Amazon-Aktie: Hält die Dynamik an?
Die Aktie von Amazon bleibt einer der zentralen Profiteure des weltweiten KI-Booms und konnte nach unserem Kauftipp im März neue Dynamik gewinnen. Im Zuge der letzten Quartalszahlen rückt vor allem die enorme Nachfrage nach Cloud- und KI-Infrastruktur in den Mittelpunkt, während der Konzern gleichzeitig seine Ertragskraft deutlich steigert.
Rekordquartal mit außergewöhnlicher Dynamik
Amazon hat mit den Ende April vorgelegten Zahlen für das erste Quartal die Erwartungen des Marktes klar übertroffen. Der Umsatz stieg um 16,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 181,52 Milliarden US-Dollar und lag damit rund 4,35 Milliarden Dollar über den Analystenschätzungen. Auch auf Ergebnisebene lieferte der Konzern ein außergewöhnlich starkes Bild ab. Das GAAP-Ergebnis je Aktie erreichte 2,78 Dollar und übertraf den Konsens um 1,13 Dollar. Gleichzeitig kletterte das operative Ergebnis auf 23,9 Milliarden Dollar, womit Amazon den oberen Bereich der eigenen Prognose deutlich übertraf. Die operative Marge erreichte mit 13,1 Prozent einen historischen Höchststand.
Im Cloudgeschäft setzte sich die Dynamik ebenfalls fort. AWS steigerte den Umsatz um 28 Prozent auf 37,6 Milliarden Dollar. Das operative Ergebnis des Segments belief sich auf 14,2 Milliarden Dollar und legte damit im Jahresvergleich um nahezu 3 Milliarden Dollar zu.
Allerdings wurde das Ergebnis je Aktie durch einen nicht zahlungswirksamen Bewertungsgewinn von 16,8 Milliarden Dollar aus der Beteiligung an Anthropic beeinflusst. Bereinigt um diesen Effekt hätte das EPS eher bei etwa 1,50 Dollar gelegen und damit näher an den Markterwartungen.
AWS sichert sich Nachfrage auf historischem Niveau
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung des AWS-Auftragsbestands. Amazon beziffert den bestehenden Vertragsbestand inzwischen auf 364 Milliarden Dollar. Hinzu kommen zusätzliche Verpflichtungen von Anthropic im Umfang von mehr als 100 Milliarden Dollar sowie weitere Zusagen im Zusammenhang mit der hauseigenen KI-Chipplattform Trainium im Volumen von über 225 Milliarden Dollar.
Damit liegt die offen ausgewiesene künftige Nachfrage bei rund dem 2,4-Fachen des aktuellen AWS-Umsatzes. Eine derart hohe Abdeckung wurde bislang bei keinem großen Cloudanbieter erreicht. Gleichzeitig wuchs diese Kennzahl im Jahresvergleich um 40 Prozent. Selbst in früheren Hochphasen des Cloudmarktes lagen vergleichbare Quoten der Hyperscaler nie oberhalb des 1,7-Fachen.
Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass Amazon einen erheblichen Teil seiner künftigen Investitionen bereits durch langfristige Kundenzusagen abgesichert hat.
Trainium entwickelt sich zum strategischen Schlüsselgeschäft
Entscheidend ist dabei auch die Struktur dieser Nachfrage. Die Vereinbarung mit Anthropic allein sichert über einen Zeitraum von zehn Jahren rund fünf Gigawatt an Trainium-Kapazitäten. Das Projekt Rainier soll von aktuell mehr als 500.000 Trainium2-Chips bis Ende 2026 auf eine kombinierte Kapazität von einem Gigawatt mit T2- und T3-Chips wachsen.
Das Geschäft mit den KI-Beschleunigern erreicht inzwischen einen Umsatzlauf von mehr als 20 Milliarden Dollar und wächst weiterhin im dreistelligen Prozentbereich. Trainium2 gilt bereits weitgehend als ausverkauft. Amazon-Chef Andy Jassy erklärte im Rahmen der Analystenkonferenz sogar, dass dieses Geschäft als eigenständiges Unternehmen mit mindestens 50 Milliarden Dollar bewertet werden könnte.
