PayPal-Aktie zurück über 50 Dollar: Wo liegt das nächste Ziel?
Der Kurssturz der PayPal-Aktie Anfang Februar erschütterte das Vertrauen vieler Investoren. Auslöser waren schwache Quartalszahlen, eine vorsichtige Prognose und der überraschende Wechsel an der Unternehmensspitze. Seitdem hat sich der Kurs jedoch teilweise erholt und notiert wieder deutlich über den Tiefständen. Doch die Aktie des Zahlungsdienstleisters ist noch immer sehr günstig.
Kursentwicklung und aktuelle Bewertung
Die PayPal-Aktie hat von ihrem Jahrestief inzwischen wieder rund 30% Kursgewinn verzeichnet, notiert aber immer noch fast 40% unter ihrem Vorjahreshoch.
Auslöser für den starken Kursrückgang waren mehrere Faktoren. Eine schwächere Entwicklung im vierten Quartal, der überraschende CEO-Wechsel sowie eine vorsichtige Prognose sorgten für erhebliche Verunsicherung. Am 3. Februar verlor die Aktie an einem Tag fast 20 Prozent und bewegte sich seitdem einige Zeit um die 40-Dollar-Marke, bevor es in der zurückliegenden Handelswoche erstmals wieder zurück über 50 Dollar ging.
Trotz dieser Entwicklung bleibt die Bewertung historisch niedrig. Auf Basis der erwarteten Gewinne wird PayPal derzeit mit etwa dem Zehnfachen des Forward-Gewinns bewertet. Das Verhältnis von Unternehmenswert zu EBITDA liegt bei etwa 6. Beide Kennzahlen markieren weiterhin ein außergewöhnlich günstigstes Bewertungsniveau in der Unternehmensgeschichte.
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Fundamentaldaten des Geschäftsjahres 2025
Hinter der negativen Marktstimmung steht ein Geschäftsjahr, das operativ solide verlief. Der Jahresbericht weist einen Umsatz von 33,2 Milliarden Dollar aus. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg um 14 Prozent auf 5,31 Dollar.
Der bereinigte freie Cashflow belief sich auf 6,4 Milliarden Dollar. Gleichzeitig investierte das Management rund 6 Milliarden Dollar in Aktienrückkäufe und führte erstmals eine Dividende ein.
Auch einzelne Geschäftsbereiche entwickelten sich dynamisch. Besonders Venmo legte deutlich zu und steigerte den Umsatz um rund 20 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar.
Geschäftsmodell und Wachstumssäulen
PayPal betreibt weltweit rund 439 Millionen aktive Konten in etwa 200 Ländern. Das Unternehmen generiert seine Umsätze aus vier zentralen Bereichen.
Der wichtigste Profitmotor bleibt der eigene Checkout-Button auf Händlerseiten, der traditionell die höchsten Margen liefert. Daneben betreibt PayPal mit Braintree eine Infrastruktur für unbranded Zahlungsabwicklung bei großen Onlinehändlern, allerdings mit geringeren Margen.
Venmo hat sich von einer reinen Peer-to-Peer-App zu einer Handelsplattform entwickelt und wächst weiterhin stark. Ein weiterer Bereich ist das Geschäft mit Buy-Now-Pay-Later-Finanzierungen, das inzwischen ein Transaktionsvolumen von mehr als 40 Milliarden Dollar erreicht hat.
Stablecoins als neue Infrastruktur
Ein zusätzlicher strategischer Baustein ist die eigene Stablecoin-Initiative. Der PayPal-Stablecoin PYUSD ist vollständig durch Dollar-Einlagen und US-Staatsanleihen gedeckt.
Im März wurde die Nutzung auf rund 70 Länder ausgeweitet. Parallel dazu wurde Venmo mit grenzüberschreitenden Transfers in etwa 90 Märkten verbunden. Ziel ist es, eine Infrastruktur für globale digitale Zahlungen zu schaffen, die langfristig zusätzliche Nutzung und Engagement generieren kann.
Unterschiedliche Signale aus Quartal und Gesamtjahr
Die Entwicklung des vierten Quartals unterscheidet sich deutlich vom Gesamtbild des Jahres. Im Schlussquartal enttäuschten die Ergebnisse.
