IBM-Aktie -13%: Ist Anthropic ihr Killer?
Den Februar werden IBM-Aktionäre nicht in guter Erinnerung behalten. Nachdem der Kurs von Big Blue bereits seit Monatsbeginn um -16% zurückgegangen war, brach die Aktie am gestrigen Montag völlig unerwartet um satte -13% ein. Es war der schwerste Tagesverlust für den Konzern seit über 25 Jahren. Was war da bloß los und ist der plötzliche Kurssturz ein Alarmsignal für die IBM-Aktie?
Ein KI-Tool löst einen Schock aus
Es ist schon bemerkenswert. Während viele IT-Unternehmen in den letzten Wochen an der Börse massiv unter die Räder kamen, konnte sich die IBM-Aktie bislang recht gut behaupten. Doch der gestrige Tag könnte vieles verändern, denn plötzlich scheint auch Big Blue als Opfer der KI-Disruption in der Software-Branche gesehen zu werden.
Auslöser des Schocks war die Veröffentlichung des neuen KI-Tools „Claude Code“ durch den KI-Entwickler Anthropic. Das Tool wurde speziell für Softwareentwickler konzipiert und hat es wahrlich in sich.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Chatbots oder reinen Autocomplete-Tools ist Claude Code nämlich agentisch. Das bedeutet, dass das Tool direkt im Terminal des Entwicklers arbeitet und nicht nur Code schreiben kann, sondern ganze Programmieraufgaben, einschließlich Tests und Fehlerbehebung, eigenständig plant und ausführt.
Was hat das nun mit IBM zu tun?
Für IBM ist Claude Code brandgefährlich, denn das Anthropic-Tool beherrscht die „antike“ Programmiersprache COBOL. Sie ist den wenigsten Programmierern heutzutage noch geläufig, aber trotzdem immer noch von größter Bedeutung, denn ein Großteil der weltweiten Bank- und Versicherungssysteme laufen auf COBOL. Auch bei Fluggesellschaften und bei Behörden laufen viele IT-Systeme noch auf der alten Programmiersprache.
Claude Code kann diese komplexen Altsysteme analysieren und in moderne Sprachen wie Java oder Python übersetzen – ein Prozess, der bisher Jahre dauerte und Milliarden kostete. Bislang floss ein signifikanter Teil dieses Geldes in die Taschen von IBM. Big Blue verdiente Milliarden durch die Wartung dieser Systeme und lukrative Beratungsverträge für deren langsame Modernisierung.
Claude Code macht aus Projekten, die früher zehn Jahre dauerten und hunderte Berater erforderten, Aufgaben, die nun in wenigen Quartalen erledigt werden können. Das wird IBM richtig wehtun. Nicht nur die Wartung der Hardware-Infrastruktur für COBOL-Altsysteme könnte damit überflüssig werden, sondern vor allem das sehr margenstarke Consulting-Geschäft.
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Ein gruseliger Chart
Der Chart der IBM-Aktie sieht seit Monatsbeginn gruselig aus. Der Dow Jones-Titel befindet sich im freien Fall.
Es gibt nur eine gute Nachricht. Das 12-Monatstief bei 221 US$ hat bislang gehalten. Am Dienstagmorgen zeichnet sich im europäischen Handel eines leichte Erholung ab. Ein charttechnisch sehr wichtiges Signal.
Value-Falle oder Value-Aktie?
Einige Experten bezeichnen die IBM-Aktie bereits als Value-Falle. Sie gehen davon aus, dass auch der IT-Traditionskonzern in den kommenden Jahren durch das Aufkommen von sehr mächtigen KI-Tools massiv unter Druck geraten wird.
Ich glaube hingegen, dass die gestrige Kursreaktion der IBM-Aktie etwas übertrieben war. Auch IBM entwickelt seit geraumer Zeit eigene KI-Tools, um seine Wartungs- und Beratungsprozesse zu optimieren. Sie sind vor allem auf die extrem hohen Sicherheits- und Compliance-Anforderungen von Banken und Versicherungen zugeschnitten. Zudem arbeitet Big Blue bereits mit Anthropic zusammen, um Claude in seine eigenen Unternehmensplattformen zu integrieren.
IBM verfolgt eine andere Strategie als die meisten IT-Konzerne. Anstatt eine eigene KI von Grund auf neu zu entwickeln, geht das IT-Urgestein Partnerschaften mit KI-Entwicklern ein. IBM positioniert sich damit als eine Art „Zuhause“ für die besten und sichersten Modelle, ohne sich an ein eigenes oder ein externes Modell zu binden.
Meiner Meinung nach ist das eine sehr sinnvolle Strategie. Niemand weiß zum jetzigen Zeitpunkt, welche KI-Modelle sich in den kommenden Jahren auf dem Markt durchsetzen werden. Obwohl Anthropic in den letzten Wochen mit neuen Tools für großes Aufsehen in der IT-Branche sorgte, ist es meiner Ansicht nach noch lange nicht ausgemachte Sache, dass Claude zukünftig eines der führenden KI-Modelle sein wird.
Big Blue hat schon viele andere IT-Unternehmen kommen und gehen sehen. Das wird auch weiterhin so bleiben. Für langfristig orientierte Anleger sehe ich momentan einen guten Zeitpunkt, um in die IBM-Aktie zu investieren. Sie ist meines Erachtens immer noch ein Value Stock und keine Value Trap.
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ℹ️ IBM in Kürze
- Die International Business Machines Corporation, kurz IBM, (WKN: 851399) ist ein IT- und Beratungsunternehmen mit Sitz in Armonk im US-Bundesstaat New York.
- Der bereits 1911 gegründete Konzern entwirft und entwickelt hochmoderne IT wie KI, Cloud- und Unternehmenssoftware sowie Quantencomputeranwendungen.
- IBM ist Mitglied in den US-Leitindizes Dow Jones Industrial und S&P 500. Der Börsenwert liegt aktuell bei 209 Milliarden US$.