Sollte sich das AWS-Wachstum in den kommenden zwei Jahren von aktuell 28 Prozent auf etwa 20 Prozent verlangsamen, könnte der Segmentumsatz bis 2027 dennoch auf rund 210 Milliarden Dollar steigen. Gleichzeitig erscheinen operative Margen zwischen 38 und 40 Prozent realistisch, auch dank der Kostenvorteile durch die eigene Chipentwicklung. Das operative Ergebnis von AWS könnte damit bis 2027 auf nahezu 80 Milliarden Dollar anwachsen.
Milliardeninvestitionen bleiben durch Nachfrage abgesichert
Der Umfang der geplanten Investitionen bleibt allerdings enorm. Amazon plant Investitionen von rund 200 Milliarden Dollar, während der freie Cashflow zuletzt um 95 Prozent eingebrochen ist. Aus Sicht des Managements handelt es sich dabei jedoch nicht um spekulative Ausgaben, sondern um Investitionen gegen bereits vertraglich abgesicherte Nachfrage.
Das Unternehmen betont, dass bereits für einen wesentlichen Teil der Kapazitäten konkrete Kundenvereinbarungen bestehen. Zudem erwartet Amazon attraktive operative Margen sowie hohe Kapitalrenditen aus diesen Projekten. Kurzfristig dürfte der Druck auf den freien Cashflow dennoch weiter zunehmen, bevor sich die Ertragslage wieder stabilisiert.
Amazon hebt sich im Wettbewerb der Hyperscaler ab
Im Vergleich zu Wettbewerbern wie Alphabet und Microsoft fällt vor allem die Relation zwischen Investitionen und Umsatzbasis auf. Alphabet wird Schätzungen zufolge zwischen 180 und 190 Milliarden Dollar investieren, obwohl das Cloudgeschäft deutlich kleiner als AWS ist.
Bei Microsoft wiederum hängt der jüngste Anstieg der Investitionen stärker mit steigenden Komponentenpreisen zusammen als mit neuen Rechenzentrumsprojekten. Amazon bleibt damit der einzige große Hyperscaler, dessen Investitionsoffensive unmittelbar durch einen offengelegten mehrjährigen Auftragsbestand gedeckt ist.
Zudem verfügt AWS bereits heute über eine ausgereifte eigene KI-Chipplattform in großem Maßstab und vereint sowohl große Unternehmenskunden als auch führende KI-Labore unter seinen wichtigsten Partnern.
Werbegeschäft entwickelt sich zur Gewinnmaschine
Neben AWS gewinnt auch das Werbegeschäft zunehmend an Bedeutung. In den vergangenen vier Quartalen erzielte Amazon in diesem Segment einen Umsatz von mehr als 70 Milliarden Dollar. Das Wachstum lag bei 24 Prozent.
Damit zählt Amazon inzwischen zu den größten digitalen Werbeplattformen der Welt und rangiert nur noch hinter Google, Meta und TikTok. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass Amazon dieses Werbegeschäft auf Basis seines Handelsökosystems aufgebaut hat und nicht primär als klassisches Social-Media-Unternehmen agiert.
Das Werbesegment gilt mittlerweile als margenträchtigster Geschäftsbereich des Konzerns. Neue Partnerschaften sollen die Reichweite künftig auch außerhalb der eigenen Plattformen ausbauen. Bei anhaltender Entwicklung erscheint ein Umsatz von mehr als 90 Milliarden Dollar bis 2027 erreichbar.
Höhere Bewertung erscheint zunehmend gerechtfertigt
Die Bewertung der Amazon-Aktie ist inzwischen anspruchsvoll. Das Non-GAAP-KGV liegt bei rund 32 und damit oberhalb von Alphabet sowie deutlich über dem Niveau von Meta.
