IBM-Aktie: Gibt es einen Grund zur Enttäuschung?

Zahlen für das 1. Quartal

Die IBM-Aktie bricht am Donnerstagvormittag als Reaktion auf die Quartalszahlen um -7% im europäischen Handel ein. Sind die Zahlen denn tatsächlich so schlecht ausgefallen und wie sollten Anleger auf sie reagieren?

IBM
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Exzellente Quartalszahlen

Die Quartalszahlen von IBM fielen sehr stark aus und übertrafen die Erwartungen der Analysten. In allen Sparten konnte Big Blue zulegen, was in Summe zu einem Umsatzanstieg von 9% gegenüber dem Vorjahr auf 15,92 Milliarden US$ führte. Erwartet wurde im Vorfeld 15,80 Milliarden US$.

Besonders gut entwickelte sich die Sparte Infrastructure. Hier legte der Umsatz von IBM um 15% im Jahresvergleich auf 3,3 Milliarden US$ zu, getrieben durch ein sehr starkes Geschäft mit Mainframes. Aber auch die Software-Sparte wuchs mit einem Plus von 11% überdurchschnittlich stark. Hier treiben vor allem Hybrid-Cloud-Lösungen und KI-Plattformen (watsonx) das Geschäft. Unterdurchschnittlich blieb das Wachstum im Consulting-Bereich mit 4%.

Eine sehr positive Überraschung gelang IBM auch beim Gewinn. Er stieg um satte 19% gegenüber dem Vorjahr auf 1,91 US$ je Aktie und lag damit deutlich über der Analystenschätzung von 1,81 US$.

Der Free Cashflow erreichte mit 2,2 Milliarden US$ den höchsten Stand in einem ersten Quartal seit über einem Jahrzehnt. Aufgrund der exzellenten Gewinn- und Cashflow-Entwicklung wird IBM die Quartalsdividende auf 1,69 US$ anheben. Dies ist das 31. Jahr in Folge, in dem die Dividende gesteigert wurde.

Und nicht zuletzt bestätigte das IBM-Management die Jahresprognose. Big Blue rechnet mit einem währungsbereinigten Umsatzwachstum von über 5% und eine Steigerung des Free Cashflows um etwa 1 Milliarde US$.

Warum sinkt die Aktie trotzdem?

Die negative Reaktion der IBM-Aktie auf die hervorragenden Quartalszahlen lässt sich durch drei Gründe erklären:

Erstens eine Wachstumsverlangsamung: Auch wenn 9% Umsatzwachstum gut klingen, war es weniger als im Vorquartal (12,2%). Der Markt fürchtet, dass der KI-Hype seinen Zenit bei IBM erreicht haben könnte.

Zweitens Margendruck im Consulting: Die Beratersparte wuchs langsamer als erhofft und leidet unter Währungseffekten sowie dem Trend zur Automatisierung durch KI.

Drittens „Claude Code“-Schatten: Neue KI-Tools, allen voran Claude Code von Anthropic, die COBOL-Code automatisiert umschreiben können, könnten IBM in Kerngeschäftsfeldern Umsatz und Gewinn „abgraben“.

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Weiter seitwärts

Die IBM-Aktie hat zuletzt bei 223 US$ einen Boden gefunden, konnte sich aber auch nicht über ein Kursniveau von 260 US$ erholen. Ich gehe davon aus, dass der Tech-Titel in den kommenden Wochen seinen Ende Februar begonnenen Seitwärtstrend vorerst fortsetzen wird.

Keine Furcht vor diesem Gespenst

Ich glaube, dass die Börse mit dem heutigen Abverkauf der IBM-Aktie Unrecht tut. Die Quartalszahlen sind exzellent und die Prognosen ebenso gut.

Ein Blick auf die Bewertung verrät, warum die IBM-Aktie in meinen Augen immer noch einen Kauf wert ist. Das Forward-KGV liegt aktuell bei 20. Für einen wachsenden Technologiekonzern mit einer operativen Marge von fast 20% und einer sehr starken Cash-Generierung halte ich diesen Wert für ziemlich moderat.

Auch IBM wird inzwischen an der Börse zum KI-Verlierer abgestempelt. Meiner Überzeugung nach ist das ein vollkommenes Fehlurteil.

Big Blue entwickelt nicht nur seit langer Zeit eigene KI-Tools, sondern arbeitet im Rahmen einer Multi-Plattform-Strategie mit allen wichtigen KI-Entwicklern zusammen. IBM gehört zu den wenigen Konzernen auf der Welt, die in fast allen Fragen der KI-Implementierung in Unternehmensprozessen ganz vorne mitmischen. Ich sehe deshalb weder das Infrastrukturgeschäft noch das Software- und das Consulting-Business von Big Blue in Gefahr.

Das Schreckgespenst der KI-Disruption von Software- und Beratungsfirmen mag sehr real sein. IBM muss sich meiner Meinung nach aber nicht vor diesem Gespenst fürchten.

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ℹ️ IBM in Kürze

  • Die International Business Machines Corporation, kurz IBM, (WKN: 851399) ist ein IT- und Beratungsunternehmen mit Sitz in Armonk im US-Bundesstaat New York.
  • Der bereits 1911 gegründete Konzern entwirft und entwickelt hochmoderne IT wie KI, Cloud- und Unternehmenssoftware sowie Quantencomputeranwendungen.
  • IBM ist Mitglied in den US-Leitindizes Dow Jones Industrial und S&P 500. Der Börsenwert liegt aktuell bei 236 Milliarden US$.
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