HelloFresh-Aktie +12%: Ist der Turnaround endlich geschafft?
Profitabilität deutlich verbessert
Das Effizienzprogramm von HelloFresh zeigt zunehmend Wirkung. Der Konzern konzentriert sich verstärkt auf margenstarke Produkte, senkt die Kosten und baut ineffiziente Strukturen ab. Die Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2026 belegen, dass diese Strategie erste deutliche Erfolge bringt.
Das währungsbereinigte bereinigte EBITDA (AEBITDA) stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 26,3% auf 50,9 Millionen €. Besonders erfreulich entwickelte sich das Kochboxengeschäft: Die AEBITDA-Marge verbesserte sich von 9,4 auf 10,7%. Auch das Geschäft mit verzehrfertigen Mahlzeiten machte Fortschritte. Hier erreichte HelloFresh erstmals die operative Gewinnschwelle auf Basis des bereinigten EBITDA.
Die Ertragsverbesserung ist vor allem auf eine effizientere Kostenstruktur zurückzuführen. Dazu trugen auch die deutlich reduzierten Marketingausgaben bei.
CEO und Mitgründer Dominik Richter erklärte, dass das vorrangige Ziel einer verbesserten Profitabilität wie angekündigt im dritten Quartal erreicht worden sei.
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Umsatz bleibt unter Druck
Allerdings hat die Verbesserung der Profitabilität ihren Preis. Der Konzernumsatz sank im dritten Quartal von rund 1,6 auf 1,4 Milliarden €. Bei den Kochboxen betrug der Rückgang 13,1%, im Geschäft mit Fertigmahlzeiten waren es 11,1%.
Erfreulich entwickelte sich dagegen das noch vergleichsweise junge Geschäft mit Premium-Fleisch, Meeresfrüchten und Tiernahrung. Hier verzeichnete HelloFresh ein Wachstum von 36%.
Auch beim durchschnittlichen Bestellwert gab es Fortschritte. Dieser erhöhte sich um 7,5% auf 70,50 €. Gleichzeitig blieb die Neukundengewinnung hinter den eigenen Erwartungen zurück. Die reduzierten Marketingausgaben machen sich damit zunehmend auf der Nachfrageseite bemerkbar.
Ein wichtiger Fortschritt zeigte sich beim Free Cashflow. Das Minus verringerte sich gegenüber dem Vorjahresquartal deutlich von 80,7 auf lediglich 5,7 Millionen €.
Jahresprognose bestätigt
Aufgrund der bisherigen Geschäftsentwicklung bestätigte HelloFresh seine Jahresprognose für 2026.
Der Konzern rechnet weiterhin mit einem währungsbereinigten Umsatzrückgang zwischen 9 und 11%. Das bereinigte EBITDA soll zwischen 350 und 370 Millionen € liegen.
Auch bei der Finanzierung hat das Unternehmen Fortschritte erzielt. So wurden Anleihen zurückgezahlt und die revolvierende Kreditfazilität über 375 Millionen € bis Oktober 2030 verlängert. Das verschafft HelloFresh zusätzliche Planungssicherheit und stärkt die finanzielle Flexibilität.
Bewertung
Die Geschäftszahlen zeigen, dass HelloFresh seine Kostenstruktur deutlich verbessern kann. Das Unternehmen erzielt trotz rückläufiger Umsätze höhere operative Ergebnisse. Besonders die Entwicklung der Margen im Kochboxengeschäft und die erreichte Gewinnschwelle bei den Fertigmahlzeiten sind positiv zu bewerten.
Problematisch bleibt allerdings die Neukundengewinnung. Die Einsparungen beim Marketing wirken sich zwar positiv auf die Profitabilität aus, bremsen aber gleichzeitig die Nachfrageentwicklung.
Für eine nachhaltige Erholung muss HelloFresh deshalb den Spagat zwischen Kostendisziplin und Wachstum schaffen. Eine dauerhaft sinkende Kundenbasis wäre auch durch höhere Bestellwerte und bessere Margen nur schwer auszugleichen.
ℹ️ HelloFresh in Kürze
- Die HelloFresh SE (WKN: A16140) mit Sitz in Berlin ist ein Anbieter sogenannter „Kochboxen“. Dabei handelt es sich um Pakete mit vorbereiteten Zutaten, vorwiegend aus lokalem Anbau, und einem Rezept.
- Die Boxen können von Verbrauchern selbst zu Mahlzeiten zubereitet werden. Die Kochboxen von HelloFresh sind in Abonnements erhältlich.
- Darüber hinaus bietet HelloFresh inzwischen auch Fertigmahlzeiten zur Bestellung an.
- Neben Deutschland ist der Kochboxenversender in zahlreichen weiteren Ländern aktiv.
- Das 2011 gegründete Unternehmen ist Mitglied im deutschen Nebenwerteindex SDAX und aktuell ca. 482 Millionen € wert.
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Fazit
Fundamental hat sich die Situation bei HelloFresh verbessert. Somit ist der Kursanstieg seit Oktober gerechtfertigt. Dennoch halte ich kurzfristig das weitere Potenzial für begrenzt.
HelloFresh bleibt ein spekulativer Turnaround-Kandidat. Für einen nachhaltigen Aufwärtstrend benötigt die Aktie neben steigenden Margen vor allem eine Stabilisierung des operativen Geschäfts. Anleger sollten aus meiner Sicht das vierte Quartal sowie die Prognose für das nächste Geschäftsjahr abwarten.
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