Gleichzeitig hat sich jedoch die Qualität der Erträge grundlegend verändert. AWS operiert inzwischen mit Margen nahe 40 Prozent, das Werbegeschäft erzielt außergewöhnlich hohe Zusatzmargen, und selbst das Handelsgeschäft erreicht inzwischen operative Margen von mehr als sieben Prozent. Damit unterscheidet sich Amazon heute deutlich von früheren Jahren, in denen das Unternehmen vor allem als margenschwacher Einzelhändler wahrgenommen wurde.
Unter der Annahme, dass Amazon sein Bewertungsniveau halten kann und AWS weiterhin Wachstumsraten oberhalb von 26 Prozent erzielt, erscheint ein Gewinn je Aktie von etwa 11,50 Dollar im Jahr 2027 realistisch. Auf Basis eines Multiplikators von 32 ergäbe sich daraus ein mögliches Kursziel von rund 368 Dollar.
Risiken trotz starker Perspektiven
Trotz der starken Entwicklung bestehen weiterhin erhebliche Risiken. Sollte sich das Wachstum von AWS in den kommenden Quartalen unter die Marke von 22 Prozent verlangsamen, könnte dies zu einer Neubewertung der Aktie führen. Der hohe Auftragsbestand spricht derzeit zwar gegen ein solches Szenario, bleibt jedoch die wichtigste Kennzahl für Investoren.
Hinzu kommt die starke Abhängigkeit von Anthropic. Amazon hält inzwischen eine bedeutende Beteiligung an dem KI-Unternehmen und ist gleichzeitig enger Infrastrukturpartner. Eine Abschwächung der Wachstumsdynamik bei Anthropic könnte daher sowohl die AWS-Umsätze als auch den Wert der Beteiligung belasten.
Zudem dürfte Amazon angesichts der massiven Investitionen bis mindestens 2027 mit schwachem freien Cashflow konfrontiert bleiben. Ein erheblicher Teil der Ausgaben fließt in GPUs und KI-Beschleuniger mit vergleichsweise kurzen Abschreibungszyklen von drei bis fünf Jahren. Dadurch steigt der Druck, diese Infrastruktur möglichst schnell auszulasten und zu monetarisieren.
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ℹ️ Amazon in Kürze
- Amazon (WKN: 906866) mit Hauptsitz in Seattle im US-Bundesstaat Washington ist ein global agierender Online-Versandhändler mit einer breit gefächerten Produktpalette.
- In vielen Produktkategorien ist Amazon der weltweit führende Einzelhändler. Über die Verkaufs- und Logistikplattform des Konzerns können auch Privatpersonen und andere Händler ihre Produkte anbieten.
- Neben seiner marktführenden Position im E-Commerce ist Amazon über seine Sparte Web Services auch der weltweit größte Anbieter von Cloud Computing-Diensten.
- Amazon notiert im Nasdaq 100 sowie im S&P 500 Index und gehört mit einem aktuellen Börsenwert von ca. 2,93 Billionen US$ zu den fünf wertvollsten Unternehmen der Welt.
Fazit
Amazon befindet sich mitten in einer der größten Investitionsphasen seiner Unternehmensgeschichte. Gleichzeitig sind große Teile dieser Expansion bereits durch langfristige Nachfragezusagen abgesichert. Genau darin liegt derzeit die zentrale Stärke des Konzerns.
Unter den großen Hyperscalern scheint Amazon damit besonders gut aufgestellt, um vom globalen KI-Boom zu profitieren. AWS, die eigene Chipstrategie und das schnell wachsende Werbegeschäft schaffen zunehmend ein Geschäftsmodell mit hoher Skalierbarkeit und deutlich verbesserten Margen.
Seit unseres Kauftipps Mitte März hate die Akite rund 30% zugelegt, bleibt aber trotzdem eine sinnvolle Depotposition.
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