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Lanxess-Aktie +20%: Ist das jetzt die echte Trendwende?

Chemiekonzern im Aufwind
Redaktion | Börse

Die Aktien von Lanxess haben am Donnerstag mit einem kräftigen Kurssprung reagiert. Das Plus weitete sich im Vormittagshandel auf fast 20 Prozent aus, zuletzt wurden 14,63 Euro je Aktie gezahlt. Dabei galten die Zahlen für das dritte Quartal und der präzisierte Ausblick unter Börsianern und Analysten eigentlich als eher unspektakulär. Ist das der Beginn einer echten Trendwende oder nur eine technisch getriebene Gegenbewegung?

Quartal übertrifft Erwartungen

Der Chemiekonzern hat im dritten Quartal etwas besser abgeschnitten als erwartet. Gleichzeitig blickt das Management in der Tendenz etwas vorsichtiger auf das Gesamtjahr. Diese Kombination aus leicht besserem Quartal und zurückhaltenderem Jahresausblick wäre für sich genommen kein Grund für einen Kurssprung dieser Größenordnung.

Chetan Udeshi von JPMorgan bewertete das dritte Quartal als einen Tick besser als befürchtet und verwies dabei besonders auf den deutlich besseren freien Barmittelzufluss. Hinzu komme der Ausblick auf das bereinigte operative Ergebnis für das vierte Quartal, der über den pessimistischen Markterwartungen liege. Udeshi hatte bereits am Morgen erwartet, dass dies den Aktien nach dem schwachen Lauf einen Schub geben würde. Sebastian Satz von der Citigroup rechnete ebenfalls am Morgen mit einem Kursplus und begründete dies mit dem positiven Free Cashflow sowie der zuvor pessimistischen Marktpositionierung.

Angespannte Ausgangslage

Die Ausgangslage vor den Zahlen war extrem angespannt. Ende Oktober waren die Lanxess-Aktien mit 11,46 Euro auf dem niedrigsten Stand seit März angekommen. Bei gut 11 Euro hätte das tiefste Niveau seit 2009 gedroht, und bei 10,28 Euro lag das Rekordtief aus dem Jahr 2008 in Reichweite. Der Markt hatte also bereits ein sehr düsteres Szenario eingepreist, weshalb schon eine leichte Entwarnung für eine heftige Gegenbewegung reichte.

Leerverkäufer drücken nach

Am Markt hieß es, dass auch Eindeckungen durch Leerverkäufer, ein sogenannter Short Squeeze, zu der Bewegung beigetragen haben dürften. Diese Marktteilnehmer hatten zuvor auf fallende Kurse gesetzt.

Fazit

Die Reaktion war vor allem eine Funktion der zuvor extrem negativen Erwartungshaltung. Dass die Papiere von 11,46 Euro Ende Oktober auf 14,63 Euro schossen, dürfte weniger an einer operativen Wende liegen als an der Kombination aus leichter Entwarnung bei Quartalsergebnis und Barmittelzufluss sowie erzwungenen Eindeckungen von Leerverkäufern. Der vorsichtigere Blick aufs Gesamtjahr bleibt bestehen, daran ändert der Kurssprung nichts. Entscheidend dürfte sein, ob Lanxess den freien Barmittelzufluss auch im Schlussquartal und darüber hinaus auf diesem Niveau halten kann. Gelingt das, wäre eine Bodenbildung glaubwürdiger zu begründen. Nach einem Tagesplus dieser Größenordnung und angesichts des zusätzlichen Short-Squeeze-Effekts erscheint ein Neueinstieg mit erhöhtem Risiko verbunden, während bestehende Anleger die weitere Entwicklung der nächsten Quartale als Bestätigung abwarten könnten.

Quelle: dpa-AFX

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