Der Umsatz erreichte 8,68 Milliarden Dollar und lag damit etwa 120 Millionen Dollar unter den Erwartungen. Auch der bereinigte Gewinn je Aktie blieb mit 1,23 Dollar rund fünf Prozent unter den Prognosen.
Besonders problematisch entwickelte sich das Wachstum im margenstarken Checkout-Geschäft. Die währungsbereinigte Wachstumsrate sank von fünf Prozent im vorherigen Quartal auf lediglich ein Prozent.
Das Gesamtjahr hingegen zeigt eine deutlich positivere Entwicklung. Der Umsatz stieg auf 33,2 Milliarden Dollar, das operative Ergebnis erhöhte sich um neun Prozent auf 6,38 Milliarden Dollar und die operative Marge verbesserte sich auf 19,2 Prozent.
Cashflow und Besonderheiten im BNPL-Geschäft
Der GAAP-freie Cashflow fiel im Jahresvergleich um 18 Prozent auf 5,6 Milliarden Dollar. Dieser Rückgang hängt mit der buchhalterischen Behandlung von Forderungen aus dem Buy-Now-Pay-Later-Geschäft zusammen.
PayPal originierte diese Forderungen zunächst selbst und verkauft sie anschließend zu unterschiedlichen Zeitpunkten innerhalb eines Quartals weiter. Der bereinigte Cashflow von 6,4 Milliarden Dollar korrigiert diesen zeitlichen Effekt.
Die Differenz zwischen beiden Kennzahlen wird weiterhin genau beobachtet, da ein wachsender Abstand bei steigenden BNPL-Volumina zu einem Risiko werden könnte.
Führungswechsel an der Unternehmensspitze
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist der Wechsel an der Unternehmensspitze. Alex Chriss wurde Anfang Februar nach rund zweieinhalb Jahren im Amt abgelöst.
Sein Nachfolger Enrique Lores bringt umfangreiche Erfahrung als langjähriger CEO von HP mit. Dort leitete er eine Transformation des Geschäfts hin zu stärker service- und abonnementbasierten Erlösmodellen.
Der Vorteil aus Sicht vieler Investoren liegt darin, dass Lores das Unternehmen bereits kennt. Er sitzt seit 2021 im Verwaltungsrat von PayPal und war seit Juli 2024 dessen Vorsitzender.
Venmo entwickelt sich zum wichtigen Wachstumstreiber
Venmo zählt inzwischen zu den wichtigsten Wachstumssäulen. Der Umsatz stieg von etwa 900 Millionen Dollar im Jahr 2021 auf rund 1,7 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2025.
Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer liegt inzwischen bei etwa 67 Millionen. Besonders stark wächst die Nutzung der Venmo-Debitkarte, deren Transaktionsvolumen allein im vierten Quartal um mehr als 50 Prozent zulegte.
Mit der internationalen Expansion öffnet sich zusätzlich ein großer Markt für grenzüberschreitende Überweisungen. Weltweit erreichen diese Transfers laut Weltbank ein Volumen von mehr als 685 Milliarden Dollar pro Jahr.
Das Management strebt bis 2027 einen Venmo-Umsatz von rund zwei Milliarden Dollar an.
Weitere Wachstumstreiber im Produktportfolio
Neben Venmo investiert PayPal in mehrere neue Initiativen. Das neue Checkout-Produkt Fastlane verbessert laut Händlerberichten die Konversionsrate um etwa 50 Prozent.
Auch das BNPL-Geschäft wächst weiterhin stark. Das jährliche Transaktionsvolumen überstieg zuletzt 40 Milliarden Dollar.
Darüber hinaus erweitert PayPal seine Präsenz im stationären Handel. Funktionen wie Tap-to-Pay und die Debitkarte verzeichneten zuletzt ein Wachstum von über 50 Prozent.
Investitionsjahr 2026 belastet kurzfristig die Gewinne
Die Prognose für das Jahr 2026 fiel schwächer aus als von Analysten erwartet. Das Unternehmen rechnet mit einem leicht rückläufigen oder stagnierenden Gewinn je Aktie.
