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Bitcoin: Ist der Sprung über 80.000 US$ jetzt die Trendwende?

Erholung am Kryptomarkt

Bitcoin hat den Schreck des US-Wahlabends schnell hinter sich gelassen. Am Mittwoch fiel der Kurs zeitweise bis auf 75.649 US$ und damit auf ein Siebenwochentief. Am heutigen Donnerstagmorgen notierte die größte Kryptowährung dann bei 80.646 US$, ein Plus von +3,69% binnen 24 Stunden. Damit stellt sich die Frage: Leitet die V-förmige Erholung eine echte Trendwende ein, oder ist sie nur ein kurzer Befreiungsschlag?

Unsicherheit weicht Klarheit

Ausgelöst wurde der Rücksetzer durch die ersten Hochrechnungen zu den Kongresswahlen. Sie deuteten auf einen Sieg der Demokraten in beiden Kammern hin. Am Markt wuchs damit die Sorge, dass die kryptofreundliche Politik von Präsident Donald Trump ins Stocken geraten könnte. Seine Regierung hatte die Aufsicht gelockert, eine strategische Bitcoin-Reserve geschaffen und ein Bundesgesetz für Stablecoins durchgesetzt. Als das Ergebnis feststand, drehte die Stimmung. Dick Lo, Gründer von TDX Strategies, führt die Erholung darauf zurück, dass der klare Wahlausgang die politische Unsicherheit beendet habe.

Überraschend kam der Sieg der Demokraten ohnehin nicht. Nach Angaben von Nicolas Quatravaux, EMEA-Chef beim Krypto-Derivatehändler Paradigm, sahen Prognosemärkte die Wahrscheinlichkeit dafür schon länger bei über 75%. Für mich erklärt das die heftige Gegenbewegung: Der nächtliche Ausverkauf traf einen Markt, der diesen Ausgang weitgehend eingepreist hatte. Zwischenzeitlich stieg Bitcoin auf ein Wochenhoch von 81.163 US$ und überwand dabei auch den Durchschnittskurs der letzten 50 Tage. Analysten betonen zudem, dass Liquidität, Zinsen und Kapitalflüsse den Kurs stärker bewegen als die Gesetzgebung. Die neuen Mehrheiten im Kongress betreffen eher Kryptobörsen und Herausgeber von Token.

Short-Seller zahlen drauf

Verstärkt wurde der Anstieg durch den Terminmarkt. Als Bitcoin die Marke von 80.000 US$ zurückeroberte, wurden innerhalb von 30 Minuten Short-Positionen im Wert von mehr als 320 Millionen US$ zwangsweise aufgelöst. Insgesamt summierten sich die Liquidationen von Wetten auf fallende Kurse auf mehrere hundert Millionen US$. Schon am Wahltag war der Optionshandel sprunghaft gestiegen: Große Einzelabschlüsse, sogenannte Blockgeschäfte, erreichten einen Nominalwert von rund 660 Millionen US$. Das war mehr als doppelt so viel wie am Vortag.

Ein solcher Short Squeeze treibt den Kurs schnell nach oben, weil Leerverkäufer Bitcoin zurückkaufen müssen, um ihre Positionen zu schließen. Ist dieser Druck abgebaut, fehlt jedoch ein Teil des Kaufimpulses. Den Sprung über 80.000 US$ werte ich deshalb zu einem guten Teil als technisch getriebene Bewegung.

ETF-Gelder fließen wieder

Hinweise auf echte Nachfrage liefern die US-Spot-ETFs auf Bitcoin. Sie verbuchten am Mittwoch Nettozuflüsse von 74,6 Millionen US$ und beendeten damit eine Serie von drei Handelstagen mit Abflüssen. Gegenwind kommt allerdings aus der Branche selbst. Auf dem Sektor lasten der jüngste Sicherheitsvorfall bei der Kryptobörse Binance und eine allgemein geringere Risikobereitschaft. Über sieben Tage betrachtet liegt Bitcoin trotz des Sprungs nahezu unverändert.

Auch die politische Deutung bleibt umstritten. Der Bitcoin-Skeptiker Peter Schiff nannte die Rally die irrationalste mögliche Reaktion auf das Wahlergebnis. Er erwartet, dass ein künftiger demokratischer Präsident die gesamte strategische Bitcoin-Reserve verkaufen würde. Michael Saylor wertet den Wahlausgang dagegen als Beleg dafür, dass Bitcoin-Reserven in beiden Parteien Rückhalt haben.

82.000 US$ als Hürde

Charttechnisch steht nun der Bereich zwischen 80.000 und 82.000 US$ im Mittelpunkt. Die Marke von 82.000 US$ gilt als nächster Widerstand. Dort hat sich zudem eine größere Ansammlung offener Orders gebildet, ein sogenanntes Liquiditätscluster. Nach unten markiert das Siebenwochentief bei rund 75.600 US$ die Linie, die Käufer verteidigen müssten.

Fazit

Für mich ist die Erholung bislang eher ein Befreiungsschlag als der Beginn einer Trendwende. Die schnelle Gegenbewegung zeigt zwar, dass im Bereich des Siebenwochentiefs Käufer bereitstehen. Das Fundament halte ich trotzdem für dünn, weil die Zwangsschließungen der Leerverkäufer einen großen Teil des Anstiegs erklären. Ein einzelner Tag mit ETF-Zuflüssen ist für mich zudem noch kein Beleg für eine dauerhaft höhere Nachfrage von institutionellen Investoren.

Von einer belastbaren Trendwende würde ich erst sprechen, wenn Bitcoin den Widerstand nachhaltig überwindet und die Spot-ETFs über mehrere Tage Zuflüsse verbuchen. Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, ihre Position zu halten, solange das Tief vom Wahlabend nicht unterschritten wird. Ein Bruch dieser Marke würde das Bild deutlich eintrüben. Wer neu einsteigen möchte, könnte abwarten, bis sich der Kurs oberhalb des Widerstands festgesetzt hat.

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