreichen.
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Die Dividende bleibt Nebensache
Trotz des Kursrückgangs ist die Aktie nicht günstig. Das ausgewiesene KGV liegt derzeit bei ungefähr 46. Diese Bewertung kann nur gerechtfertigt werden, wenn Siemens Energy den Auftragsbestand mit hohen Margen abarbeitet und Siemens Gamesa nicht erneut zum Problemfall wird.
Auch für Einkommensanleger ist die Aktie kaum interessant. Siemens Energy zahlte 2026 erstmals seit 2022 wieder eine Dividende von 0,70 € je Aktie. Daraus ergibt sich lediglich eine Rendite von knapp 0,5%. Die Ausschüttung dürfte bei steigenden Gewinnen zwar wachsen, doch die Investmentstory bleibt eindeutig vom Ergebniswachstum abhängig.
Die Analysten sind überwiegend optimistisch. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 204 €. JPMorgan nennt 245 €, Evercore ISI sogar 250 €, während Deutsche Bank Research und Jefferies jeweils ungefähr 210 € ansetzen. Mit einem Kursziel von 100 € zeigt mwb research allerdings, wie weit die Meinungen zur angemessenen Bewertung auseinanderliegen.
ℹ️ Siemens Energy in Kürze
- Siemens Energy (WKN: ENER6Y) ist ein weltweit tätiger Energietechnologiekonzern mit Sitz in München, der Lösungen für Stromerzeugung, Netzinfrastruktur und industrielle Energieanwendungen entwickelt.
- Das Unternehmen entstand 2020 durch die Abspaltung vom Siemens-Konzern und konzentriert sich auf Gas- und Dampfturbinen, Stromnetze sowie Windenergie über die Beteiligung Siemens Gamesa.
- Die Aktie ist im DAX notiert und zählt zu den zentralen Werten im europäischen Energiesektor.
- Die Marktkapitalisierung des Konzerns liegt derzeit bei rund 119 Milliarden €.
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Fazit
Siemens Energy verfügt über enormes Wachstum, Rekordaufträge und eine zunehmend überzeugende Profitabilität. Die geplante Verselbstständigung von Transformation of Industry könnte zusätzlichen Wert sichtbar machen. Bei einem KGV von rund 46 bleibt jedoch wenig Platz für operative Fehler – für mich ist die Aktie deshalb eher eine Halteposition als ein aggressiver Kauf.