Ein wesentlicher Grund liegt in höheren Investitionen. Rund drei Prozentpunkte Wachstum bei den Transaktionsmargen werden durch zusätzliche Ausgaben aufgezehrt.
Diese Investitionen fließen vor allem in Verbesserungen des Checkout-Erlebnisses, Marketingmaßnahmen sowie neue Funktionen für Venmo.
Bewertung im Vergleich zu Wettbewerbern
Im Vergleich zu anderen Zahlungsabwicklern wirkt PayPal deutlich unterbewertet. Während Wettbewerber wie Block, Fiserv oder Adyen im Durchschnitt etwa mit dem 13-fachen der erwarteten Gewinne bewertet werden, liegt PayPal nur bei etwa dem Neunfachen.
Auch beim Verhältnis von Unternehmenswert zu EBITDA besteht ein deutlicher Bewertungsabschlag gegenüber der Peer-Group.
Diese Diskrepanz ist bemerkenswert, da PayPal gleichzeitig eine der höchsten Free-Cash-Flow-Renditen im Sektor aufweist.
Zielkurse aus Bewertungsmodellen
Eine Bewertung anhand von Vergleichsunternehmen sowie eines Discounted-Cashflow-Modells ergibt einen fairen Wert im Bereich von rund 76 Dollar pro Aktie. Das entspricht einem möglichen Kurspotenzial von etwa 65 Prozent innerhalb von 18 bis 24 Monaten.
Für die nächsten zwölf Monate ergibt sich ein konservativeres Szenario. Selbst ohne operative Verbesserungen könnte eine Stabilisierung der Marktstimmung eine Bewertung von etwa 55 Dollar rechtfertigen.
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Bedeutung der Aktienrückkäufe
Ein wichtiger Bestandteil der Kapitalallokation sind umfangreiche Aktienrückkäufe. Im vergangenen Jahr kaufte PayPal eigene Aktien im Wert von rund sechs Milliarden Dollar zurück.
Bei einer aktuellen Marktkapitalisierung von etwa 43 Milliarden Dollar entspricht dies einer Rückkaufrendite von rund 14 Prozent.
Sollte das Unternehmen dieses Programm fortsetzen, verbessert sich der Gewinn je Aktie allein durch die sinkende Aktienzahl deutlich. Zusätzlich zahlt PayPal inzwischen eine jährliche Dividende von etwa 0,56 Dollar pro Aktie.
Zentrale Risiken für die Investmentthese
Das größte Risiko liegt weiterhin im Checkout-Geschäft. Sollte das schwache Wachstum von nur einem Prozent kein kurzfristiger Ausreißer sein, könnte der wichtigste Margentreiber strukturell unter Druck geraten.
Auch der Führungswechsel bringt Unsicherheit mit sich. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob die neue Unternehmensführung Fortschritte erzielt.
Darüber hinaus bleibt der Wettbewerb intensiv. Unternehmen wie Stripe, Adyen und Cash App konkurrieren um Händler und Nutzer, während mobile Zahlungssysteme großer Technologieunternehmen ebenfalls Marktanteile gewinnen.
Fazit
PayPal wird derzeit zu der niedrigsten Bewertung seiner Unternehmensgeschichte gehandelt. Gleichzeitig erwirtschaftet das Unternehmen weiterhin Milliardenbeträge an freiem Cashflow, verarbeitet Zahlungsvolumen im Billionenbereich und baut neue Wachstumsfelder auf.
Kurzfristige Unsicherheiten bestehen weiterhin. Dennoch deutet die Kombination aus starker Cashflow-Generierung, aggressiven Aktienrückkäufen und strukturellen Wachstumstreibern darauf hin, dass das aktuelle Kursniveau langfristig erhebliches Aufholpotenzial bieten könnte.
Ein moderates Szenario sieht eine Stabilisierung der Aktie im Bereich von etwa 55 Dollar innerhalb der kommenden zwölf Monate. Bei erfolgreicher Umsetzung der strategischen Initiativen könnte sich über einen Zeitraum von 18 bis 24 Monaten ein Wert um 76 Dollar je Aktie ergeben.
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